Manfred Rech - Bernd Seidler
Spätmittelalterliche Funde von der Ansgaritorstraße
Sich über das Leben und Treiben im spatmittelalterlichen Bremen eine plastische Vorstellung zu machen, ist trotz der vielfältigen urkundlichen Überlieferung nicht leicht. Im Sommer 1991 gelang es nun an der Ansgaritorstraße zumindest einen „Zipfel" dieses Treibens in Gestalt von Sachfunden zu erhaschen.
Durch gute Zusammenarbeit mit dem Bauordnungsamt, dem Bauherrn und dann der ausführenden Firma war diesmal die Dienststelle des Landesarchäologen rechtzeitig vorbereitet, als die Untertunnelung der Ansgaritorstraße in Angriff genommen wurde. Es ging um die Schaffung einer unterirdischen Verbindung zwischen der Hochgarage Am Brill und dem Parkgeschoß Ansgari-Shopping.
Die technischen Schwierigkeiten bei Errichtung eines etwa 15 x 7 m großen Schachtes quer über die Ansgaritorstraße (Abb. 1) erwiesen sich größer als zunächst angenommen. Dies vor allem aufgrund der zahlreichen Leitungen, die zu beiden Seiten der Straße verlaufen. Zunächst schien es auch so, als seien archäologische Befunde und Funde wegen der alten Bodeneingriffe kaum noch erwarten. Bald jedoch erschien die Oberkante einer parallel zur Häuserflucht verlaufenden Backsteinmauer. Diese konnte in ihrer ganzen Länge und noch vorhandenen Höhe (1,25 m) freigelegt und zeichnerisch aufgenommen werden (Abb. 2). Das nur in einer Länge von 13 m noch vorhandene Mauerstück bestand aus recht großformatigen Ziegeln (meistensetwa29x15x10cm). Die Basis der Mauer war in der untersten Lage etwas verbreitert und saß unmittelbar auf dem gewachsenen Sandboden der Bremer Düne, seine Oberkante lag bei ca. 0,6 m unter Straßenniveau (Höhe des Straßenpflasters bei + 8,20 m ü. NN). Direkt daneben fanden sich auch in etwa gleichem Niveau ungestörte Schichten des gewachsenen Sandbodens, das mittelalterliche Straßenniveau konnte jedoch nicht ermittelt werden. Bei dem Mauerstück handelt es sich fraglos um die zur Ansgaritorstraße weisende Kellerwand eines alt abgebrochenen Bürgerhauses. Aufgrund von Vergleichen mit historischen Stadtplänen muß die Mauer zu den alten Häusern Ansgaritorstraße 3 bzw. 2 gehören. Da die Breite der Straße von Häuserfront zu Häu-
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Hinter dem Ansgari- Kirchhof
1 Ansgaritorstraße. Baugrube mit Befunden.
serfront damals nur etwa 8 m betrug, ist verständlich, daß das Mauerstück sich fast in der Mitte der heutigen Ansgaritorstraße befand.
Wichtiger als dieser Befund war ein anderer, der sich direkt hinter der Mauer in Richtung Ostseite Ansgaritorstraße befand. Hier fand sich ein backsteingemauerter Schacht von 2,58 m äußerem Durchmesser. Das oben aufgrund von früheren Kanalbauarbeiten ganz abgebrochene runde Bauwerk war aus besonders geformten trapezoiden Brunnensteinen ohne Mörtelbindung gefügt (Abb. 3). Seine Oberkante lag bei + 5,95 m über NN. Bis zur unteren Backsteinlage war es noch 1,9 m hoch erhalten und gleichfalls in den gewachsenen Dünensand eingetieft. Auf den ersten Blick schien es so, als handele es sich um einen Brunnen, obwohl der ungewöhnlich große Durchmesser schon skeptisch stimmte. Unter tatkräftiger Mitwirkung von Arbeitern der Baufirma wurde der Schacht lagenweise abgebaut und die Einfüllschicht
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