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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Gabriele Stubbe

Mittelalterliches von den Parzellen Hutfilterstraße 16/18

Als im Frühjahr 1997 zwei nachkriegszeitliche Geschäftshäuser zwischen der Hutfilterstraße und der Martinistraße abgebrochen wurden, konnten auf der Baustelle mehrere mittelalter­liche Befunde entdeckt und trotz erschwerter Bedingungen geborgen werden. Große Teile des Grundstücks waren durch moderne Über­bauungen und wiederholte Aufschüttungen gestört, wodurch sich keine mittelalterlichen Grundrisse erhalten hatten. Eine durch Boh­rungen festgestellte Torfschicht oberhalb der gewachsenen Düne hatte es notwendig gemacht, tiefe Fundamente zur Sicherung der Neubauten auszuheben. Dabei wurden in teil­weise mehr als sechs Meter Tiefe unter dem heutigen Bodenniveau drei Faßkloaken und drei Abfallgruben festgestellt. Diese Befunde mußten eilig geborgen und dokumentiert wer­den, da zeitweilig Einsturzgefahr der Gruben und des Nachbarhauses bestand. Erhalten haben sich die Kloaken vermutlich nur durch den Umstand, daß sie bereits zum Zeitpunkt ihrer Anlage tief unter dem damaligen Wohn­horizont vergraben worden waren. Außerdem lagen sie im Randbereich der modernen Über­bauung, die so nur Teile der Fässer zerstört hat.

Die Torfschicht und ein großer Höhenunter­schied im Verlauf der Bremer Düne an dieser Stelle zeigen, daß sich hier ehemals eine was­serführende Senke befunden haben muß.

Das Areal

Der Bauabschnitt liegt in nord-südlicher Aus­richtung zwischen der Hutfilterstraße und der Martinistraße. Dort befanden sich vormals die Park- und Ladezonen der beiden Geschäfts­häuser (Abb. 1).

Auf der westlichen und östlichen Seite be­grenzten moderne hochstöckige Geschäfts­häuser die Baustelle.

Das heutige Straßenniveau liegt in einer durchschnittlichen Höhe von ca. 8,70 m ü. NN.

Der besseren Übersicht halber wird im folgen­den der behandelte Bereich in drei Flächen unterteilt (siehe Plan Abb. 2): Fläche 1 = Haus 18; Fläche 2 = Haus 16; Fläche 3 = die Hinter­hausbereiche.

Die detaillierte Beschreibung der Funde, vor allem der Keramik, bildet den Abschluß des

Berichtes. Da eine systematische chronolo­gische Einordnung der mittelalterlichen Kera­mik in Norddeutschland noch aussteht, stützt sich dieser Bericht u.a. auf die Klassifika­tionen und Terminologien von: ERDMANN, KÜHN et al, 417-430; STILKE, 24 ff.; STEPHAN 1982; JANSSEN 1966, 36 ff.; Ring, 251 ff.

Haus 18 - Fläche 1

In diesem Bereich haben sich leider keine ungestörten Befunde erhalten, dennoch war hier die Fundlage ergiebiger als im Nachbar­haus Nr. 16.

Beim Baggeraushub der Fundamentgräben für den Neubau, der bis auf den Dünenboden erfolgte, trat an verschiedenen Stellen in einer unterschiedlichen Tiefe von etwa 5,50 m - ca. 3,0 m ü. NN eine feste, schwarz-humose Abfallschicht hervor. Sie entstand vermutlich beim Bau eines Vorgängergebäudes, für wel­ches vorhandene Strukturen und altes Erd­reich eingeebnet bzw. zur Stabilisierung auf­geschüttet worden waren. Hierin fanden sich große Mengen an Tierknochen sowie Holz­kohle und Keramik, datierend vom hohen Mit­telalter bis zur frühen Neuzeit.

1 Schwarz um­randet: Grabungs­fläche an der Hutfilterstraße

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