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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Sabine Sauer

Eine neue Grabplatte aus St. Quirin zu Neuss - Verbindung zum Bremer Dom

7 Übersichts­plan der Unter­suchungen im südlichen Seitenschiff von St. Quirin.

Das Neusser Münster, ein spätromanischer Bau, unter dem sich die Reste von mindestens drei Vorgängerkirchen verbergen, wird seit 1989 umfassend renoviert.

Neben einer grundlegenden Sanierung der Krypta, der Trockenlegung der Fundamente des Langhauses und einer neuen farblichen Fassung des Innenraums erfolgte auch ein Ausbau der Heizungsanlage. Dafür mußten im nördlichen und südlichen Seitenschiff neue Entlüftungsschächte eingebracht werden. Da­bei konnten bei baubegleitenden Untersu­chungen vor allem im südlichen Seitenschiff neue archäologische Erkenntnisse gewonnen werden (SAUER).

Dort wurde zwischen dem heutigen Südportal und dem südlichen Querbau (Abb. 1,1) im An­schluß an eine Treppenstufe des Südportals des letzten Vorgängerbaus (BADER) ein 2,5 m eingetiefter Raum festgestellt. Die Innenmauer des Raumes war in der Fluchtlinie und zeit­gleich mit der ehemaligen südlichen Aussen- mauer der ersten Klosterkirche errichtet, die von Bader in die Mitte des 11. Jh. und von Bor­ger entsprechend seiner Grabungsergebnisse

in den sechziger Jahren in die Zeit um 950 datiert wird (BORGER). Der ca. 4,3 m breite Raum zeigte innen weißen Wandputz; lediglich die Ecken bestanden aus zwei ca. 30 cm vor­springenden Lisenen aus fugenlos gemauerten Tuffsteinen, auf die ein roter Anstrich ange­bracht war. Die Fugen waren durch einen weißen Fugenstrich und eine schmale Kerbung hervorgehoben. Der Boden des Raumes bestand aus Estrich, in dessen oberste Schicht Ziegelmehl beigemengt worden war. Die Gestaltung des Raumes ist zu aufwendig, um ihn als einfache Gruft zu interpretieren; viel­leicht handelt es sich hierbei um eine Zweit­krypta, die für die Aufnahme älterer Reliquien bestimmt war, als die Gebeine von St. Quirin im 11. Jh. in der Hauptkrypta ihren Platz fanden. Es könnte sich dabei um Reliquien des Hl. Dionysius handeln, der noch auf dem Neu­guß einer Glocke im Jahr 1618 alsprimus patronus ecclesiae" bezeichnet wird. Auf­fallenderweise erfolgte auch die Grundstein­legung der heutigen Kirche im Jahr 1209 am Tag des Hl. Dionysius. DieZweitkrypta" wurde dafür abgerissen; über der Abbruchsteile wur­de die Gründungstafel des spätromanischen Baus angebracht.

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