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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
Seite
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Hildegard van't Hull

Kurzmitteilung zu einem 1991 gefundenen Mooszopf am sogenannten Schlachte-Schiff

Unter dem über Kopf liegenden Schiff an der Schlachte fanden sich kürzere und längere Stränge von Flechtwerk. Eines dieser Stücke konnte vorläufig mit Hilfe der C-14 Methode in die Zeit von ungefähr 850/60 n. Chr. datiert werden; genauere Daten zu diesem Schiffs­fund bleiben abzuwarten.

Ein von Chr. von Fick/Der Landesarchäologe geborgenes Stück wurde zur Begutachtung vorgelegt; es ist ein Zopf aus Moos (Abb. 1).

Zur Nutzung:

Das Widertonmoos war ein früher häufig genutztes Moos. Düll erwähnt die Herstellung von kleinen Hausbesen und Bürsten. Weiter beschreibt er subfossile Funde aus Duisburg: Girlanden, die evt. Glücksbringer darstellen. Polytrichum commune wurde gegen dasTun der bösen Geister" (Widertonmoos) unter das Kopfkissen getan. Limpricht (in DÜLL) schreibt Ende letzten Jahrhunderts, daß Ritzen in Häu­sern mit diesem Moos zur Abwehr böser Gei­ster verstopft wurden. Aus vielen Befunden ist auch die mehr profane Nutzung alsKlopapier" belegt (WILLERDING; DIRLMEIER; DIMBLEY).

1Schlachte- Schiff", Zopf aus Moos.

Zur Moosart

Bei dem Moos handelt es sich um die Art Polytrichum commune Hedw.; Volksnamen sind: Echtes Frauenhaarmoos, Widertonmoos oder gemeines Haarmützenmoos. Die Art ge­hört zur Familie der Polytrichaceae innerhalb der Polytrichanae.

Zur Biologie

Verbreitet und häufig an feuchten, sauren Standorten in Wäldern, Brüchen, Wiesen und besonders in Mooren; hier große Polster bild­end. Die unverzweigten, aufrecht wachsenden Pflanzen werden 10-30 cm hoch, in Einzelfällen bis 75 cm. Größtes einheimisches Moos; es besitzt im Stengel Leitungsbahnen für Wasser bzw. Assimilate, Hydroiden und Leptoiden, wel­che der im Verhältnis zu den sehr entfernt ste­henden Blättern dominierenden starken Achse Festigkeit verleihen. Die Gewebestruktur ist nicht zur Aufnahme von größeren Wassermen­gen geeignet, wodurch sich die Art sehr stark von den Torfmoosen unterscheidet.

Für eine Verwendung als Seil besitzen die Pflanzen nicht die nötige Zugfestigkeit. Gegen eine Verwendung als Kalfatermaterial spricht die sehr geringe Wasseraufnahme- und Quell­fähigkeit. Möglich wäre die Nutzung derartiger Mooszöpfe als Polster- bzw. Packmaterial für den Transport empfindlicher Ladungen. Denk­bar ist auch die Verwendung als Fenderpolster. Beide Nutzungsarten können Abnutzungser­scheinungen (s.u.) verursachen, die den am vorliegenden Fund festgestellten entsprechen.

Zum Fundstück

Der Zopf hat die Maße 40 x 5 x 3 cm. Er be­steht aus 3 Strängen. Diese sind bis 2 cm dick und aus parallel liegenden Moospflanzen ge­bündelt. Das breite Ende ist oben. Hier wurde mit dem Flechten begonnen, indem die Bündel eingebogen wurden. Die Flechtrichtung ist nach hinten gerichtet, d.h. die Stränge wurden vom Körper weg nach hinten umgelegt. Es wur­de sehr straff geflochten, was daraus geschlos­sen werden kann, daß die Flechten sehr stumpfwinkelig zur Mittelachse stehen. Da die Enden oben verschränkt sind, ist anzunehmen, daß der Zopf in voller Länge erhalten ist.

Auf der Unterseite ist die Mittelflechte stark ab­genutzt, so daß sie an den exponiertesten Stel­len fast ganz durchgescheuert ist. Auf der Ober­seite sind dagegen nur leichte Abnutzungser­scheinungen festzustellen.

Der gesamte Zopf ist durch Humin- und Gerb­säuren völlig schwarz gefärbt. Die Gerbsäuren sind zusammen mit den anaeroben Lage-

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