Druckschrift 
Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

Gütha Klonk

Zur Konservierung der Daubenschalen aus der Grabung 103/Altstadt 1989, Wachtstraße

1. Funde

Bei der Grabung auf einem ca. 2000 qm gro­ßen Gelände in der Altstadt zwischen der Bött­cherstraße im Westen und der Wachtstraße im Osten wurden zahlreiche Holzfunde gemacht. Es handelt sich überwiegend um Dauben­schalen, aber auch gedrechselte Gefäße, Spin­deln, Armbrustpfeile, Faßdeckel, Brotschieber u. a. m. aus Nadelhölzern, Eiche und Buche. An­dere Holzarten sind bisher nicht ermittelt.

Die Funde stammen aus spätmittelalterlichen Kloaken und Abfallgruben oder wurden als Streufunde geborgen. Vorgestellt wird hier die Konservierung der Daubenschalen; die der üb­rigen Funde ist noch nicht abgeschlossen.

2. Erhaltungszustand

Alle Funde stammen aus feuchtem Boden. Holz ist als organisches Material im Boden starken Zerfallsprozessen ausgesetzt. Bodenart und ph-Wert, Bakterien, Pilze und andere Mikro­organismen sowie Temperatur und Dauer der Lagerung sind nur einige Ursachen für die Zer­störung der Objekte.

Der Zerfallsprozeß beginnt mit der Aus­schwemmung der wasserlöslichen Substan­zen aus dem Holz. Danach werden die Zellulo­seanteile abgebaut. Übrig bleibt das Ligninge- rüst des Holzes, das sich schließlich unter Luft­abschluß ebenfalls zersetzt. Deshalb enthält ar­chäologisches Naßholz ein Mehrfaches an Wasser als rezentes (frisches) Holz.

Die Holzfunde der Altstadtgrabung weisen alle Abbaugrade auf. Die Festigkeit der Objekte wird mit dem Nadeltest ermittelt: Je nach Wider­stand, den das Holz einer eingestochenen Na­del entgegensetzt, wird in weichen, mittleren oder festen Erhaltungszustand eingeteilt.

3. Überlegungen zur Konservierung

Die Konservierung von archäologischem Naß­holz muß die Stabilisierung der noch vorhande­nen Holzstruktur gewährleisten, so daß dem Holz das Wasser entzogen werden kann.

Wenn gesundes Holz trocknet, verdunstet das Wasser aus den Porenräumen und es entste­henin ihnen Wasseroberflächen, die langsam

tiefer in das Holz hineinwandern. Die Oberflä­che jeder Flüssigkeit besitzt eine Oberflächen­spannung____In normalem gesundem Holz ist

die Zellwandstruktur stark genug, diese Zug­spannung aufzunehmen, das Holz schwindet nur einige wenige Prozent beim Trocknen" (HOFFMAMM, 126).

Das durch den oben beschriebenen Prozeß abgebaute Holz kann den Zugkräften des ver­dunsteten Wassers keinen Widerstand mehr leisten, die Zellwändeklappen" zusammen, das Holz kollabiert. Dieser Kollaps ist in den al­lermeisten Fällen nicht rückgängig zu machen, weil die zerstörte Holzstruktur nicht wieder quel­len kann.

Das bedeutet, daß für die Konservierung eine Methode angewendet werden muß, die es erlaubt, das stabilisierende Wasser aus dem Holz zu entziehen, ohne daß der gefürchtete Zellkollaps eintritt. Um das zu erreichen, muß im Austausch mit dem Wasser eine strukturerhal­tende Substanz in das Holz eingearbeitet wer­den, die während der Trocknung formstabil bleibt, also eine Art Stützkorsett in den Zellen bildet.

Weiter war zu bedenken, daß das bisherige Fundaufkommen kleinerer Holzobjekte in Bre­men gering war. Große Hölzer wie Schiffsteile usw. werden im Deutschen Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven konserviert. Es sollte also für diesen größeren Fundkomplex eine Methode gewählt werden, die keine Installation von Trän­kungsanlagen erforderlich macht. Die dem Landesarchäologen nur in geringerem Maß zur Verfügung stehenden Gelder erlaubten außer­dem nicht, ein Verfahren mit hohen Energieko­sten anzuwenden. Auf Grund dieser Überle­gungen wurde eine Konservierungsmethode gewählt, die seit einigen Jahren auch in Bre­men erfolgreich erprobt und in Zusammenar­beit mit anderen Werkstätten weiterentwickelt wird. Es handelt sich um die Konservierung mit Zucker. Die Methode ist billig und reversibel, d. h., die Konservierung kann jederzeit rückgän­gig gemacht werden. Für die Durchführung ist keine besondere Anlage notwendig, es genü­gen Kunststoffbecken mit einer Abdeckung (Abb.1).

81