Dieter Hittinger
Auswertung der Tuchplombenfunde der Teerhofgrabung
Allgemein
Aus der Grabung am Teerhof liegen 189 Tuchplomben vor, die in Tuchplomben mit Stadtwappen, mit Hausmarken oder in englische Alnagerplomben unterschieden werden können. Daneben existieren nicht näher bestimmbare Fragmente, unbenutzte Rohlinge sowie ungeprägte Plomben.
Die verschiedenen Tuchplomben mit dem Bremer Stadtwappen lassen sich bestimmten Gilden des Textilgewerbes zuordnen: Bremer Färber (230/16; 230/02; 230/172), Bremer Färber nach Muster (230/107) und Sayen- und Raschmacher (Wollweber) (230/25; 230/57; 230/59; 230/124; 230/55; 230/01; 230/157; 230/99).
Bremer Färber
Das Stadtwappen auf den Tuchplomben der Bremer Färber zeigt den Bremer Schlüssel innerhalb eines bekrönten Wappenschildes, das von zwei steigenden Löwen flankiert wird. Auf der Rückseite befindet sich der zweizeilige Schriftzug „BREMER FERBER" in lateinischen Großbuchstaben.
Bremer Färber nach Muster
Eine im Durchmesser deutlich größere Plombe stellt ebenfalls den Bremer Schlüssel innerhalb eines bekrönten Wappenschildes dar, flankiert von zwei steigenden Löwen (230/107). Es handelt sich um eine Färberplombe. Die Roll- werkskartusche und weitere Details der Prägung beweisen, dass es sich bei der Jahreszahl „1575" nicht um das Prägejahr der Plombe handeln kann. Auf der einen Seite findet sich der dreizeiliger Schriftzug „BREMER DVBBELT STAEL" in lateinischen Großbuchstaben. Aus Schriftquellen ist bekannt, dass sich diese Tuchplombe an einem englischen Wolltuch befand, das nach den Vorschriften und Farbmustern von 1575 in Bremen mit Waid blau gefärbt wurde (Bippen, 691). Dadurch erklärt sich auch der Unterschied zwischen der Jahreszahl und der jünger datierenden Prägung. Hervorzuheben ist ferner, dass es sich um eine Zweistift-Plombe handelt - eine Form, die nur bei relativ feinen Geweben oder besonders
großen und damit auch schweren Plomben vorkommt.
Bremer Sayen- und Raschmacher
Bei den Tuchplomben der Sayen- und Raschmacher - Sayen und Rasch sind Wollgewebe - besteht das Stadtwappen lediglich aus einem bekrönten Schlüssel (Wappenschild und flankierende Löwen sind nur bei den Färberplomben Bremens vertreten). Unterhalb eines erhaben geprägten Trennstriches findet sich der zweizeilige Schriftzug „40 (oder 46) BREMER ELLEN". Weitere Längenangaben als 40 oder 46 Ellen sind nach derzeitigem Forschungsstand bei diesen Plomben nicht bekannt, so dass dies vermutlich die zwei gängigen Größen waren. Die Umschrift „BREMER SAYE RASSE" in lateinischen Großbuchstaben ermöglicht eine zweifelsfreie Zuordnung zur Gilde der Sayen- und Raschmacher. Auf der Rückseite dieser Plomben befinden sich unterschiedliche Hausmarken, hierbei handelt es sich um Meistermarken der Weber.
Mit diesen Objekten sind die Bremer Textilge- werbe deutlich innerhalb des Materialkomplexes vertreten. Daneben finden sich auch Tuchplomben, die anderen Städten oder Regionen zugeordnet werden können.
Warendorf
Das Stadtwappen von Warendorf - ein Fallgatter mit Öse - ist an einer Tuchplombe zu erkennen (230/119). Darüber befinden sich die beiden Buchstaben „SW", die für „Stadt Warendorf" stehen. Auf der Rückseite haben sich Reste des ursprünglich dreizeiligen Schriftzuges „(BOM) BASY N" in lateinischen Großbuchstaben erhalten.
Hamburg
Eine Tuchplombe zeigt eine Torburg, die von
der Umschrift .....SECRETUM..." eingefasst
wird (230/101). Das Motiv ist versetzt ein zweites Mal geprägt, und so findet sich auch die Umschrift versetzt wieder. Auf der Rückseite sind Reste eines dreizeiligen Schriftzuges
.....NERT ...VIE ...BR" zu sehen, der jedoch
nicht näher bestimmt werden konnte. Außer-
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