Zur gotischen Plastik in Bremen
s. s. IZartlaub
knter den Städten des niedersächsischen Stammesgebiets von Westfalen bis Schleswig-Holstein galt Bremen bisher als die an Werken gotischer IZildnerei ärmste, freilich Konnte das höchstens in quantitativer, Keineswegs in qualitativer Einsicht gelten, denn es darf Keinem Zweifel unterliegen, daß Bremen in der plastischen Ausstattung des gotischen ssathausbaues und in seinem l^oland die bedeutendsten Werke der Steinbildhauerei vom Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts in dem bezeichneten (Zebiete besitzt, fzatte schon LichtwarK die ganz beträchtliche Schönheit der l^athausgestalten des Kaisers, der Kurfürsten und der «Weisen" im allgemeinen erkannt, so wurden sie durch die sehr verdienstvolle Arbeit Lmil Waldmanns*) in das volle Licht der Kunst- geschichtlichen Erkenntnis und Künstlerischen Würdigung gestellt, i^ber eben die hervorragende Künstlerische Qualität und der besondere Stil- charakter jener 5igurenreihe schien dem 5orscher in Bremen und dem niedersächsischen (Zesamtgebiet so isoliert dazustehen, dafz er nicht nur den lokalbremischen, sondern auch ganz allgemein den niedersächsischen Ursprung jener Skulpturen in 5rage stellen zu müssen glaubte, und sie auf (Zrund stilistischer Vergleiche in unmittelbare Beziehung mit dem fremden, niederkränKischen Kunstzentrum von Köln brachte. Lokale Herkunft Kam für ihn schon aus folgendem (Zrunde Kaum in 5rage: Ls schien, als ob sich in Bremen — außer dem I^oland ^ Kaum irgendwelche vergleichbare plastische Kunstwerke derselben Zeit nachweisen ließen und ferner, als ob Keine eigentliche bildhauerische Tradition am Lnde des vierzehnten Jahrhunderts in Bremen existiere. Bei der Kunstgeschichtlichen Wichtigkeit der Trage sei eine nochmalige Prüfung dieser beiden Punkte gestattet.
') Lmil XValdmann, Die gotischen Skulpturen am Nachaus zu vremen, Strahburg 1908.
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