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aus dem breiten Doden der Kultur eines Volkes saugt. So verstanden ist die stilgerechteste Arbeit jedesmal vollkommen neu und original, wenn ein individuelles Leben die Konventionellen Formen beseelt. Äußerlich ähnlich, doch innerlich grundverschieden von solchen Gebilden sind nun aber jene billigen (ZeschmacKsproduKte, bei denen die streng stilisierte Form nur die leere l?ülse darstellt, die den Mangel an Phantasie und (Zefühl verdeckt. Von dieser 5irt sind beispielsweise Ludolf vosselts Plaketten Kunstgewerbe im gewöhnlichsten Linne.
5Us ein interessanter Spezialfall — erquicklich wenigstens neben der leeren Pose — steht Lrnst Moriz (Zevgers Plakettenkunst da. Cr ist eine energische Virtuosennatur, bei der die außerordentliche (ZeschicKIich- Keit beständig die höheren und edleren Gaben des Künstlers bedroht. Das Relief auf seinem silbernen Spiegel in unserer Sammlung leidet an einem Zuviel der Modellierung, zum mindesten in den Kinderkörpern, und seine Plakette der Archäologie außerdem auch noch an einem Zuviel der Motive. Cine so weite Landschaft ist mit diesen Kunstmitteln überhaupt nicht darstellbar, auch für einen (Zevger nicht. Immerhin ist sein Naturalismus frei von aller IZcmalität, das Resultat einer eigenwilligen sehr persönlichen (Zeistesrichtung.
L>ie Künstler haben es uns bewiesen, daß sie gewillt und befähigt sind, die totgeglaubte Kunstform der Medaille ins Leben zurückzurufen. Ob sie sich nun erhalten und blühen werde, hängt freilich davon ab, wie der ^ettermacher der Kunst, das Publikum, sich verhalten werde. Vleibt es andauernd gleichgültig, so wird vor seiner ^eilnahmlosigkeit die Medaille wieder verkümmern. Ooch verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß in der Hat die Medaille ästhetischen Bedürfnissen genüge. Und dann wird sie sich halten und wird auch die Münze wieder heben. In Frankreich haben die Regierungen des zweiten Kaiserreichs und der Republik den besten plakettisten fortlaufend Aufgaben gestellt, ponscarme hat seinerzeit das FrcmKenstllcK für das Fürstentum Monaco modelliert. In Deutschland ist von dem Kunstsinnigen verzog von Meiningen l?ildebrand der Huftrag für das Fürstenbildnis auf dem Fünfmarkstück erteilt worden. (Oos letzte von der Meininger DauptKasse ausgegebene Cxemplar in unserer Sammlung.) >Venn nur der deutsche IZureauKratismus es dulden wollte, daß sich der Künstler wie in Frankreich auf der Münze nenne! Schon mit dieser Namensbezeichnung wird die Künstlerische Vedeutung der Münze anerkannt, während ihre Anonymität sie zur Fabrikware herabwürdigt.