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Biographische Skizzen verstorbener Bremischer Aerzte und Naturforscher : eine Festgabe für die zwei und zwanzigste Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte zu Bremen / vom Aerztlichen Vereine zu Bremen
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genas er damals, wie es schien, vollständig; jedoch möchte wohl mit mehr Grund anzunehmen sein, dass der tuber- culose Prozess augenblicklich nur zum Stillstand gebracht war, um spater wieder in seiner Entwickelung, wenn gleich langsam, vorzurücken. Wenigstens habe ich in den letzten 17 Jahren seines Lebens oft Gelegenheit gehabt, mich von der Richtigkeit dieser Annahme durch sein häufiges Anhüsteln und noch mehr durch die besonders zur Winters- und Frühjahrszeit häufig sich wiederholenden heftigen, beinahe suffokativen Hustenparoxysmen, verbunden mit einem sehr kurzen Athem und nicht selten mit einem blutigen und eiterigen Auswurf, zu überzeugen, wie es denn auch nicht dem geringsten Zweifel unterliegen kann, dass derselbe Krankheitsprozess Treviranus Lebensende herbeiführte. Die für so manche schwache Organisation, und besonders für kranke Lungen so verhängnissvolle Influenz-Epidemie im Februar 1837 nämlich brachte end­lich auch bei ihm das lange im Verborgenen glimmende Feuer zum hellen Ausbruch. Nachdem er am 4. des gedachten Monats seinen 62sten Geburtstag begangen und zwei Tage später seine letzte literarische Arbeit vollendet hatte, ward er von verstärktem Husten, Fieber, grosser Athmungsbeschwerdc und starkem Herzklopfen mit aus­setzendem Pulse befallen. Als er am 8. meinen Rath verlangte, machte er selbst, obgleich noch leise zweifelnd, mich auf die eiterige Beschaffenheit des Auswurfs auf­merksam. In der That sah ich nie so deutlich gleich auf den ersten Blick zu erkennende und durchaus unvermischte Tuberkelmasse, als diese. Die Kräfte sanken rasch. Der Kranke schien sich immer mehr von seinem Zustande zu überzeugen und tief in seinem Innern mit sich selbst beschäftigt zu sein, ohne sich darüber auszusprechen. Bis