Die LeiKausstellung moderner 6unst
in der bremischen ßunsthalle
von Sustav Pauli
m letzten Npril fand in lZremen eine Leihausstellung von Kunstwerken statt, die im Laufe der letzten zehn ^ahre in bremischen Privatbesitz übergegangen waren. Oos gerechtfertigte Interesse, das diese Ausstellung auch außerhalb unserer Vaterstadt gefunden hat, ist (Zrund genug für eine zusammenfassende rückschauende Betrachtung. Oer besondere Wert einer Leihausstellung beruht darin, daß sie nicht allein eine Übersicht mehr oder minder beachtenswerter Künstlerischer Produktionen darbietet, sondern gleichzeitig über das Verhältnis zwischen Kunst und Publikum aufklärt. Wie die Künstler von ihren Zeitgenossen aufgenommen und bewertet werden, wie das Publikum wieder in seiner trägen Masse auf die schöpferischen Mächte zurückwirkt — diese 5ragen sind um so interessanter, als sie noch in Keiner Weise erschöpfende Beantwortung gefunden haben.
Unser bürgerliches Publikum, wie es heute als maßgebender Kulturträger dasteht, hat bekanntlich zuerst im siebzehnten Jahrhundert in den Niederlanden die ihm angemessene Künstlerische Darstellung gefunden. Line echt bürgerliche lZauKunst, eine üppig blühende Malerei, die ihr letztes Ziel in der Ausschmückung bürgerlicher Wohngemächer fand, ein verbreiteter Kunsthandel, der ein an sich unerfreuliches Spezialistentum in der Künstlerschaft begünstigte, entstanden damals unter vergleichbaren äußeren Umständen ähnlich wie im neunzehnten Jahrhundert in Oeutschlcmd. (Weshalb es uns auch nicht Wunder nehmen darf, daß unsere Väter nach Lpigonenart oftmals nach den niederländischen Mustern zurückschielten.) Oer große und für uns betrübliche Unterschied bestand indessen darin, daß im Mailand des siebzehnten Jahrhunderts die Künstler maßgebend waren, im neunzehnten Jahrhundert aber das Publikum. Die Erfolge sind bekannt. ?ede Sesellschatt hat eben die Kunst, die sie verdient. Die Niederländer