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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Ernst Sprockhoff

Ungarn und der Tschechoslowakei vorliegt us ), das zeitlich bereits dem Horizont der IV. Periode des Nordens entspricht. Danach gehört wohl auch der Reitersmann zu jenem Neuen, das damals aus südöstlichen Gebieten seinen Weg nach dem Norden fand. Nun ist es fast ein historisches Gesetz, daß von Zeit zu Zeit mehr oder weniger kühne Reitervölkeraus dem fernen Osten" durch die ungarische Tiefebene in das mitteleuropäische Herz vorstoßen. Das Werden der Hallstattzeit, das sich noch während unserer V. Periode vollzieht, steht offenbar im Zusammenhang mit solchen Vorgängen, wie dasthrako-kimmerische" Pferdegeschirr wahrscheinlich macht Ui ). Dann wäre durchaus ein naheliegender Gedanke, daß unser jungbronzezeitliches, urnenfel- derisches Pferdegeschirr eine vorausflutende Welle aus gleichem Raum gewesen ist. Wir hätten damit einen historisch verständlichen Grund, der den Anlaß für die allseits in Bewegung und Aktion geratene Kultur im ungarisch-slowakischen Donaugebiet abgeben könnte. Es liegt auf der Hand, daß sich damit folgenschwere Perspektiven eröffnen und weitreichende Probleme aufgerollt werden. Aber noch ist es verfrüht, diesen Dingen hier weiter nachzugehen, denn mit den angedeuteten Ausblicken verlassen wir schon den Boden gesicherter urgeschichtlicher Tat­sachen, so daß wir uns bescheiden müssen mit der Erkenntnis, daß in der jüngeren Bronzezeit des Nordens ein sehr tiefgreifender Einfluß aus dem slowakisch-ungarisch-jugoslawischen Raum in Erscheinung tritt, dessen Wirkung maßgebend das nordische Kulturbild formt. Wenn wir auch bei dieser Auseinandersetzung wieder feststellen können, daß die voll entwickelte nor­dische Kultur der jüngeren Bronzezeit die mitteleuropäische Wurzel vielfach nur mühevoll erkennen läßt und in ihrer Vollendung ganz selbständig erscheint, so offenbart sich darin eine innere Kraft von nicht zu unterschätzender historischer Bedeutung.

ERGEBNIS UND AUFGABEN

(überschauen wir abschließend die Ergebnisse unserer Betrachtungen, soweit sie insbesondere für den nordischen Kreis von Bedeutung sind, so scheint uns folgendes von Wichtigkeit:

Die Ornamentik der jüngeren Bronzezeit, soweit sie uns in ihrer typischen Ausprägung auf den Bronzen begegnet, bildet zusammen mit den Felszeichnungen eine wirkliche Einheit. Es läßt sich in beiden Teilen nicht nur Älteres und Jüngeres formal unterscheiden, so daß der eindeu­tigere Befund auf den Bronzen auch zur Datierung zahlreicher Felszeichnungen im einzelnen her­angezogen werden kann, sondern beider Darstellungen sind in der Hauptsache auch lesbar, wenn auch nicht immer deutungsfähig.

Die Feststellung bestimmten Sinngehaltes gilt insbesondere für die räumlich abgegrenzte Or­namentik der Bronzen; sie kann mit allgemeinen Begriffen wie Schling- und Spiralornamentik zwar äußerlich bezeichnet, aber nicht erklärt werden, so wenig wie sie irgend etwas mit der miß­verständlichen Bezeichnung von Drachenornamentik zu tun hat. Die nordische Ornamentik der jüngeren Bronzezeit, die uns in ihrer charakteristischen Prägung auf Hängegefäßen und Hals-

Ardi. Rozhledy 4. 1952, 404 Abb. 209.

") Wiener Prähist. Zeitschr. 27,1940,30 f. (F. Höhte).