Detlev Hölscher - Manfred Rech - Volker Zedelius
Funde der Karolingerzeit in Bremen
1 Domshof Ostseite, äußerer Spitzgraben.
Zum Forschungsstand
Manche Kleinfunde, die bei der Domgrabung und später bei der Untersuchung im „Bleikeller" zutage kamen, konnten bisher noch nicht wissenschaftlich ausgewertet werden. Dazu gehören auch Münzen unterschiedlicher Zeitstellung, die seinerzeit zusammen mit Schutt geborgen wurden und die erst jetzt im Rahmen einer Neuordnung der Domfunde durch Aussieben entdeckt wurden. Darunter ist auch eine karolingische Münze. Dieser Fund und andere Beobachtungen der letzten Jahrzehnte, lassen es vertretbar erscheinen, in einem Überblick einige Befunde und Funde zusammenzustellen, die in die urkundlich überlieferte Gründungszeit Bremens gehören.
Wichtigster Befund ist zunächst der Doppelspitzgraben, der 1940 beim Bau des Bunkers nördlich des Domes beobachtet wurde (Nr. 1 Plan Abb. 4). Was seine genaue Lage angeht, so wäre hier ein Höhenschichtenplan vom Domhügel hilfreich. Leider liegt ein solcher noch nicht vor. So kommt es wohl, daß sein Verlauf nicht nur recht unterschiedlich, sondern auch meist nur vage eingezeichnet ist. Von der
Logik her ist es bei solchen Grabenanlagen ja so, daß sie sich den topograhischen Gegebenheiten anpassen und in der Regel parallel zum Fuß eines Hügels, nicht aber etwa schräg zum Hang, eingegraben sind. Der wohl bisher genaueste Versuch, den Grabenverlauf zu bestimmen, findet sich in einervon H. Lucht veran- laßten kartographischen Darstellung alter Baufunde in der Bremer Altstadt (SENATOR, 21 mit Karte). Hier ist die Grabenanlage fast Ost- West ausgerichtet und sind die damals beobachteten Bauspuren in der Mitte des Domshofes eingetragen. Die in den Ortsakten des Landesarchäologen vorhandene Fotodokumentation sowie die Beschreibung der Befunde durch E. Grohne wurde dabei wohl nur unvollkommen ausgewertet. Aus der Schilderung Grohnes und den damals gemachten Fotos ist zu entnehmen, daß auf der Ostseite des Domshofes der Doppelgraben in einem Abstand von einer „Straßenbreite" zur Bebauung angeschnitten wurde. Nach Grohne befand sich die Spitze des äußeren, besonders tief eingegrabenen Grabens „etwa auf der Grenze ... der Häuser Nr. 8 bis 9 am Domshof (Bremer Bank) und des nördlich davon gelegenen Bürohauses Nr. 10." (GROHNE, 126). Das alte Gebäude der Bremer Bank ist noch vorhanden, nicht aber das daneben liegende Haus Nr. 10. Hier befindet sich heute ein größerer Erweiterungsbau der Bremer Bank. Vergleicht man nun die Fotos mit der heutigen Situation, so kann an der Ausrichtung der Grabenanlage eigentlich kein Zweifel bestehen: Der äußere Graben zielt offenbar auf die nördliche Ecke der Bremer Bank und läuft damit genau parallel zum Hang des Domhügels (Abb. 1). Die Wahrscheinlichkeit, daß er doch etwas unterhalb, also im Bereich des Hauses Nr. 10 verlaufen könnte, ist gering, denn bei Errichtung des Erweiterungsbaues 1979 wurde die Ausschachtung, welche auch die alte Parzelle Domshof 10 einbezog, kontinuierlich überwacht.
Hier wurden schon dicht unter der heutigen Oberfläche in den Wänden der Baugrube ungestörte Ortsteinbänder im Dünensand beobachtet; von der Spitzgrabenanlage war nichts zu sehen (Ortsakten Der Landesarchäologe). Kurz nachdem Grohne den mächtigen äußeren Spitzgraben bemerkte, kam in der östlichen
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