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Jahrbuch der bremischen Sammlungen : Jahresberichte des Gewerbemuseums, des Kunstvereins, der Stadtbibliothek
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Die LulenpoKate der deutschen Renaissance

von Cdwin l^edslob

ser Dang zum plastischen (Zestalten, der aller (Zoldschmieds- Kunst zu eigen ist. Kam in Keiner Zeit so stark zur (Zei­tung, als im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert. 5ür diese Zeit Kann man, zumal in Deutschland, geradezu von einer Soldschmiedeplastik sprechen: sie erscheint als Segengewicht gegen die monumentale Steinplastik und bereitet so die kreiere Dichtung der l)olzskulptur vor, deren Entstehen, wie schon die Art ihrer Oolvchromierung beweist, nicht ohne den Einfluß von Vorbildern in Edelmetall verständlich ist.

Wenn sich nun auch mit der schnellen Entwicklung der Holzschnitzerei die plastische IZedeutung der (ZoldschmiedeKunst verminderte, so ging sie doch nie ganz verloren, vielmehr trat sie zur Zeit der Renaissance in einem neuen Sinne hervor.

Oer monumentale Drang des Mittelalters war dabei einer genre­haften Dichtung gewichen, welcher ein freies bildnerisches (Zestalten nicht mehr gelang. Um so erfinderischer waren dafür die Soldschmiede der Renaissance, wo es sich darum handelte, in gedanklichem und ornamen­talem Spiel ihre (Zeräte umzudeuten und ihnen auf diese Weise das Leben plastischer (Zebilde zu verleihen. So schuf man aus dem Tafel­aufsatz eine 5igur mit einer Schale, aus der perle ein Seeungeheuer, aus der Rundung des pokales den Körper, aus seinem Deckel den Kopf eines Hieres.

Diese Arbeitsart hängt auf das engste mit den an den (Zoldschmied herantretenden Aufgaben zusammen. Ott sind die Gegenstände, die er verarbeitet, an sich so wertvoll, dafz er sie in ihrer 5orm belassen mutz und nur für ihre Montierung zu sorgen hat. Und dann braucht er irgend eine Idee, um überhaupt das Material seiner Künstlerischen Arbeit unterzuordnen. Im Mittelalter hatte er es darin leichter, denn es handelte sich fast ausnahmslos um das Montieren von Reliquien, die meist ver­steckt oder in Krystall untergebracht werden Konnten.