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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Manfred Rech

Johann Hinrich Eggeling (1639-1713) und die Archäologie

Aus Bremen stammen mehrere Persönlichkei­ten, die sich erstaunlich früh der Erforschung der heimischen Vorgeschichte widmeten. Dazu zählen Wilhelm Dilich, der schon 1604 in seiner Beschreibung und Chronik der Stadt Bremen auf die Monumenta gigantum, die Riesenstein- gräber, aufmerksam macht und sie als Monu­menta Chaucorum interpretiert oder Martin Mushard (1699-1770), dessen Vater als Konrek­tor am Athenaeum in Bremen ein bekanntes genealogisches Werk zur Ritterschaft im Her­zogtum Bremen und Verden verfaßte. Mushard fand als Geistlicher die Zeit, sich mit den damals noch weit weniger zerstörten Bodendenkmä­lern seiner engeren Heimatzu beschäftigen. So sind vor allem seine Grabungen in dem sächsi­schen Urnengräberfeld in Issendorf, Kreis Sta­de, auch heute noch bedeutsam geblieben. Er­gebnis seiner vielfältigen Forschungen war sein WerkPalaeogentilismus Bremensis" (Ehe­maliges Bremisches Heidentum"), das bis heute leider immer noch nicht in einer dem Wert der Arbeit ansprechenden Form ediert ist (SPROCKHOFF). Einer, der bisher in for­schungsgeschichtlichen Arbeiten zur Frühge­schichte bisher nicht erwähnt wurde, so auch nicht bei H. Gummel (GUMMEL), ist nun Johann Hinrich Eggeling, der sich latinisierend auch Eggelingius nannte. Geboren 1639 in Bremen, besuchte er dort die lateinische Schule und stu­dierte anschließend in Helmstedt und Leipzig Jura und Philosophie (BIOGRAPHIE, 661 f.); Reisen nach Italien, Frankreich, Spanien und in die Schweiz schlössen sich an. 1679 wurde er vom Bremer Rat zum Secretarius (Stadtschrei­ber) ernannt. Von den zahlreichen Schriften zu historischen oder antiquarischen Fragestellun­gen aus der Feder Eggelings, die alle wohl eine ausführliche Kommentierung aus heutiger Sicht verdienten, sei eine besonders genannt, auf die cand. phil. D. Hölscher, Mainz, aufmerk­sam machte. In einem Bremer Antiquariat konnte er Eggelings SchriftDe caucis" (1694) erstehen; ein besser erhaltenes Exemplar, aus dem die nachfolgenden Kopien stammen, be­findet sich in der Bremer Universitäts-Biblio­thek. Wie schon das Titelblatt (Abb. 1) erkennen läßt, ist sein Werkchen hauptsächlich eine Kommentierung von Kap. 35 derGermania" des Tacitus (ca. 55-120 n. Chr.) und von Buch 16 derHistoria naturalis" von Plinius d. Ä.

DE

MISCELLANEIS GERMANIA

ANTIQUITAT1BUS,

ExERCIT ATI O SECUNDA,

Qu* cB

Ad LocaTaciti Germ.Cap. ?> & Pliniilib. 16. Scd-LEditHard.

Dtu

CAUCIS.

AUCIOKE

JOHANNE HENRICO

EGGELINGIO.

BREM«, Typis HERMANNI BKAUERI, llluftr. Gymn. Typogr. 16514,

Eggeling erweist sich in seiner Schrift nicht nur als profunder Kenner der beiden Autoren, son­dern auch anderer antiker Schriftsteller. Das Besondere und deshalb beachtenswert istaber sein Versuch, bestimmte Nachrichten über den germanischen Stamm der Chauken, die ganz richtig als die Bewohner des Unterweserrau­mes in die Zeit um Christi Geburt und unmittel­bar danach gesehen und von ihm alsVor-Sas- sen" bezeichnet werden, zu interpretieren; da­zu gehört nichtzuletzt die Deutung des Namens Chauken" selbst. Für uns bedeutsam ist seine Interpretation der bekannten Beschreibung von Wohnsitzen und Lebensumständen der Chau­ken (JACOB-FRIESEN) nach Plinius, Buch 16: Sunt in Septentrione visae nobis gentes Chau­corum, qui majores minoresque appelantur... Illic misera gens tumulos obtinet altos, aut tribu- nalia structa manibus ad experimenta altissimi aestus, casis ita impositis: navigantibus similis, cum integant aquae circumdata ..." Eggeling

1 Titelblatt von De caucis", verkleinert.

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