Das CKorgestüKl des Domes zu Dremen
prolegomena zu einer Geschichte desselben
von V. L. fZabicht
los Lhorgestühl hatte den blinden Fanatismus der l^e- formationszeiten mit ihren Begleiterscheinungen wie Bilderstürmerei glücklich überstanden, als es ihm bestimmt schien, zu Brennmaterial verdammt doch noch ein unwürdiges Lnde nehmen zu sollen. Dank der besseren Cinsicht eines Einzelnen*) sind uns wenigstens einige l^este von ihm überkommen. Cs ist allerdings wenig genug. Von den Sitzen, die gewiß mit Kunstvoll geschnitzten MiseriKordien geziert waren, von den Rückwänden, die gleichfalls des Schmuckes nicht ermangelt haben werden, den Baldachinen, Kurz, von dem ganzen Ausbau ist Keine Spur mehr vorhanden. Neun Wangen sind die einzigen Überreste. Diese stehen jetzt in der fünften Kapelle der Südseite des Domes. Ungünstig genug. Denn einmal sind zwei der Wangen auf beiden Seiten geschnitzt und hier nur von einer Seite zu sehen und dann ist die Beleuchtung der geschmacklosen 5enster wegen so mangelhaft, daß ein LrKennen und Würdigen der hohen Qualitäten des (Zestühles Kaum möglich ist/*) Die Sonderstellung, die die mittelalterliche Plastik im deiche der deutschen Kunst einnimmt und die sie vielleicht als deren bezeichnendsten und charakteristischsten Zweig erscheinen lassen muh, verlangt eine fortschreitende Klärung unserer Erkenntnis der LntwicKelung auf diesem (Zebiete. Line eingehende Untersuchung dieser I^este vermag deshalb ihres plastischen Schmuckes wegen vielleicht zur Bereicherung unserer Kenntnis von der bremischen, wie überhaupt der deutschen Plastik beizutragen.
') ck. lb. 5l. Mittler: Oer vom zu Bremen und seine Kunstdenkmale, Bremen 1861, p. 32 ff.
") Bei aller Berechtigung des XVunsches der vombauverwaltung, das (Zestichl im Besitz zu behalten, Kann doch Kein Zweifel darüber sein, das; hinsichtlich einer besseren Hukstellung und Konservierung von einem Museum unendlich viel mebr getan werden Könnte.
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