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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
Entstehung
Seite
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Michael Wesemann

Grabung im Frühjahr 1991 in der germanischen Siedlung Auf dem Wurtacker" (Habenhausen)

1 Habenhausen.

Grabungsareal.

Schon 1983 wurden aufgrund von Erschlie­ßungsmaßnahmen im Gewerbegebiet Haben­hausen-West in der FlurAuf dem Wurtacker" eine Grabung und baubegleitende Untersu­chungen durchgeführt. Diese Aktivitäten da­mals bezogen sich hauptsächlich auf den Be­reich der Straßentrassen Borgward- und Sci- piostraße. Herausragende Funde waren eine bronzene Kniefibel des 3. Jahrh. n. Chr. sowie im Feuchtbereich eines alten Wasserlaufes (Weserarm?) ein 1,90m langer, bearbeiteter Holzgegenstand, der vielleicht als Wagenteil zu deuten ist; auffällig waren hier auch die zahlrei­chen Tierknochen (BRANDT, 171 f.).

Seither ist der größte Teil des Gewerbegebietes bebaut worden, ohne daß Untersuchungen vorgenommen werden konnten. Im Frühjahr 1991 nun konnte in Absprache mit dem Senator für Wirtschaft, Technologie und Außenhandel sowie einer am Grundstückserwerb interessier­ten Firma eine Parzelle genau gegenüber der Einmündung der Scipiostraße untersucht wer­den. Die Fläche von insgesamt 450qm schloß sich der Grabungsfläche von 1983 an. Ab dem Sommer wurde eine weitere, mit insgesamt ca. 1000qm größere Fläche untersucht. Im folgen­den soll jedoch nur von der Frühjahrskampa­gne die Rede sein. Die Untersuchung wurde ausschließlich mit Studenten durchgeführt, die trotz der zum Teil schlechten Wetterbedingun­gen bis zum Grabungsende durchhielten (Abb.1).

Zur Topographie

Neben einer Siedlung der älteren römi­schen Kaiserzeit in Bremen-Vahr auf dem Hol­ter Feld und einer anderen im Ortsteil Arsten handelt es sich in Habenhausen gleichfalls um eine Flachsiedlung in der Wesermarsch. Wie die beiden vorgenannten Stellen liegt sie auf dem Älteren Auelehm.

Durch Bodenprofile, die in Rohrgräben und Baugruben aufgeschlossen wurden, konnte die Lage der Siedlung auf einem Uferwall in ei­ner alten Weserschleife rekonstruiert werden. Danach war der Uferwall im Westen, Süden und Osten von sumpfigen Aueniederungen mit We­seraltarmen umgeben. Der Uferwall erhebt sich alsflacher Hügel noch etwa 0,7 m bis1,3 m über die umgebende Marsch (+4,20 bis + 4,80 m über NN) hinaus und wurde schon frühzeitig wegen der etwas trockeneren Bodenverhält­nisse als Ackerland genutzt.

Die Profile an den Grabungsgrenzen zeigen weiterhin, daß der Uferwall einer beträchtlichen Erosion unterlag, nachdem die Siedlung aufge­geben worden war, bevor wiederum eine etwa 0,6 m mächtige Auelehmschicht aufsedimen- tierte. Dies wurde daran erkennbar, daß nach der Entfernung des Pflughorizontes zunächst etwa 20 cm sterilen Auelehmsfolgten, bevor die ersten Befunde sichtbar wurden, welche wie­derum mindestens zur Hälfte oben gekappt wa­ren, so daß von den vorgefundenen Gruben oder Rostenstandspuren oft nurmehr die Basis vorhanden war. Es muß daher von einer Abtra­gung ausgegeangen werden, die wenigstens 0,5 m ausmachte. Dieser Befund entspricht durchaus der für die Mittelweserniederung typi­schen Auengeschichte.

Zur Siedlungsstruktur

Die Befundverteilung, die sich auf den Flä­chen der 1983 und im Frühjahr 1991 freigeleg­ten Siedlungsteile ergibt, entspricht an keiner Stelle den bekannten Siedlungsmustern (Abb. 2). So sind die Rosten nach dem bisheri­gen Bearbeitungsstand bis auf wenige Aus­nahmen keinen identifizierbaren Strukturen wie etwa Langhäusern, Speichern, Zäunen oder kleineren ebenerdigen Gebäuden zuzu­ordnen. Lediglich einige kurze Rostenreihen