Print 
Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Place and Date of Creation
Page
207
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Dieter Bischop

Archäologische Nachweise vom Fischfang in Bremen

In den letzten Jahren fanden sich bei den vie­len Grabungen innerhalb der Bremer Altstadt nicht nur zahlreiche Knochen von Haus- und Wildtieren, sondern auch von Fischen, und zwar aus einem Zeitraum, der vom Frühmittel­alter bis zur frühen Neuzeit reicht.

Die Fischreste stammen aus den Uferbereichen von Balge und Weser, vom mittelalterlichen Marktplatzpflaster, aus dem Stadtgraben so­wie aus Abfallgruben, Kloakenschächten und Feuerstellen. Abgesehen von großen Fischwir­beln oder Kieferplatten - beispielsweise vom Stör - konnten die fragilen Knochen wie etwa kleine Wirbel und Gräten nur dank einer be­sonders genauen Grabungsmethode entdeckt werden: So mussten die Inhalte von Abfall­schächten und Ähnlichem vollständig gebor­gen und geschlämmt bzw. gesiebt werden, damit auch die kleinen und gelegentlich sogar massenhaft vorkommenden Fischreste nicht verloren gingen. Die meisten Fischknochen wurden anschließend von den Paläozoologen Alfred Galik und Hans-Christian Küchelmann untersucht, die ihre Analysen in einem geson­derten Artikel im Anschluss vorlegen.

Die inspizierten Fischknochen zeigen, dass in Bremen nicht nur der Handel mit Meeres­fischen, sondern auch der heimische Fischfang eine große Bedeutung hatte. Fisch - ein wichtiger Eiweißspender neben Fleisch, Käse, Eier und Milch - war schließ­lich eines der Grundnahrungsmittel im Mittel­alter, vor allem für die unteren Schichten. Prinzipiell war Fisch in Siedlungen an Gewäs­sern oder am Meer ständig verfügbar. Dabei galten Flussfische im Vergleich zu Meeres­fischen im Mittelalter prinzipiell alsbesser" bzw.feiner".

Durch schlichtes Trocknen oder Einsalzen konnten Hering und Kabeljau besonders lange haltbar gemacht werden, so dass diese Fisch­arten auch bei einer Belagerung langfristig den Hunger stillen konnten. Neben seiner Haltbarkeit war Fisch insbesondere als Fasten­speise von Bedeutung. So nutzten vor allem Klöster hauptsächlich Fisch sowohl als Speise für die Fastenzeit als auch zur Armenspeisung (Lampen, 42 ff.).

Fischfang ist zudem eines der ältesten Gewer­be in Bremen. Ein echter großflächiger Handel mit See- sowie Flussfischen fand in der Hanse­stadt jedoch erst dem späten 11. Jh. - ins­besondere ab dem 12. Jh. - statt.

So stammen die in einer karolingischen Feuer­stelle am Bremer Markt geborgenen Fischkno­chen ausschließlich von heimischen, frisch ge­fangenen Flussfischen. Die Unterweser bot jedoch nicht nur Süßwasserfische, sondern - vor allem zur Laichzeit - sehr gute Fanggrün­de für eine lokaleMeeres-" und Herings­fischerei, ähnlich wie das küstennah gelegene Haithabu oder Schleswig an der Schlei. Daher ist bei Funden aus Städten, die an Flüs­sen mit Tideneinfluss liegen, nicht immer leicht feststellbar, welche Fische eingehandelt worden sind und welche aus dem engeren heimischen Fanggebiet stammen. Die Fund­stellen in der Stadt Bremen zeichnen ein je­weils individuelles Bild: Während die spätmit­telalterlichen Reste aus einer Latrine unter dem ehemaligen Sternkino eher auf eingehan­delte Meeresfische hindeuten, verweisen die umfangreichen Fischfunde aus einer um 1300 verfüllten Pfostengrube am Marktplatz auf den heimischen Fischfang in der Weser.

Nachfolgend sollen die archäologisch nach­gewiesenen Werkzeuge, die im mittelalterli­chen Bremen zum Fischfang genutzt wurden, kurz vorgestellt werden:

Ein Fischzaun an der Balge

Bei dem ersten und ältesten archäologischen Befund, der direkt mit Fischfang in Verbindung gebracht werden kann, handelt es sich um ei­nen Befund aus dem Jahre 2004 an der Lan­genstraße (218/Altstadt): In der Westecke der Baugrube an der Ecke Martinistraße/Langen­straße konnte im Norduferbereich der Balge eine Pfahl- und Flechtwerksetzung festgestellt werden, die einen teilweise rechtwinkligen Verlauf hatte. Bis auf wenige Keramikscherben und Miesmuscheln wurden keine weiteren Funde gemacht. Die kleine Weichholzpfähle umringenden Flechtwerkzäune dienten offen­bar als Fischzaun und trennten auf diese Wei­se eine Setz- und Halterungsanlage vom Bal-

207