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Kreuz und quer durch Marokko : Kultur- und Sittenbilder aus dem Sultanat des Westens ; Mit 1 Taf., 163 Abb. im Text und 1 Übersichtskt. / Von Otto C. Artbauer
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Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die marokkanische Iudenschaft nichts sehnlicher wünscht als französische Besitzergreifung Marokkos. Sie sehen vor sich das Beispiel ihrer algerischen Glaubensgenossen, die sich unter französischer Flagge in beneidenswerte Lage aufzuschwingen vermochten, und erhoffen für sich Gleiches. Aommt Marokko unter französischen Schutz, so wird es auch natürliche Folge sein, daß die zahlreichen Juden infolge Schlauheit und Geschäftssinn und erleichternder Wirtschaftspolitik der pariser Regierung schnell alles an sich reißen, was Handel und Industrie an Vorteilen bietet. Der Deutsche sollte überlegen, daß die Republik seit Jahrzehnten dem Atlasjuden schmeichelt, um diesen gar nicht gering einzuschätzenden Faktor an seiner Seite zu haben, sobald es nötig scheint. Der marokkanische ^)ude repräsentiert marokkanischen Handel ein Grund mehr für unsere Politiker, scharfe Wacht zu halten über französisches Vorgehen in Marokko!

Abb. 25. Maulticrkaraivane, zum Abmarsch nach Hes bereit, ans dein Marschan bei Tanger.

4. -Auf der Rarawanenstraße.

Das Maultier im Atlas. Aarawaucnstraßen und deren Beschaffenheit. Über­schreiten der Uidan. Leistungsfähigkeit der Tragtiere. Begegnungen. Blut­rache. Ausgeplünderte Juden, Straßenschießerei, Gefangene. Wegzoll. Mittagsrast. Weitcrmarsch. Nachtlager. Hauptmahlzeit siir Menschen und Tiere. Aasba, ihre Benennung und Besatzung. Tätigkeit des Amel. Abend­idyll. Herrliche Nächte.

m wegearmen Marokko wickelt sich aller Verkehr auf Trag­tierrücken ab. Hier zeigt sich wieder, wie verschieden das abend­ländische Sultanat vom eigentlichen Grient ist. Denn wäh­rend dort in erster Linie das Aamel Hauptverkehrsmittel ist, spielen im gebirg- und wasserreichen Marokko Maultiere die erste Rolle. Ein gutes Reittier kostet bis zu 300 einheimische Peseten, während Lasttiere oder Reitpferde schon um das Drittel zu haben