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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Fundplätzen, wiederum in Fundzusammenhän­gen des 6. Jh. (WEST, fig. 65, 1; 152, 3; HAME- ROW, fig. 133, 14).

Neben den bisher besprochenen Gefäßformen und Verzierungen, die sich ohne weiteres zu dem bekannten Material der altsächsischen Fundplätze des nordwestdeutschen Küsten­gebietes und der Fundorte in den angelsächsi­schen Landnahmegebieten Englands gesellen, gibt es unter den Grambker Funden einige Stücke, bei denen das nicht zutrifft. Für sie gibt es die nächsten Parallelen in anderen Ge­bieten.

Das gilt zunächst für die beiden verzierten Kümpfe Abb. 5, 11 und Abb. 7, 35. Für sie gibt es die nächsten Vergleicnsfunde aus dem Mittelwesergebiet auf Gefäßen des sächsi­schen Gräberfeldes Liebenau bei Nienburg. Dort haben Ausgrabungen des Landesmu­seums Hannover knapp 500 Brand- und Körpergräber aus der Zeit des späten 4. bis Mit­te des 9. Jh. zutage gebracht. Parallelen zwi­schen Funden aus dem Bremer Gebiet und de­nen aus Liebenau sind dabei nichts Ungewöhnliches, gilt doch zumindest das be­kannte Gräberfeld von Bremen-Mahndorf als zur Mittelwesergruppe zugehörig.

Solche dünnwandigen Kümpfe mit einfacher Rillenverzierung wie Abb. 5, 11 kommen dort in Gräbern des 6. Jh. vor (COSACK, Taf. 46,12; HÄSSLER 1983, Taf. 2, 81). Eventuell schon in das 5. Jh. werden ähnliche Gefäße datiert, die aus dem Gebiet der südniedersächsischen Brandgräbergruppe zwischen Leine, Aller und Mittelgebirgsrand stammen (NOWOTHNIG, Taf. 10, 5). Speziell zu dem Gefäßrest Abb. 7, 35, der anders als der Kumpf Abb. 5, 11 zu­sätzlich zwischen den senkrechten Doppelril­len jeweils breite Riefen aufweist, stammt ebenfalls eine gute Parallele aus einem Liebe­nauer Grab, das allerdings nicht näher datier­bar ist (HÄSSLER 1985, Taf. 45, 2). Zu unse­rem Kumpf finden sich ferner auffallend ähnliche Gefäße aus den südjütländischen Siedlungsplätzen Oxbol und Hjemsted Bänke, beide aus dem 5. und frühen 6. Jh. (JENSEN, fig. 12D; ETHELBERG, Abb. 24, 10). Ver­gleichbare Gefäße stammen schließlich noch

aus dem im westmecklenburgischen Kreis Ha- genow gelegenen Pritzier, dem bekannten Ur­nengräberfeld des 3. bis 5. Jh. (TISCHLER 1954, Abb. 19, 9).

Eine für das Unterwesergebiet sehr außer­gewöhnliche Verzierung befindet sich auf dem Gefäßrest Abb. 5, 9. Die Scherbe stammt ver­mutlich von demselben Gefäß, von dem bereits 1990 zwei Scherben aus dem Inhalt des gut 60 m weiter im Westen gelegenen Grubenhau­ses 935 stammen (WESEMANN u. WITTE, Abb. 6, 2). Diese Keilstichverzierung ist ganz ent­schieden kein Ornament, das als typisch säch­sisch anzusehen ist, gleichwohl es in diesem Bereich mitunter vorkommt (VAN ES, fig. 202; TEMPEL 1991 -92, Abb. 13; GENRICH, Taf. 3, 10; HÄSSLER 1990, Taf. 81, 11). Recht geläu­fig erscheint diese Keilstichverzierung auf Kera­mik der südniedersächsischen Brandgräber­gruppe (NOWOTHNIG 1964, Taf. 16, 6), typisch aber hauptsächlich auf Gefäßen der Nordharz­gruppe und weiterer Gebiete, die im 5. und 6. Jh. der thüringischen Kulturprovinz angehören (SCHNEIDER, Abb. 86, 3). Diese Keilstichkera­mik in Thüringen gilt als Ausdruck langobardi- schen Einflusses (TRÄGER, 181 ff.). In den Stammgebieten der Langobarden, also im Nie­derelbegebiet, wie auch in den östlicher gele­genen Gebieten Mecklenburgs und Vorpom­merns lag während des 4. und 5. Jh. die Hauptverbreitung dieser Verzierungsart (WE­GEWITZ, Abb. 160; VOSS). Von dort, genauer von einem Einzelfund aus dem Urnengräberfeld Spornitz, Kr. Parchim, stammt eine Scherbe, ebenfalls mit zwei umlaufenden Rillen und dar­unter zwei umlaufende Keilstichreihen, die un­serem Fund sehr nahe kommt (SCHACH-DÖR- GES, Taf. 56, 15).

Überall dort, wo sich langobardische und ihnen angeschlossene elbgermanische Völker­schaften auf ihrem Zug nach Süden aufgehalten haben, taucht auch dieses Keilstichdekor auf: so bereits im frühen 5. Jh. in Nordbayern (KEL­LER, Abb. 1), ab dem späten 5. und frühen 6. Jh. dann in Böhmen, Mähren (PODBORSKY, Abb. 312), Niederösterreich und auf dem Boden der alten römischen Provinz Pannonien im Donau- Theiß-Tiefland, schließlich auch in Norditalien (MENGHIN, 49ff., Abb. 32).

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