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Der Aufbau : Bürger und Stadt
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Worpswede und das Teufelsmoor

Durch Kooperation zur regionalen Identität

Jens-Joost Krüger Worpsweder Touristik GmbH

ie Region und ihre touris­tischen Voraussetzungen

Worpswede und Fischer­hude, das Blockland, die Wümme­deiche und die Weite des Teufels­moores verfügen über eine nicht nur regionale touristische Bekannt­heit. Vor allem die beiden kleinen Künstlerdörfer blicken auf eine lange touristische Tradition zurück, die mit der Entdeckung der Dörfer durch Künstlerinnen und Künstler am Ende des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm und seit jeher auch auf die Niederungslandschaf­ten an Hamme und Wümme aus­strahlte. Für Bremerinnen und Bremer gehört das flache, nur schwach überbaute und zuneh­mend geschützte Land zwischen der Hansestadt und Bremervörde zu den herausragenden Naherho­lungsgebieten. Davon zeugen nicht nur die vielen Spaziergänger, Rad­fahrer, Wassersportler, Bootsaus­flügler und Reiter, sondern auch eine ganz beachtliche Reihe von ganzjährig frequentierten Ausflugs­lokalen.

In Südwede, Lilienthal und Gnarrenburg lässt sich das Torfstechen noch heute ausprobiern.

Der Reiz der Landschaft, die Ent­deckung durch Künstlerinnen und Künstler und die nachfolgende touristische Entwicklung haben ihre Grundlage in den Besonderheiten der Teufelsmoorlandschaft. Weit­räumige Moore, Überschwem­mungsgebiete und nasse Flächen prägten jahrhundertelang das nahezu unzugängliche Land. Erst mit der systematischen Kolonisie­rung unter dem staatlichen Moor­kommissar Johann Christoph Findorff ab Mitte des 18. Jahrhun­derts begann die Besiedlung der

nassen Flächen. Das Leben im Moor und die spezifischen Sied­lungsstrukturen der Kolonisten verdrängten zwar nach und nach die ursprüngliche Wildnis der Moor­gebiete, prägten aber Landschafts­und Kulturgeschichte und schufen eine besondere gemeinsame regio­nale kulturelle Identität. Beides, der herbe Reiz der flachen Landschaft unter einem beeindruckend hohen Himmel und die Abgeschiedenheit und Einfachheit der bäuerlichen Lebensformen gewannen durch die Malerei der ersten Worpsweder Malergeneration überregionale Berühmtheit. Das änderte aller­dings nur wenig daran, dass die naturräumlichen Verhältnisse des nahezu 600 Quadratkilometer großen Teufelsmoores bis heute eine nennenswerte industrielle oder gewerbliche Entwicklung oder flächengreifende Urbanisierung nicht zuließen. Die infrastrukturelle Schwäche blieb erhalten und mit ihr eine Region, deren Natur, Land- schaftsgeschichte, Kultur und Kunst in weiten Teilen nicht unter die Räder einer raumgreifenden nivellierenden Modernisierung geriet und das Potential der touristi­schen Entwicklung darstellt.

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