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Jahrbuch der bremischen Sammlungen : Jahresberichte des Gewerbemuseums, des Kunstvereins, der Stadtbibliothek
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Und damit sei der Anlaß gegeben, von den Münchnern unserer Ausstellung ein Vv'ort zu sagen. In der schönen Kapitale der neuen deutschen Malerei standen sich um 1870 zwei Mächte gegenüber: auf der einen Seite die durch König Ludwig ins Leben gerufene, an historischen Mustern geschulte (ZeschmacksKultur mit einem Schwärm von Vertretern und Anhängern; auf der andern Seite einsam, ein Simson vor dem Heer der Philister, der junge Leibi. Cr war einfältig, naiv, gutmütig, seiner ganzen Kraft sich Kaum bewußt und eben darum, wie alle Starken, auch ein wenig rührend. Leide Mächte haben Nachfolge gefunden. Auf unserer Ausstellung figurierten hier Lenbach mit einem Kaiserporträt, Dobermann mit einigen vorzüglichen, und Stuck mit zwei nicht ganz so glücklichen Studienköpfen; Samberger, JanK, Lxter, Marr. Die sonderlich deutschen HumorKllnstler Hengeler und Zumbusch reihten sich an, auch Oberländer fehlte nicht mit ein paar Zeichnungen aus dem Lefitz des Herrn Dr. Smidt. In geschlossener Phalanx erschien die Mehrzahl dieser Meister in den Kabinetten der Sparkuhleschen Sammlung - unter ihnen mit vollem Rechte ihr spanischer Geistesverwandter Zuioaga, den man freilich in dem mattfarbigen Liidnis eines alten Stierkämpfers nicht von seiner besten Seite Kennen lernte.

Die anders Partei der Münchner Schule, Leibi und die Seinen, war numerisch weniger stark, an Qualität aber besser vertreten. Leibi selbst mit zwei schönen Studienköpfen, dem weich, flüssig gemalten Jüngling der Meichersschen Sammlung, einem sehr frühen Lüde, und mit dem herrlichen (ZrauKopf eines alten Jägers aus dem Lefitz des Lerrn pflüger. Ihm reihte sich ^rübner mit einer Anzahl seiner pracht­vollen Frühwerke an. TIrllbner darf als der würdigste und bedeutendste Nachfolger Leibis gelten, weil er ihn, wenigstens in einem Stück, in der malerischen Handschrift, fortsetzt und ihn im übrigen als Kolorist ergänzt. Hier ist ?Irübner sogar Leibi überlegen. Die farbigen Harmonien solcher IrühwerKe wie der beiden XViidstiiieben der Hevmelschen Sammlung oder der balgenden Jungen und des herrlichen Frauenchiemsee (^afel XXX) des Herrn Liermann, sind von einer Klangschönheit, die man bei Leibi nicht immer findet. Unter den deutschen Zeitgenossen war nur Schuch ihm hierin ebenbürtig. Oafz dieser mit fünf Liidern, darunter mit zwei besonders schönen Stilleben, vertreten war, halten wir für ein günstiges Anzeichen bremischen Kunstverständnisses. ^ Die gute Malerei, noch nicht das Virtuosentum a ia Lenbach, war damals in den Münchner Ateliers erstaunlich verbreitet, wo sie in aller Stille Vertreter fand, die bisweilen später erst entdeckt wurden, nachdem sie das Maien aufgegeben oder