Dieter Bischop
Archäologische Nachweise vom Fischfang in Bremen
In den letzten Jahren fanden sich bei den vielen Grabungen innerhalb der Bremer Altstadt nicht nur zahlreiche Knochen von Haus- und Wildtieren, sondern auch von Fischen, und zwar aus einem Zeitraum, der vom Frühmittelalter bis zur frühen Neuzeit reicht.
Die Fischreste stammen aus den Uferbereichen von Balge und Weser, vom mittelalterlichen Marktplatzpflaster, aus dem Stadtgraben sowie aus Abfallgruben, Kloakenschächten und Feuerstellen. Abgesehen von großen Fischwirbeln oder Kieferplatten - beispielsweise vom Stör - konnten die fragilen Knochen wie etwa kleine Wirbel und Gräten nur dank einer besonders genauen Grabungsmethode entdeckt werden: So mussten die Inhalte von Abfallschächten und Ähnlichem vollständig geborgen und geschlämmt bzw. gesiebt werden, damit auch die kleinen und gelegentlich sogar massenhaft vorkommenden Fischreste nicht verloren gingen. Die meisten Fischknochen wurden anschließend von den Paläozoologen Alfred Galik und Hans-Christian Küchelmann untersucht, die ihre Analysen in einem gesonderten Artikel im Anschluss vorlegen.
Die inspizierten Fischknochen zeigen, dass in Bremen nicht nur der Handel mit Meeresfischen, sondern auch der heimische Fischfang eine große Bedeutung hatte. Fisch - ein wichtiger Eiweißspender neben Fleisch, Käse, Eier und Milch - war schließlich eines der Grundnahrungsmittel im Mittelalter, vor allem für die unteren Schichten. Prinzipiell war Fisch in Siedlungen an Gewässern oder am Meer ständig verfügbar. Dabei galten Flussfische im Vergleich zu Meeresfischen im Mittelalter prinzipiell als „besser" bzw. „feiner".
Durch schlichtes Trocknen oder Einsalzen konnten Hering und Kabeljau besonders lange haltbar gemacht werden, so dass diese Fischarten auch bei einer Belagerung langfristig den Hunger stillen konnten. Neben seiner Haltbarkeit war Fisch insbesondere als Fastenspeise von Bedeutung. So nutzten vor allem Klöster hauptsächlich Fisch sowohl als Speise für die Fastenzeit als auch zur Armenspeisung (Lampen, 42 ff.).
Fischfang ist zudem eines der ältesten Gewerbe in Bremen. Ein echter großflächiger Handel mit See- sowie Flussfischen fand in der Hansestadt jedoch erst dem späten 11. Jh. - insbesondere ab dem 12. Jh. - statt.
So stammen die in einer karolingischen Feuerstelle am Bremer Markt geborgenen Fischknochen ausschließlich von heimischen, frisch gefangenen Flussfischen. Die Unterweser bot jedoch nicht nur Süßwasserfische, sondern - vor allem zur Laichzeit - sehr gute Fanggründe für eine lokale „Meeres-" und Heringsfischerei, ähnlich wie das küstennah gelegene Haithabu oder Schleswig an der Schlei. Daher ist bei Funden aus Städten, die an Flüssen mit Tideneinfluss liegen, nicht immer leicht feststellbar, welche Fische eingehandelt worden sind und welche aus dem engeren heimischen Fanggebiet stammen. Die Fundstellen in der Stadt Bremen zeichnen ein jeweils individuelles Bild: Während die spätmittelalterlichen Reste aus einer Latrine unter dem ehemaligen Sternkino eher auf eingehandelte Meeresfische hindeuten, verweisen die umfangreichen Fischfunde aus einer um 1300 verfüllten Pfostengrube am Marktplatz auf den heimischen Fischfang in der Weser.
Nachfolgend sollen die archäologisch nachgewiesenen Werkzeuge, die im mittelalterlichen Bremen zum Fischfang genutzt wurden, kurz vorgestellt werden:
Ein Fischzaun an der Balge
Bei dem ersten und ältesten archäologischen Befund, der direkt mit Fischfang in Verbindung gebracht werden kann, handelt es sich um einen Befund aus dem Jahre 2004 an der Langenstraße (218/Altstadt): In der Westecke der Baugrube an der Ecke Martinistraße/Langenstraße konnte im Norduferbereich der Balge eine Pfahl- und Flechtwerksetzung festgestellt werden, die einen teilweise rechtwinkligen Verlauf hatte. Bis auf wenige Keramikscherben und Miesmuscheln wurden keine weiteren Funde gemacht. Die kleine Weichholzpfähle umringenden Flechtwerkzäune dienten offenbar als Fischzaun und trennten auf diese Weise eine Setz- und Halterungsanlage vom Bal-
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