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Jahrbuch der bremischen Sammlungen : Jahresberichte des Gewerbemuseums, des Kunstvereins, der Stadtbibliothek
Entstehung
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Die Sammlung der Medaillen und Plaketten

in der KunstKalle

von Sustav Pauli

ie Kleinste, doch Keineswegs die unbedeutendste Abteilung der Sammlungen unserer Kunsthalle umfaßt die modernen Medaillen und Plaketten. 5lls sie gebildet wurde, be­gegnete sie dem Widerspruch einiger unserer 5reunde, die nicht einzusehen vermochten, was diese Miniaturen der Plastik im Gahmen eines auf hohe Ziele gerichteten Kunstinstituts zu suchen hätten, Und das war begreiflich, denn unsere 5reunde hatten aus dem Anblick der Medaillen, die sie im Laufe ihres Lebens gesehen, vielleicht auch bekommen hatten, die Überzeugung gewinnen müssen, daß solche Oinge Kunstfremde lndustrieerzeugnisse seien. Sie waren es in der ^at geworden, gleich den längst von allen (Zöttern verlassenen Münzen. In dem Jahrhundert der maschinenmäßigen Tüchtigkeit hatte man es vollkommen vergessen, welche Fülle von Leben, Seist und Reinheit einstmals in der Medaille beschlossen gewesen war. (Zoethe, der in allem, was er betrachtete und bedachte, seinen Mitmenschen um ein paar Menschenalter voraus eilte, war auch als Medaillensammler eine singulare Erscheinung. Erst als das neunzehnte Jahrhundert zur I^üste ging, wurde es allgemein anerkannt, wie große Künstler die »eronesen und poduaner des Quattrocento auch in ihren Medaillen, ja vorzugsweise in ihnen gewesen waren. Und nun setzte man die Er­kenntnis auch endlich in die ^at um. Die große moderne Kunstbewegung, die uns mit so vielen neuen Schönheiten beschenkt hat, bescherte uns als eine ihrer Errungenschaften auch die Wiedergeburt der Medaille als Kunstwerk. Sie gab uns damit eines der bedeutsamsten Mittel in die f)and, um das erkaltete (ZeMHI für die Plastik neu zu beleben. Venn die Medaille ist ihrem Charakter und ihrem Umfange nach volks­tümlich - hierin, und nicht nur hierin dem Kupferstich oder der Litho­graphie vergleichbar.

I^ein formal betrachtet unterscheidet sich die Medaille dadurch von der Münze, daß sie dem Künstler größere 5reiheiten gewährt, weil sie