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Kreuz und quer durch Marokko : Kultur- und Sittenbilder aus dem Sultanat des Westens ; Mit 1 Taf., 163 Abb. im Text und 1 Übersichtskt. / Von Otto C. Artbauer
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10. Ou Hamara.

Zeöenskauf eines marokkanischen RronLewerKers.

Seine Alistammnng. Si Mechdi el Menebhi. Bu Samaras Vergangenheit. I>ie verschiedenen Namen. Lrste Erfolge. Kämpfe bei Tasa. vor Aasba Saida und in Aasvci Seluan. INincugeschichten. Niederlagen. Seine Ge­fangennahme. Französisches Geschrei und Tatsachen. Grausamkeiten der Rogi- leute. Auf den Schlachtfeldern. Schädigung des Landes. Seine Streitmacht

und Hilfsquellen.

ie merkwürdigste Erscheinung im letzten Jahrzehnt marok­kanischer Geschichte, eine Sagengestalt, um die sich trauriger Nimbus wob, war wohl der Aronanrvärter Bu Samara. Sein eigentlicher Name ist Dschelali den Abd es Slam es Serhuni, er stammt aus der Rabila Uled Iussuf westlich von Fes. In früher Jugend fand er Stellung als Schreiber bei Mulai Gmar, einem älteren Bruder der nachmaligen Herrscher l)afid und Abd el Asis. Gleichzeitig stand in denselben Diensten Mechdi el Menebhi, der in letzter Zeit zeitweise Sultansvertreter in Tanger war. Der ehemalige Schutzreiter Menebhi wußte sich nach dem Tode Mulai Hassans der­artig in der Gunst des wankelmütigen Abd el Asis festzusetzen, daß er schnell hintereinander die einträglichsten Würden bekleidete, wie Kriegsminister, Aaid ul Meschuar, Sondergesandter für Europa und ähnliches. Vor wenigen Iahreit arm wie eine Airchenmaus, ist Si Menebhi heute einer der Reichsten Marokkos. Von den 600 Millionen Peseten, die sein jugendlicher Gebieter beim Regierungsantritt über­nahm, brachte er einen guten Teil zur Seite, war aber schlauerweise der ersten einer, die dem ncuaufgehenden Stern huldigten, dem be­sonnenen Mulai Hafid.

Dschelali es Serhuni hatte eine andere Laufbahn. Während Mulai el Hassan auf einem seiner vielen Kriegszüge im Tasilelt weilte, verwechselte der Schreiber Mein und Dein und wurde in die Aasba von Fes gesteckt. Nach zwei Iahren wieder freigesetzt, wanderte er nach Algerien, wo er sich verschiedene Taschenspielerknnststückchen an­eignete, um sie alsbald seinen engeren Landsleuten vorzuführen. Im starreligiösen Marokko wurde er dadurch rasch als Ivundermann an­gestaunt und als Heiliger verehrt. Nun bezeichnete er sich als Scheins, griff aber bald weiter und gab sich für Mulai Mhammed aus, für den ältesten Bruder des damaligen Herrschers Mulai Abd el Asis. Letzterer, wohl der schwankendste, unfähigste von allen, die im Lauf der Jahrhunderte den Scherifenthron eingenommen, war herzlich un­beliebt infolge zielloser, ganz unzweckmäßiger Neuerungen, die er überhastet einzuführen trachtete. Nicht minder wegen beispielloser Verschwendungssucht. Das macht erklärlich, warnm Bu yamara als

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