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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
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DER AUFBAU

Vor zwei Jahren bereitete sich eine Mit­gliedsstadt des Kommunalverbundes auf ihren jährlichen Volksfest-Höhepunkt vor; für dieses Ereignis wollte man na­türlich auch in den benachbarten Städ­ten und Gemeinden per Plakat werben. Und was geschah? Eine der Nachbar­kommunen -auch Mitglied des Kommu­nalverbundes - verbat sich das Plakatie­ren alsunfreundlichen Akt". Die Ein­wohner sollten wohl lieber in den eige­nen Stadtgrenzen feiern - und ihr Geld dort ausgeben.

Im vergangenen Jahr diskutierte man in einer Gemeinde - Gründungsmitglied des Kommunalverbundes - die Auswei­sung von neuen Gewerbeflächen. Auf diesbezüglich zurückhaltende Stellung­nahmen aus dem benachbarten Ober­zentrum fiel im Gemeinderat der Satz: Ja wenn die sich darüber ärgern, dann machen wir das richtig."

Was zeigen uns diese zwei Beispiele? Die Regionalisierung befindet sich derzeit in einer sehr schwierigen Phase, ein Phä­nomen übrigens, das wir überall in der Bundesrepublik beobachten können. Hierfür die Gründe zu benennen ist kei­neswegs schwer: Unser Land befindet sich in einer für den Einzelnen schmerz­haften und schwierigen Umbruchphase, die Globalisierungseffekte beginnen sich voll auszuwirken. In Folge dessen stei­gen durch Produktionsverlagerungen die

Quo vadis, Regio?

Dieter Holzapfel

Arbeitslosenzahlen, altbekannte wirt­schaftliche Grundmuster und Arbeitstei­lungen werden zunehmend in Frage ge­stellt. Zeitgleich gehen die originären Steuereinnahmen - Einkommens- und Gewerbesteuer-der Städte und Gemein­den dramatisch zurück. Über 90 Prozent der Kommunen in Niedersachsen sehen sich nicht mehr in der Lage, ihre Haus­halte auszugleichen. In Bremen wieder­um geht man - so wird es in der Region gesehen - aus den selben Gründen und mit weitaus mehr Nachdruck als zu Zei­ten derAmpel-Koalition" daran, die offenkundigen Defizite der Stadt- und Wirtschaftsentwicklung anzupacken. Die seit zwei Jahren im Amt befindliche Re­gierungskoalition kann sich auf eine brei­te parlamentarische Mehrheit stützen, es ist für die nähere Zukunft zu erwarten, daß der nun eingeschlagene Kurs fortge­setzt wird.

Was bedeutet dies alles nun für unseren Kommunalverbund? Seit etwa zwei Jah­ren ist zu beobachten, daß die Tenden­zen zum Eigennutz sich wieder verstär­ken, bei gleichzeitiger Hintanstellung des Regionalgedankens. In Zeiten knap­per Gelder wird eben immer zuerst ge­fragt:Was nützt es uns selbst...?" Erst dann kommt gewöhnlich die Frage nach der Region.

Die Zeiten für jene also, die den regio­nalen Ausgleich, den Konsens, anstre­

ben, die sich für eine ausgewogene Ent­wicklung stark machen, sind schwerer geworden.

Allerdings läßt sich diese Aussage nicht für alle Bereiche gleichermaßen treffen, wie deutlich werden wird.

Im Bereich derweichen" Themen ist der Kommunalverbund mit seiner Arbeit gut vorangekommen. Das regionale Kul­turbüro, lange gefordert, um insbeson­dere die Kulturarbeit und kulturelle Wei­terbildung der kleineren Gemeinde im Kommunalverbund zu vernetzen, konn­te vergangenes Jahr eröffnet werden. Die Förderung der dort umgesetzten Projek­te erfolgt sämtlich aus Landesmitteln oder aus dem Aufbaufonds der Gemeinsamen Landesplanung Bremen-Niedersachsen und schreitet überraschend gut voran. Eine ganz wesentliche Aufgabe ist die Einrichtung einer regionalen Kulturda­tenbank, die demnächst fertiggestellt werden wird. Außerdem tritt unser Kul­turbüro, das sich als Dienstleister ver­steht, als Veranstalter von Fort- und Wei­terbildungsveranstaltungen in der Region auf. Im Vordergrund aber steht, wie auch bei der übrigen Arbeit des Kommunal­verbundes, Kommunikation und Vernet­zung - Voraussetzungen, um voneinan­der lernen zu können, Erfahrungen aus­zutauschen oder einandereinfach" nur praktische Hilfestellung zu geben.

Erfolge sind auch im Bereich des Touris­mus zu verzeichnen - jedenfalls soweit es die Arbeit der Gremien des Kommu­nalverbundes betrifft. Die im vergange­nen Jahr vorgelegte regionale Radwan­derkarte hat sich als ausgesprochen er­folgreich erwiesen: in nur vier Wochen konnten, rechtzeitig zu Saisonbeginn, annähernd 10.000 Stück verkauft werden. Die so erzielten Einnahmen sind als Bei­trags-Refinanzierung übrigens sämtlich in die Mitgliedskommunen zurückgeflossen. Ein in diesen Zeiten richtiges Zeichen, wie wir im Vorstand fanden. Wir beabsichti­gen, in Kürze eine Neuauflage der Rad­wanderkarte herauszubringen. Weniger erfreulich indessen scheint sich die Zukunft der regionalen Tourismus­werbung abzuzeichnen. Der bisherige WerbeverbandSüdliche Nordsee", frü­her in erheblichem Umfang aus Landes­mitteln gefördert, befindet sich derzeit in voller Auflösung. Nicht wenige erwarten, daß er seine, ohnehin schon stark redu­zierte Arbeit, zum Jahresende einstellen wird. Ursächlich hierfür scheint ein be­reits lange schwelender Interessenkon­flikt zwischen den Küstenbadeorten, der Salzwasserfraktion" und demHinter­land" zu sein, zu dem auch die Mitglied-

Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen e.V.