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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
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DER AUFBAU

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Mehr als hundert Jahre übte ein Nach­komme der Sippe Widukinds das Amt des Rectors" oder Propstes an diesem Stift aus, so wie es der Gründer Waltbert be­stimmt hatte und siebenmal wechselte in der Zeit der Reformation und der Gegen­reformation das Stift die Konfession.

Zu seinen Sehenswürdigkeiten gehört das große hängende Triumphkreuz mit den Evangelistensymbolen aus dem 14. Jahrhundert, aus derselben Zeit ein Tauf­stein. An der Nordseite des Chores ein dreifacher Sakramentsschrein, ihm ge­genüber der aus Sandstein gemeißelte Levitensitz, beide aus dem 15. Jahrhun­dert. In der Südmauer des Chores hat sich vermutlich einer derBaumeister" in einem Hochrelief (Mitte 13. Jh.) ver­ewigt. Das große Chorfenster (1910) gilt als ein besonders schönes Beispiel des Jugendstils.

Das Kapitelhaus, der Remter, ist das äl­teste Gebäude der Stadt Wildeshausen und bereits über 1000 Jahre alt. Beim Bau der Kirche, rund 300 Jahre später, wurde dieses Gebäude in die neue Kir­che eingegliedert. Neben dem Giebel des Remters der malerische Kantors- bogen mit der alten Pumpe.

Rund 300 Jahre älter als die Kirche ist der Kapitelsaal des alten Chorherren­stiftes, die heutige Sakristei. Sie beher­bergt die erst 1953 freigelegten Wand­malereien. Über der Eingangstür das Reiterbild mit Jagdfalken" aus der zwei­ten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Es ist die älteste Falknerdarstellung, die die Kunst­geschichte kennt. Aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts derChristuszyklus", der das Leben Jesu in seinen wichtigsten Begebenheiten zeigt. Der Reiz dieser Fresken: Sie befinden sich noch in ih­rem ursprünglichen Zustand. Um 950 entstand der Remter, der beim Bau der Kirche eingegliedert wurde.

Die Wunderheilungen am Grab des Hei­ligen Alexander und die günstige Lage an der Flämischen Straße machten Wildeshausen zu einem beliebten Wall­fahrtsort und darüber hinaus zu einem der ersten Marktorte.

Unmittelbar neben der Kirche ein schö­nes weltliches Gebäude, das Amtshaus. Das siebenachsige, zweigeschossige Haus aus dem Jahr 1 729/30 ist das ein- zigeAmtshaus des Oldenburger Landes, das in Fachwerk errichtet wurde.

Ein schönes Stück Vergangenheit er­schließt sich dem Besucher, der den Weg von hier über den alten Stadtwall nimmt.

Noch heute umschließt der Wall, der im Mittelalter als Wehranlage diente, einen großen Teil der alten Stadt. Da wo der Stadtwall sich heute verliert, eines der schönsten Fleckchen Erde, die Burgwiese und Burgberg unterhalb von St.-Peter, der katholischen Kirche aus dem Jahre 1824. Der Burgberg am Westrand des Hunte- Urstromtales erlaubt einen weiten Blick über die Welgenmarsch bis hin zu den Höhen von Hölscher Holz und Katen- bäker Berg. Zu seinen Füßen breitet sich der Kurpark aus. Rund um die Konzert­muschel finden alljährlich in den Som­mermonaten Konzerte oder Volkstänze statt.

Das auf dem Burgberg errichtete Denk­mal ehrt die in beiden Weltkriegen Ge­fallenen der Stadt. An dieser Stelle hatte einmal die Burg Heinrich III. und Burchard I. aus der Linie Oldenburg- Wildeshausen gestanden. Der letzte Turmrest wurde 1 789 abgetragen.

Ohne große Umwege erreicht der Besu­cher beim Bummel durch die Stadt gleich eine ganze Reihe von Sehenswürdigkei­ten.

Das Dampfkornbranntweinbrennereimu­seum erinnert ansüffige" Zeiten. Denn über 120 Jahre wurde hier der weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannte Kollogesche Korn gebrannt. Wesentli­cher Bestandteil der Anlage ist die Ein­kolbendampfmaschine mit Pendelregu­lator aus der Gründerzeit. Sie markiert die sogenannte industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts, der große wirtschaftli­che und gesellschaftliche Umwälzungen folgten. Das Institut für Denkmalpflege in Hannover beschreibt das technische Kul­turdenkmal so: Die mehrgeschossig auf­gebaute Brennerei ist derart in die bauli­che Anlage eingepaßt, daß Gebäude und Betriebseinrichtungen eine unlösbare Ein­heit bilden. Vom Keller bis zum dritten Stockwerk erlebt der Betrachter die ganz­heitliche Darstellung überschaubarer Pro­duktionsabläufe. Die Produktionsanlage, die 1978 stillgelegt wurde, ist voll funkti­onstüchtig erhalten geblieben.

In den Räumen, in denen bis zum Jahr 1987 die Wildeshauser Zeitung gedruckt wurde, befindet sich das Druckerei­museum. Gelegenheit, die Entwicklung der Buchdruckerkunst der letzten hun­dert Jahre bis zur Einführung des Foto­satzes zu verfolgen.

Der Stadtwall, der sich ringförmig um den alten Stadtkern legt, diente den Bür­gern im Mittelalter als Wehranlage. Heu­te ist der Wall ein beliebter Spazierweg, der sich von der Kaiserstraße bis zur Hunte hinzieht.

Das Besondere an diesem kleinen Mu­seum: die ausgestellten Maschinen, Ge­räte und Werkzeuge wurden nicht aus verschiedenen Betrieben oder Regionen zusammengetragen, es handelt sich um die im Jahre 1850 gegründete, komplett eingerichtete Druckerei. Alle Maschinen und Geräte, darunter die hölzerne Spindelpresse, auf der 1860 die Wochen­zeitungDie Hunte" gedruckt wurde, sind immer noch voll funktionsfähig. Die Villa Knagge (1852) und das Landhaus Hoffmannshöhe (1840) zählen zu den geschützten Baudenkmälern Wildeshau­sens.

Die spätklassizistische Villa-Knagge zeigt ein harmonisches Zusammenspiel ver­schiedener Stilrichtungen. Johannes Knagge, der als Kaufmann zeitweise in Java tätig war, ließ die Villa als Alterssitz in Wildeshausen erbauen. Das gesamte Erscheinungsbild des Hauses läßt den Einfluß javanischer Bauart erkennen.

Das gut erhaltene Landhaus-Hoffmanns­höhe inmitten alter Eichen befindet sich am Marschweg. Christian Ludwig

Eine sehenswerte Anlage aus dem Jahre 1857 ist das Dampfkornbranntweinbren­nereimuseum, das erst vor wenigen Jahren restauriert wurde. Sehenswert sind die al­ten Maschinen im Inneren des Gebäudes.