Druckschrift 
Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

Manfred Rech

Übersicht der Schiffsfunde auf Bremer Gebiet

In den letzten Jahren ist durch die Auffindung desKarl" in der Baugrube des Scandic Crown Hotels wieder deutlich geworden, daß im Be­reich der Weser überall mit alten Schiffswracks gerechnet werden muß. Im Juli 1991 ist nun auf­grund der intensiven baubegleitenden Tätigkeit der Dienststelle des Landesarchäologen bei den Kanalbauarbeiten ander Schlachte wieder ein Schiff zutage getreten, das geborgen wer­den soll. Beide Funde sind Anlaß, einen kurzen Überblick über die bisher auf Bremer Gebiet beobachteten Schiffe zu geben.

/.Kogge 1962"

Über die Geschichte der Auffindung der Kogge im Jahre 1962 gegenüber der Einfahrt zum Europahafen zu referieren, wäre müßig. Hierüber ist zu Genüge geschrieben und die Auffindung damals zu Recht als archäologi­sche Sensation gewürdigt worden, kannte man Koggen doch bis dahin nur von Siegeln des Spätmittelalters (POHL-WEBER, 15). Die sehr aufwendige Restaurierung und Konservierung des in das Jahr 1380 datierten Schiffes mit Po- lyäthylenglykol (PEG") im Deutschen Schif­fahrtsmuseum (DSM") ist auch heute noch nicht ganz abgeschlossen, doch kann das Schiff von den Besuchern des Museums be­reits betrachtet werden.

Da über die Seetüchtigkeit und die Handha­bung der Segel naturgemäß nur Vermutungen angestellt werden konnten, kam bald die Idee auf, einen Nachbau im Maßstab 1:1 zu erstellen und zu erproben. Inzwischen sind es zwei Nachbauten, die errichtet wurden; der jüngere wurde erst 1991 zu Wasser gelassen.

Mit dem ersten Nachbau wurde im Juni 1986 in Kiel begonnen. Unter der Aufsicht des DSM wurde der Nachbau im Rahmen des Projekts Jugend in Arbeit" auf dem Gelände der Boots­werft Erich Ratje durchgeführt, wobei hier hauptsächlich arbeitslose Bootsbauer und Ju­gendliche ohne Arbeit eingesetzt wurden und dabei Erstaunliches leisteten (HOHEISEL, 26 ff).

Der Stapellauf erfolgte im Oktober 1989 (Abb. 1). Inzwischen hat dieser Nachbau seine ersten erfolgreichen Fahrten durch die Ostsee absol­viert.

Der Nachbau in Bremerhaven auf dem Gelän­de des Neuen Hafens, unfern vom Standort des DSM, wurde ein halbes Jahr später aufgelegt. Sein Stapellauf erfolgte im Juli 1991. Träger die­ses Projektes ist der Bremerhavener Koggen­verein, und im Rahmen der Arbeiten wurden wie in Kiel hauptsächlich arbeitslose Jugendli­che unter fachmännischer Anleitung einge­setzt. Auch dieser Nachbau hat inzwischen er­ste Fahrten durch Nord- und Ostsee erfolgreich durchgeführt (Abb. 2). Im Unterschied zu der Kieler Kogge wurde bei der Bremerhavener Ausführung mehr Wert auf eine spätere Nut­zung gelegt. So verfügt dieses Schiff über einen kleinen Dieselmotor, auch wurde anstelle einer nach oben offenen Bauweise ein festes Deck eingebaut, um der Besatzung bei Regen einen trockenen Raum zu bieten. Unterschiedlich sind auch die Segel. Während man sich bei den Kielern mehr von praktischen Erwägungen lei­ten ließ, indem ein vergleichsweise schmales Segel hoch angesetzt ist und so weniger im Windschatten des Achterkastells steht, ist bei der Kogge aus Bremerhaven, die unter dem NamenUbena von Bremen" läuft und auch gechartert werden kann, der Riß des Segels mehr nach den Vorbildern auf mittelalterlichen Siegeln gestaltet; das Segel ist hier breiter, der Schwerpunkt somit tiefer angelegt. Bei beiden Schiffen wurde eine Unmenge von Eichenholz verarbeitet, mußten Tausende von Nägeln geschmiedet werden, ganz zu schwei­gen von alten schiffsbautechnischen Fertigkei-

1 Kogge-Nach­bau I nach dem Stapellauf.

25