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DER AUFBAU
19. Jahrhundert. Alle bedeutenden Bremer Straßenbaufirmen und -genossenschaften haben hier ihren Ursprung. In Arsten wurde 1888 der „Bremer Steinsetzer-Verein" - ein Vorläufer der heutigen Industriegewerkschaft „Bau, Steine, Erden" gegründet.
Ein „Zubrot" verdienten sich viele Handwerkerfamilien über Jahrzehnte mit dem Anbau und dem Verkauf von Erdbeeren.
In der Feldmark Arsten entstanden auf der Riederhöhe, im Brüggefelde und am Arsterdamm 5 Ziegeleien, die Arster Lehm zu Rotsteinen buken. Eine Ziegelei am Arsterdamm sammelte später die Fäkalien Bremens (Pou- drettenfabrik „Schieten Alfes") und füllte damit abgeziegeltes Gelände wieder auf.
Straßen und Handelswege
Wohl schon vor der Gründung Bremens war die heutige Kattenturmer Heerstraße ein wichtiger Handelsweg nach Süden. In Verlängerung des gepflasterten Buntentorstein- weges hieß die zunächst noch unbefestigte Straße Huckelriede. An ihrem Ende stand der Kattenturm.
Die Verbindung von Bremen nach Habenhausen folgte dem Deich der Kleinen Weser und dann dem heutigen Holzdamm, einem früheren Feldweg. Die Habenhauser Landstraße entstand wahrscheinlich erst im 19. Jahrhundert. Nach Arsten verlief die Verbindung über die Hohen Wührden im Verlauf des Mühlendammes (etwa in der Trasse des heutigen Autobahnzubringers Arsten). Am Ende dieses unbefestigten Weges stand die Arster Mühle, die 1922 abbrannte. Der Arsterdamm (de nee [neue] Weg) wurde 1817 in einer Breite von 10 Fuß (ca. 3 Meter) befestigt. Die Verbindung zwischen Habenhausen und Arsten bildete der Habenhauser Kirchweg (heute Baumhauser Weg und Arster Landstraße), dessen stark gewundener Teil bis heute die „Schlenke" genannt wird. Dieser Weg war zur Winterzeit häufig nicht passierbar. So führte der Arster Pastor beredt Klage darüber, daß die Habenhauser den Weg über den Deich benutzen mußten und dann statt in der Kirche (bzw. nach dem Kirchgang) in die Schankwirtschaft „Korbhaus" einkehrten.
An der Habenhauser Grenze stand das „Baumhaus" (am Ende des Baumhauser Weges), benannt nach einem Schlagbaum. Die Arster Heerstraße wurde 1850 gepflastert, finanziert durch eine Anleihe der Arster Bauernschaft von 600 Talern. Älter als diese Straßenverbindung durchs Brüggefeld nach Dreye ist ein Weg nach Leeste und Sudweye über den Läuferpfad und die Vorwiese sowie einen noch heute vorhandenen Steg über die Ochtum.
Im Brüggefeld lag auf dem Hemm auch ein befestigtes Gut an der Stelle, wo heute ein Teppichmarkt steht. Lediglich ein Teil des Festungsgrabens ist als Grünanlage erhalten geblieben.
Schulwesen
Bis in das 18. Jahrhundert war die Schule Arsten die einzige Schule in Obervieland. Sie unterstand der Kirche. Der Lehrer war von den Bauern zu unterhalten und wohnte lange Zeit auch abwechselnd auf den einzelnen Bauernhöfen.
In den Chroniken finden sich viele Klagen über mangelnden Schulbesuch der Kinder, insbesondere während der Sommermonate. 1813 klagt Pastor Achelis auch über Raumprobleme: „Die Schulstube war 19x17 Fuß (5,7x5,1 m) groß und nur 8 Fuß (2,4 m) hoch. Die Zahl der schulpflichtigen Kinder betrug im Winter rund 150; „die Stube aber könne höchstens 100 Kinder fassen, wobei dem Lehrer kaum Raum bleibt". 1772 wurde dann eine Nebenschule in Kattenturm, 1796 eine weitere Nebenschule in Habenhausen gegründet. Die heutigen Schulen in Obervieland sind somit alle aus der Schule Arsten hervorgegangen.
Das 19. Jahrhundert
Während der französischen Besetzung unter Napoleon 1810 bis 1813 wurde im Bremer Landgebiet erstmals die Selbstverwaltung der Gemeinden eingeführt. In Bremen wurden insgesamt sechs Mairien (Bürgermeistereien) eingerichtet, davon zwei auf dem linken Weserufer in Arsten und Woltmershausen. Die Selbstverwaltung wurde ausgeübt durch den Gemeindevorsteher (Maire) und den Gemeindeausschuß.
Die fortschrittliche Kommunalverfassung wurde nach der Beendigung der französischen Besetzung wieder aufgehoben. Von nun an treten allerdings an die Stelle der Gohgräfen die Landherren. Die beiden Landherren für das linke und das rechte Weserufer hatten zwar keine richterliche Gewalt, waren aber Chefs der Landpolizei. In den einzelnen Gemeinden waren einer oder mehrere Landgeschworene gleichzeitig Dorfvorsteher. In einem Brief an Senator Bü- sing schlug 1814 der Arster Pastor Achelis mehrere Bürger zu Dorfvorstehern von Arsten, Habenhausen, Kattenturm und Steinweg vor.
1848 wurden Arster Bereiche westlich der Kattenturmer Heerstraße in kirchlicher Hinsicht endgültig mit dem Neuenland und dem Buntentorsteinweg vereint.
1870 wurde die Gemeindeverwaltung durch Gesetz neu geregelt. Der Ausschuß (Gemeinderat) wurde nach dem Vierklassenwahlrecht gewählt. Das Wahlrecht bestimmte sich nach dem Besitz des einzelnen Bürgers. Von 1871 bis 1918 waren daher die Gemeindevorsteher in Arsten und Habenhausen stets Landwirte. Unter ihnen ist Johann Lahrs besonders zu erwähnen, der von 1883 bis zu seinem Tode 1917 Gemeindevorsteher in Arsten war.
Nach 1871 entwickelte sich das gemeindliche Leben zusehends. Ende des Jahrhunderts entstanden Sportvereine und Chöre. 1906 wurde in Arsten, 1907 dann auch in Habenhausen jeweils ein Parteidistrikt der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gegründet. Ihre Wahlerfolge aber führten erst nach Abschaffung des Mehrklassenwahlrechtes nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zu Mehrheiten in den Gemeinderäten.
Das 20. Jahrhundert - Zwischen den Kriegen
Zwischen den beiden Weltkriegen setzte sich die bauliche Entwicklung im Stadtteil fort. Viele neue Wohnhäuser entstanden. Auch Arbeiter erwarben Grundbesitz und brachten es zu bescheidenem Wohlstand. Für bedürftige Familien wurde Ende der zwanziger Jahre die Entwicklung von Nebenerwerbssiedlungen nach dem Reichs-
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