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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Babette Küster

Die Architekturteile vom Teerhof aus kunsthistorischer Sicht

In Ergänzung zu dem vorstehenden Fundbe­richt soll an dieser Stelle auf die kunsthistori­sche Bedeutung der Steine eingegangen wer­den. Der Fundzusammenhang legt den Schluß nahe, daß es sich um Überreste der Braut handelt. Es soll deshalb durch eine Beschrei­bung der Steine und anhand von bauge­schichtlichen Daten und zeitgenössischen Darstellungen festgestellt werden, ob ein Zu­sammenhang mit der Braut denkbar und die Anbringung der einzelnen Stücke zu lokalisie­ren ist.

Beschreibung der Fundstücke Soweit erkennbar, sind alle Stücke aus dem gleichen Material, vermutlich Obernkirchner Sandstein, der in Bremen fast ausschließlich für Werksteinarbeiten verwendet wurde.

Fundstück 1 (Abb. 1,1):

Es handelt sich um ein vertikales Bauglied. Zwei benachbarte Längsseiten sind bearbeitet und tragen je zwei gerundete Bossen mit Kerb­schnittornamenten. Sie sind von glatten Rän­dern, den Schlägen, eingefaßt. Die Bossen der schmaleren Seite reichen bis an die Kante, hier fehlt der Saumschlag. Die Bossen einer Seite tragen das gleiche Ornament. Auf der breiteren Seite lassen Vierkantlöcher eine Art Netzwerk stehen, auf der anderen entsteht durch Kerben die Negativform dieses Muster. Die horizonta­len Schläge sind vertikal scharriert, die vertika­len horizontal. Über den Bossen läuft ein Kar­nies um beide Seiten. Die untere Stoßfuge des Quaders ist gebrochen. Auf der Oberseite ist ein Bohrloch mit einer Vierkantrinne erhalten. Es handelt sich um Zurichtungen für eine Klam­mer. In die obere Bosse der Schmalseite ist die gleiche Zurichtung geschlagen, das umgebo­gene Ende des Metallbandes steckt noch im Stein. Höhe 0,85 m, Breite 0,30 m, Gesamttiefe 0,19 m.

Da eine Ecke ausgearbeitet ist, wird das Stück Teil einer Tür- oder Fensterlaibung gewesen sein. Auch eine Verwendung als Eckbetonung wäre denkbar. Das Kerbschnittornament findet sich in ähnlicher Form im Schloß Barnstrup (1584-92) und in den Bossenbändern der Hä­melschenburg (1588-92). In diesem Zeitraum dürfte auch dies Stück entstanden sein.

Fundstück 2 (Abb. 1,2):

Es handelt sich um ein vertikales Bauglied. Die bearbeitete Seite zeigt einen kannelierten Pila- ster, der mit einer genagelten Bosse belegt ist. An der einen Seite ist der Abschluß in Form ei­ner geraden Platte mit aufgesetzter Rundleiste erhalten, hier enden die Kanneluren in Bögen. Die andere Schmalseite ist sauber abgeschnit­ten und scharriert. Die Bosse ist mit Kerben be­deckt. Die vertikalen Einzelglieder sind horizon­tal, alle Horizontalen vertikal scharriert. Auf der Deckplatte sind die Zurichtungen für zwei Klammern vorhanden. Sie ermöglichen eine Verbindung nach rechts und nach hinten. An der rechten Kante des Pilasters ist oberhalb der Bosse eine Rinne ausgehauen. Hier handelt es sich um eine Überarbeitung zur Wiederverwen­dung.

Diese Pilasterform stammt aus den Niederlan­den. Ein frühes Beispiel ist das Stadthuis in Den Haag (1565). Nach Deutschland wurden diese Formen außer durch Stichwerke auch durch niederländische Handwerkervermittelt. Fürden Bau von Schloß Uslar (1559-64) ist ihre Be­schäftigung belegt. Es ist der erste Bau im We­sergebiet, der mit Bossen gestaltet wurde, diese tragen das gleiche Kerbenornament wie die Bosse dieses Pilasters.

Die Klammerspuren lassen die Vermutung zu, daß es sich um den linken Teil eines Doppelpi- lasters handelt. Dieses Motiv findet sich zuerst bei Hans Vredeman de Vries. Das naheliegend­ste Vergleichsbeispiel ist der Giebel der Stadt­waage (1587/88) in der Langenstraße. Gekop­pelte Pilaster finden sich aber auch an anderen Bauten des Weserraumes. Die Entstehungszeit dürfte der des vorigen Fundstückes entspre­chen. Höhe 0,60 m, Breite 0,31 m, Gesamttiefe 0,19 m.

Fundstück 3 (Abb. 1,3): Es handelt sich um ein horizontales Bauglied. Die Schauseite zeigt eine gerundete Bosse mit Kerbschnittornament. Der Saumschlag ist an den Lagerfugen breiter als an der erhaltenen Stoßfuge, die Kante ist hier abgeschrägt. Die Oberfläche der Bosse ist vertikal scharriert, das Ornament zeigt Reihen von Vierkantlöchern, die untereinander versetzt sind. Die Zwischen-

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