vie Sammlung von KleinsKutpturen
in der bremischen Kunsthalle
von Sustav Pauli
fuf der Schadowausstellung in der Berliner Akademie erschien im letzten Januar aus dem Besitz der 5rau Hedwig Bendemann eine Kleine Marmorgruppe, die als Tafelaufsatz gedacht war. Beschreiben läßt sie sich nicht; genug, Bacchus und Ceres sahen einander gegenüber und verhielten sich unbeschreiblich anmutig mit jener liebenswürdigen (Zrazie, welche die (Zötter erst sehr spät, nämlich im achtzehnten Jahrhundert, erlernt haben. DaK Bacchus infolge einer unangemessenen groben Behandlung einen 5irm eingebüßt hatte, beeinträchtigte seine Schönheit Kaum, ja, es fügte der (Zruppe einen neuen l^eiz hinzu, den sentimentalen l^eiz der l^uine. Sonderbarer Weise — oder soll man sagen natürlicher Weise? — wurde diese bis dahin wenig bekannte Arbeit neben ihren berühmteren Nachbarn nicht sehr beachtet, obwohl sie wirklich in ihrer 5lrt eine perle war und außerdem eine Denkwürdigkeit, weil sie eine Grenzlinie in der historischen CntwicKelung bezeichnete. Sie war noch ganz I^oKoKo, aber von jenem späten I^oKoKo, als dessen Vertreter uns der junge Gottfried Schadow erscheint. Die Linien fügten sich so weich und gefällig zusammen, daß die (Zruppe inmitten einer festlich gedeckten ?!afel von allen Seiten die angenehmste Augenweide darbot; dazu deutete das gewählte edle Material in diskreter Weise den höheren I^ang der Arbeit an, während seine schimmernde Weihe doch von dem Porzellangeschirr in der Nachbarschaft nicht allzu empfindlich abstechen Konnte. Ellies in allem war die reizende Schöpfung eine der letzten einer absterbenden Kulturepoche, in der die Menschen lebenslustig, leichtsinnig, elegant und geschmackvoll waren. Damals wurde die grosze Kunst noch bisweilen in den Dienst der Salcmterie und der ^afelfreuden gestellt. l?at es doch Schadow selber nicht verschmäht, Sigür- chen kür die Königliche porzellanmanukaktur zu liefern. — Zu den guten Dingen, die bald darauf unter den Sewitterstürmen einer neuen Zeit zu-