Dürers Zeichnungen der Herkulestaten im f^upfersticbkclbinet der KunstKaüe
von (Zustav Pauli
ler Senator lbieronvmus KlugKist hatte in seine Sammlung der Drucke Lucas van Levdens auch einige Dand- zeichnungen aufgenommen, die er glaubte, dem (Deister zuschreiben zu dürfen. Unter ihnen befanden sich zwölf miniaturartig ausgeführte l^undbildchen von durchschnittlich 95 mm Durchmesser, welche die ^aten des Herkules darstellen. In seinem Kataloge bemerkte KlugKist hierüber: «Die Zeichnungen sind mit dem Pinsel und schwarzer dusche auf grünlichem Papier weih gehöht, präzis und geistreich ausgeführt. Sie haben leider sämtlich gelitten. Die meisten derselben sind unten mit Dürers (Donogramm bezeichnet, welche Zeichnung aber fast verwischt ist und von falscher fzand herrührt." — Zunächst darf uns hieran befremden, dasz ein so erfahrener Kenner wie KlugKist die Zeichnungen Lucas van Levden zuwies, mit dem sie nichts gemein haben, weder in ihrer Technik, noch in ihrem Stil. Unfraglich sind sie deutsch, oberdeutsch und dem sechzehnten Jahrhundert angehörig. — Im übrigen werden die Zweifel an der Urheberschaft Dürers auch von anderen geteilt, so dasz meines Wissens Waldemar v. Seidlitz, der kür ihre Echtheit eintrat, mit seinem Urteil bisher vereinzelt geblieben ist.
Betrachten wir also die (Diniaturenreihe als einen Angeklagten und versuchen wir es, ihren Anspruch auf den gröszesten Namen deutscher Kunst zu verteidigen.
Von vornherein sei bemerkt, dasz schon der äußere Zustand der Blätter die Kritische Betrachtung erschwert. Sie haben so gelitten, wie lbandzeichnungen nur immer leiden Können — durch Wasser- und Ölflecken, durch 5altenbrüche, Nisse und eine veschneidung. welche die Blätter vielleicht aus ihrem ursprünglichen Zusammenhange löste, und