Dieter Bischop
Fundort Magazin - Spätrömische Münzfunde aus Sulingen/Lindern
Ausgelöst durch eine katalogmäßige Aufnahme aller archäologischen Fundstellen im Landkreis Diepholz stieß ich bei einer Durchsicht der Unterlagen im Archiv des niedersächsischen Landesdenkmalamtes Hannover auf zwei sehr kurze, z.T. kaum leserliche Notizen in altdeutscher Schrift. Sie betrafen die Gemarkung Lindern, Gem. Sulingen, im heutigen Landkreis Diepholz. Die beiden Notizen scheinen zum Großteil von ein und derselben Hand verfaßt zu sein. Der Wortlaut auf der ersteren lautet:
Lindern/Hümmling Sulingen. Ausgrabung von F.Dietrich, Bremen, Gr.-Kauf man. Gefunden mit Prof. Dr. Göbl, Barlinge. (Urne roter Thon mit grobem Kies untermischt, darin 1 röm. Münze - 2 Denare.
(Sammlung eines Bremer Museums)
Die zweite daruntergesetzte Notiz war:
Lindern/Hümmling Sulingen Röm. Münze Bild mit Valentinianus P. F. Aug. (D. Göbl) Revers: Reparatio rei pub. Figur mit Nike
A. SIS B (Siscia - Thrakien)
Bei diesen beiden undatierten Fundmeldungen handelte es sich also einerseits um drei Münzen, die in einer „Urne" gefunden wurden, und zweitens um den Einzelfund einer Münze des Valentinian, die eingehender u. a. mit der Angabe der Münzstätte Siscia beschrieben ist.
Obwohl im Bremer Landesmuseums keinerlei Hinweise auf die Sulinger Münzfunde vorhanden waren, hatte ich die Kurznotizen aus dem Archiv in Hannover noch im Kopf, als ich im Magazin des Museums die zahlreichen vor- und frühgeschichtlichen Funde aus dem Gebiet des heutigen Kreises Diepholz katalogmäßig aufnahm. Beim „Durchforsten" des Museumsmagazins fand ich in einer Schublade mit wenigen antiken Gläsern und Nachgüssen von Fibeln etc., separiert von den wenigen anderen antiken Münzen mit genauer Fundortangabe, eine kleine Schachtel mit vier römischen Münzen. Sie waren handschriftlich schon als Prägungen des Postumus (2x), des Constantius II und des Valentinianus bestimmt. Fundort- oder Herkunftsangaben waren jedoch leider nicht vermerkt.
Ich konnte feststellen, daß die Beschreibung der Münze des Valentinian in der Fundnotiz aus dem Archiv in Hannover nahezu vollständig mit derjenigen der Valentinianprägung im Fockemuseum übereinstimmte, so daß sie mit großer Sicherheit als aus Sulingen/Lindern stammend identifiziert werden konnte. Die anderen drei in der Schachtel vorhandenen Münzen dürften mit denjenigen, in der Notiz nicht eingehender beschriebenen Münzen aus der „Urne" identisch sein.
Erst die Zuordnung der alten, zugegebenermaßen sehr kurz gehaltenen Fundnotiz zu den Münzen ließ die wissenschaftliche Deutung und Zuordnung des ansonsten recht unspektakulären Magazinfundes zu.
Bei den in einer „Urne" gefundenen Münzen (Abb. 1) handelt es sich um:
1. Antoninian Postumus Köln RIC318-Typ
ca. 261 n. Chr.
Avers: Büste des Postumus mit Strahlenkrone nach rechts, IMP POSTUMUS P F AVG Revers: Göttin mit Zepter, PAXAVG
2. Antoninian Postumus Köln RIC 289-Typ
268 n. Chr.
Avers: Büste des Postumus mit Strahlenkrone nach rechts, IMP POSTUMUS P F AVG Revers: Göttin mit Lanze PAX COS V
3. Centenionalis Constantius II 351-361 n. Chr. Avers: Büste des Constantius mit Diadem nach rechts, DN Constantius P F AVG
Revers: Ein römischer Soldat tötet einen barbarischen Gegner, FEL TEMP SECURITAS
Die nähere Fundortangabe der drei Münzen in einer „Urne" deutet natürlich auf einen Grabfund hin, obwohl von Totenasche oder Knochen keine Rede ist.
Andererseits besteht eventuell noch die Möglichkeit, daß die auch im 19. Jh. allgemein gebräuchliche Bezeichnung „Urne" einfach die Umschreibung eines Schatzgefäßes aus Keramik meint (BERGER, 5f). Dieses offensichtlich nicht geborgene bzw. erhaltene Gefäß selbst war nicht näher einzuordnen; die Beschreibung „roter Ton mit Kies untermischt" darf jedoch nicht
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