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Kreuz und quer durch Marokko : Kultur- und Sittenbilder aus dem Sultanat des Westens ; Mit 1 Taf., 163 Abb. im Text und 1 Übersichtskt. / Von Otto C. Artbauer
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9. Ächmed Veisuti.

ZeöensKikd eines maurischen Llöenteurers.

Seine Herkunft. Gefangenschaft. Auf der Kasba von Mogador. Als Raulierhauvtinann. Pcrdikaris. Reisnlis Rache. Der Bock als Gärtner. Marokkos fähigster Statthalter. Seine Wehrmacht. Deren Rekrutierung und Beschäftigung. Rcisulis Sturz. Kaid Harry Mc Lcan. AIs englischer Mochalat. Wieder hoch. Ll Mnnsif^ der Gerechte.

eisuli el Munsif. So nennt ihn das Dolk! Lr ist zweifellos einer der fähigsten Aöpfe, die das morsche Marokko aus­zuweisen hat. Seinen bittersten Hemden, den Franzosen, verursachte er sicher ebensoviel Kopfzerbrechen wie seiner­zeit der große Abd el Aader und später Bu Amama, deren Taten heute noch Araber und Berber des Atlas und weißhäutige Mauren in den Teebuden des Landes besingen. !Vas hat die europäische Presse alles geschrieben über den Statthalter, Bandcnführer, Großwesir und weiß Gott welche Bezeichnungen er sonst noch bekam im Blätter­wald aller Sprachen!

Und wer war eigentlich der schreckliche Mensch? In der Mitte der achtziger Jahre ritt auf bescheidenem Tselchen ein biederer Aaufmann aus einer Aabila südlich Tetuans gen Tanger, um dort durch Handel oder andere harmlose Beschäftigung seinen Unterhalt zu verdienen. Das schlichte Männchen war Achmed Reisuli und stammte aus einer kleinen Schörfafamilie, die in der Dschebbala weit verzweigt ist. Als der junge Mann auf den gelben Sandstreifen gelangt war, der Tanger umkreist, wurde er aus heute noch nicht aufgeklärten Gründen durch Soldaten vom Lsel gerissen, ausgeplündert und unter landesüblichen Mißhandlungen nach dem Strafgefängnis von Mogador gebracht. Diese Aasba ist auf isoliertem, aus dein Meer ragendem Felsen erbaut und liegt vor dem südlichsten Handels­hafen an Marokkos Westküste. Hier blieb er fast ein volles Jahrzehnt, getrennt von Weib und Rind und beraubt seiner Freiheit, häufig ohne Nahrung, da Marokko seine Gefangenen nicht verpflegt. So ist es eben Brauch in orientalischen Despotenstaaten.

So mancher politische Gefangene, mancher Straßenränder schmach­tete auf dem Felseneiland. So anch ein früherer Führer der Beni Msaura, die hinter el Asar Hausen. Der weißbärtigc Scheik weilte vor langen Iahren dort in Reisnlis Gesellschaft, weil sein Stamm zufällig Maultieregefunden" hatte und sie nicht wieder herausgeben wollte. Doch der Statthalter von el Rsar, in dessen Gebiet die Beni Msaura Hausen, wußte Rat. Lr ließ dem Raid von Mogador die Anwesen­heit des Alten mitteilen mit der freundschaftlichen Bitte, den guten

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