Druckschrift 
Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

Manfred Rech

Mittelalterkeramik an der Fundstelle 108/Altstadt 1992 (Schlachte-Kogge)

In dem letzten Heft derBremer Archäologi­schen Blätter" wurde in Vorberichten die Auf­findung eines Kogge-Wracks aus dem 12. Jahrhundert angezeigt. Die Datierung des Wracks kann mit einem neuerlichen C-14 Da­tum aus einem Stück Spant abgerundet wer­den (967 ± 47 BP ± 58 cal AD; Universität Köln). Das 13 Meter unter dem heutigen Lauf­niveau des nachmittelalterlichen Hafengelän­des von Bremen, der Schlachte, befindliche Wrack konnte bereits bei seiner Auffindung im Juli 1991 durch Keramikfunde grob datiert werden. Schon damals war deutlich, daß durch Hochwässer, Unterspülungen, sandige Ab­lagerungen und dergleichen keine scharf zu datierenden Fundstraten, geschweige denn geschlossene Funde" zu erwarten waren.

Wenn nun im folgenden aus der im Januar 1992 einsetzenden systematischen Grabung zur Bergung des Wracks eine Fundgattung, nämlich die Keramik, etwas näher beschrieben wird, so darf man aus der Fundtiefe einzelner Objekte keine Rückschlüsse hinsichtlich einer relativen Chronologie anstellen. Da, wo sich nachweisen läßt, daß Fragmente von Scher­ben in einem bestimmten, eng definierten Hori­zont eingeschwemmt sind, könnte man aller­dings auf eine ungefähre Gleichzeitigkeit schließen. Bedingt durch die nur 10 x 10 m große, mehr schachtähnliche Baugrube sind die dort gefundenen Töpferwaren nur ein klei­ner Ausschnitt aus dem keramischen Spek­trum des mittelalterlichen Bremen.

Die Situation an der Fundstelle wird durch eine Graphik optisch verdeutlicht (Abb. 1): Über dem bei -3,5 m NN (Unterkante) in Wesersanden liegenden Schiff befand sich eine Ablagerung aus Kies, Geröll und Schluff mit mehr oder weniger großen Fundanteilen. Die Profile des anstehenden Weserbodens waren in den Wänden der Baugrube gut sicht­bar (Abb. 2); es wechselten Schluff mit Kies- und Sandbänken mindestens bis in eine Höhe von etwa 6 m ü. NN. Erst darüber war in dem Schichtenaufbau der Baugrube zunehmend ein absichtliches Auf- und Verfüllen der Weser feststellbar. Dieser Vorgang setzte wahr­scheinlich in nachmittelalterlicher Zeit ein, als der alte Ufersaum auf Kosten der Weser ver­

breitert und Anlegekais in die Weser hineinge­baut wurden, ein Vorgang, der in dem bekannten Holzschnitt von Martin Weigel (1550/64) noch erkennbar ist. Aus dem Gesagten läßt sich unschwer folgern, daß die Auswahl repräsentativen Materials aus der Masse der geborgenen Keramik nur auf deren Vielfalt und chronologische wie herkunfts­mäßige Problematik hinweisen kann.

Die Beschreibung der Keramik richtet sich nicht nach dem Auffindungszeitraum, beginnt also nicht mit den obersten Schichten der Baugrube, sondern mit deren tiefsten Straten etwa 3 m unter NN; mehrere Meter darüber liegt heute das mittlere Tidehochwasser der Weser. Die Fundnummern der nachfolgend aufgeführten Keramik sind in der Grafik Abb. 1 eingetragen.

1 Kugeltopf, oben abgebrochen, auf Schulter schwache Riefen, schwärzlich-dunkelgrau, Scherben fein gemagert, hellgrau; bei -2,8 m NN (Abb. 3, 4; 4, 1).

Inv. Nr. 108/Altstadt 1991

2 Großer Kugeltopf mit Standlappen, fei­ne Drehriefen auf Schulter, Deckelfalz, schwärzlich. Scherben fein gemagert, hell­grau, R. 24,5 cm; gef. bei -2,8 m NN (Abb. 3, 3; 4, 2). Inv. Nr. 108/Altstadt 1991

3 Randscherbe eines Kugeltopfes, mittel­grau, Scherben hart, fein gemagert, mittel­grau; gef. bei -2,8 m bis -6 m NN (Abb. 3,

2) . Inv. Nr. 108/Altstadt 1991

4 Fragment Becher Pingsdorfer Art, innen Drehrillen, gelblich, rosthellbraunfarbene Bemalung, Scherben fein gemagert, stein- zeugartig hart; gef. bei -2,8 bis -6 m NN (Abb. 3, 1). Inv. Nr. 108/Altstadt 1991

5 Bruchstück eines großen Topfes mit ausge­stelltem Rand, dunkelgrau-blaugrau, Del­lenverzierung, Scherben fein gemagert, hellgrau; gef. bei -2,7 m bis -3,0 m (Abb. 5,

3) . Inv. Nr. 108/Altstadt 1992:533

6 Randstück einer Kanne mit Drehriefen, außen, dunkelgrau, Scherben schichtig,

42