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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
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Manfred Rech

Römisches aus dem Bremer Dom

1 Bremer Dom. Römische Sin­terplatte, Ober­seite (oben) und Unterseite (unten).

Die Grabungen in der Domkirche St. Petri zu Bremen führten zwischen 1973 und 1976 zu zahlreichen spektakulären Funden. Mancher auf den ersten Blick weniger bedeutungsvolle Fund der Domgrabung harrt noch seiner Bear­beitung. Als nun die magazinierten Funde neu geordnet wurden, fiel unter den Steinobjekten eine in zwei Teile zerbrochene Steinplatte auf. Diese war seinerzeit aus dem Schutt des Nord­schiffes von St. Petri geborgen worden (freund­liche Mitteilung Grabungstechniker Bernd Seidler). Schon aufgrund der schichtigen Ma­serung frischer Brüche, die damals wohl durch die Einwirkung von Baumaschinen im Dom entstanden waren, konnte festgestellt werden, daß es sich bei dem Fundstück einwandfrei um eine zerbrochene Platte aus römischem Kalk­sinter handelt. Damit rückt dieser Fund in die Reihe ähnlicher, aus römischem Kalksinter ge­fertigter Kunstwerke des hohen Mittelalters und darf sein Vorhandensein in Bremen als kleine Sensation gewertet werden.

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Zu dem Fundstück im einzelnen:

Platte aus Kalksinter (sog. falscher Marmor), größte Länge 1,05 m, größte Breite 0,54 m, größte Dicke im Mittel 0,03 m. Die Platte zeigt an einer Längskante über 0,38 m den alten Abschluß, alles andere alt abgebro­chen, für eine Zweitverwendung behauen oder rezent abgeschlagen; ursprüngliche Maße nicht mehr feststellbar. Auf der fein geschliffenen Oberseite zwei schwache, parallel angeordnete Dellen in Längsrich­tung; außerdem auf Oberseite an zwei Stellen harte Kalkmörtelreste einer Zweit­verwendung (Abb.1 oben); im Bruch Bänderung von ca. 20 übereinanderliegen­den Kalksinterschichten erkennbar; Unter­seite roh belassen, Bänderung in drei brei­ten, längs gerichteten Streifen, wobei der mittlere besonders kalkhaltig zu sein scheint.

Verbleib: Der Landesarchäologe, Bremen.

Das Ausgangsmaterial der Platte stammt aus der römischen Eifelwasserleitung, die vom En­de des Ibis gegen Ende des 3.nachchristli­chen Jahrhunderts zur Wasserversorung des römischen Köln (Colonia Claudia Ära Agrippi- nensis) diente (GREWE 1988, 17 ff.). Mit einer Länge von 95,4 Kilometern war sie eine der längsten Wasserleitungen im römischen Reich. Große Teile der auf langen Strecken noch intak­ten Leitung wurden erst 1979 freigelegt, als über dem Krebsbachtal bei Mechernich-Breiten­benden eine Brücke errichtet wurde (Abb. 2); an dieser Stelle war auch ein quadratischer Kontrollschacht vorhanden (JÜRGENS, 168 Abb. 140). Besonders im hohen Mittelalter, etwa 11.-13. Jahrh., wurde der Kanal als Steinbruch benutzt, nachdem er schon in der Spätantike unbrauchbar geworden war. Besonders be­gehrt waren jedoch die Kalksinterablagerun­gen zu beiden Seiten der Kanalrinne. Je nach Dicke ließen sich aus den Sinterschichten Altar­platten, Säulen, Deckplatten für Sarkophage und anderes mehr fertigen. Durch Schleifen und Polieren der Oberfläche kam die gebän­derte, bräunliche Struktur des Materials gutzum Vorschein, so daß das Material durchaus als Er­satz für Marmor dienen konnte. Und so finden

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