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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
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DER AUFBAU

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Verden an der Aller, eine Stadt mit Vergangenheit und Zukunft

Kai Füllgraf

Die Stadt Verden an der Aller mit z. Z. 26.598 Einwohnern (Tendenz leicht stei­gend) hat verschiedene hervorstechende Ei­genschaften, die aufzuzählen sich an dieser Stelle doch einmal lohnt. Unsere Stadt ist nicht nur eine alte Kommune, sie ist eine Kirchenstadt, eine Behördenstadt, eine alte Soldatenstadt. Sie darf sich mit Recht auch Reiterstadt nennen. Sie ist Zentrum der Land­wirtschaft. Auch der Begriff Sportstadt wird von den Verantwortlichen des Sportes hier immer mehr hervorgehoben und verbreitet. Sie ist schließlich Kleinstadt in einem größe­ren ländlichen Bereich, geographisch gut placiert, sie ist eine Stadt mit immer bekann­ter werdender Wirtschaftskraft und sie ist schließlich, und das sei wegen der hervorste­chenden Bedeutsamkeit ganz besonders er­wähnt, im Zuge der Cebietsreform 1972 Kreisstadt geblieben.

Lassen Sie mich an dieser Stelle nun einige gesonderte Ausführungen dazu machen.

1. Verden ist eine sehr alte Stadt

Unsere Stadt ist in der Historie des nordnie- dersächsischen, des norddeutschen Raumes und auch zeitweilig noch weit darüber hin­aus, fest verankert. Die ersten Ansiedlungen bestanden bereits 500 jähre v. Chr. Verden wurde zum ersten Mal allerdings erst 150 Jahre n. Chr. erwähnt. Zur Zeit der Völker­wanderung war Verden Thingstätte des Stur­migaues. Auf diese Zeit führt auch der Name unserer Stadt zurück, denn der Ort lag an einer natürlichen Flußübergangsstelle (Furt, Fähre). Der Stadtname ist davon abgeleitet worden. Bekannt ist das Blutgericht Karlsdes Großen im Jahre 782 an 4.500 Sachsen in Verden, die Gründung des Bistums Verden und 985 die Verleihung der Markt-, Münz-, Bann- und Zollgerechtsame. Das wird als Verleihung der Stadtrechte angesehen, ob­gleich Verden erst 1192 urkundlich Stadt ge­nannt wird. 1985 wurde in Verden das 1000 jährige Stadtjubiläum das ganze Jahr über

gefeiert. Bundespräsident von Weizsäcker hat der Stadt dazu einen Besuch abgestattet. Früher bestanden hier zwei getrennte Stadt­teile. Von 1405 bis 1648 war diese Stadt freie Reichsstadt. Das Bistum Verden fiel als Reichslehen mit dem Erzbistum Bremen an Schweden. Durch das schwedische Königs­haus wurden 1677 die Norder- und Süder- stadt vereinigt. 1719 kam Verden zum Kur­fürstentum Hannover und 1866 zu Preußen. Seitdem hat zunächst eine langsame, dann aber doch, insbesondere seit Ende des letz­ten Krieges, eine recht schnelle, zum Teil fast turbulent zu nennende Entwicklung in unserer Stadt eingesetzt.

2. Verden als Kirchenstadt

In unserer Stadt befinden sich 11 Kirchen und kirchliche Institutionen. Hervorste­chend ist für jeden Fremden in der histori­schen Altstadt der fast 1000jährige Dom, dessen mächtiges Bauwerk mit dem neuen Kupferdach die gesamte Stadt überragt. Ihm zur Seite stehen die alten sehenswerten Kir­chen St. Andreas (13. Jahrhundert) und St. Johannis (12. Jahrhundert). In der St. Andreas Kirche befindet sich die Grabplatte des Ver­dener Bischofs Yso, die als älteste Messing­grabplatte des Kontinents in der Art der Zise­lierung bekannt ist. Die St. Johannis Kirche, die als älteste Backsteinkirche Norddeutsch­lands gilt, weist innen ein sehr bedeutendes Stuckrelief des Jüngsten Gerichts sowie herr­liche mittelalterliche Wand- und Decken­malereien auf, die zum Teil erst bei der letz­ten Renovierung im Jahre 1969 freigelegt worden sind. Hinzuweisen ist in diesem Zu­sammenhang zwangsläufig auf einige weite­re Kirchen von anderen Religionsgemein­schaften in unserer Stadt. Es kann also hier im wahrsten Sinne des Wortes jeder in der ihm richtig erscheinenden Form seinen reli­giösen Intensionen und Ambitionen nachge­hen.

3. Die Stadt ist auch seit langem Garnisonsstandort

Etwa seit dem Bau einer Stadtmauer um 1210 ist verzeichnet, daß zunächst vier Bür­gerkompanien mit 4 Offizieren hier in Ver­den stationiert waren, die dem Oberbefehl eines Bürgermeisters und des Rates unter­standen. Reine Garnisonstadt war Verden erst seit der schwedischen Zeit. Es waren dann auch Truppen im Bürgerquartier. Die Stadt wurde wegen der ständigen Reibungen zwischen Gastgebern und Einquartierten da­nach veranlaßt, Einquartierungshäuser her­zustellen. Daran erinnert noch das alte Haus gegenüber der Landkreisverwaltung an der Bremer Straße und ein Komplex Ecke Clu- venthalstraße / Südstraße sowie der westli­che Komplex der ehemaligen Holzmarkt- Kaserne. Nach den Freiheitskriegen wurde die Wehrpflicht eingeführt und damit auch eine Kasernierung in unserer Stadt. Die älte­ste Kaserne Verdens stand an der Hospital­straße. Es handelte sich um eine Privatkaser­ne der Witwe des Generalmajors von Ram­dohr. 1831 wurde der Bau der Holzmarkt- Kaserne vollendet. Dieser Baukomplex ist heute noch fast vollständig in seiner ur­sprünglichen Form vorhanden und nunmehr von der Stadt Verden erworben worden. Zur Zeit laufen Planungsüberlegungen für eine zukünftige sinnvolle Nutzung. Es entstand seinerzeit eine Reitbahn zwischen der Ho­spitalstraße und der Windmühlen- oder Georgstraße sowie ein Exerzierplatz zwi­schen dem jetzigen Domfriedhof und der Südstraße. In dieser Gegend wurden auch mehrere Pulverschuppen gebaut. Wir hatten in Verden anfangs zunächst schwedische und danach hannoversche Truppen. Die berittenen Einheiten waren vorwiegend in den Dörfern der Umgebung einquartiert. Im Nordischen Krieg ab 1713 wardas Herzogtum Verden durch hannover­sche Truppen besetzt. Im Zuge der Rußland­katastrophe Napoleons wurde im Raum Ver­den ein »Husarenregiment Bremen-Verden« und ein »Feldartillerieregiment Verden-Bre­men« aufgestellt. Letzteres kämpfte bei Wa­terloo. Im vorigen Jahrhundert wurde hier dann ein Stabsquartier eines Infanterieregi­ments, danach das zweite hannoversche Ulanenregiment und auch das zweite han­noversche Feldartillerieregiment unterge­bracht. Die Reichswehr hatte in Verden eine reitende Abteilung des Artillerieregiments 16 kaserniert. Zur Zeit der Wehrmacht war in den Verdener-Kasernen bespannte Artille­rie und Infanterie untergebracht. Seit 1945 sind die städtischen Kasernen an der Lindhooper Straße und am Brunnenweg von britischen Stationierungsstreitkräften belegt. Diese werden die Stadt Verden nach bisherigen Erkenntnissen bis spätestens Ende 1994 verlassen haben. Was mit den Kaser­nenkomplexen geschehen soll, wird zur Zeit zwischen der Bundesvermögensverwaltung und der Stadt Verden überlegt.

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