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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
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Scharmbeck sowie der Landgemeinden Ahrensfelde, Bargten und Sandbeckerbruch zur neuen Fleckengemeinde Osterholz-Scharm­beck, der 1929 die Stadtrechte verliehen wurden, war ein stärkerer Standort gefunden.

Die neue Stadt mochte vielen wie ein künstlich geschaffenes Ge­bilde zumuten, das zudem gegen den erklärten Willen der Oster­holzer Bürger entstanden war. Von den natürlichen Gegebenhei­ten, der jahrtausende alten gemeinsamen Historie, der Verkehrsla­ge und der Wirtschaftsgeschichte her hegt jedoch eine gewisse Zwangsläufigkeit ihrer Entstehung zugrunde. 1936 wurden die bis dahin noch selbständigen Landgemeinden Buschhausen, Lintel, Westerbeck und Hülseberg (teilweise) angegliedert. Die Stadt konnte auch die vorwiegend aus den damaligen deutschen Ostge­bieten zuziehende mehr als 5000 FlüchÜinge aufnehmen und wuchs auf annähernd 13 000 und bis Anfang der siebziger Jahre weiter auf 15500 Einwohner an.

Lageplan der Stadt Osterholz-Scharmbeck

Die Jahrzehnte nach 1945, als die Stadt Bestandteil des neuen Bun­deslandes Niedersachsen wurde, dienten durch Bau von Wohnun­gen und Infrastruktureinrichtungen der inneren Konsolidierung. 1974 wurden die Gemeinden Garlstedt, Heilshorn, Hülseberg, Oh­lenstedt, Pennigbüttel, Sandhausen, Scharmbeckstotel, Teufels­moor und der größte Teil Freißenbüttels im Zuge der kommunalen Neugliederung Bestandteile der Stadt Osterholz-Scharmbeck. Diese blieb entsprechend vielfältigen erfolgreichen Bemühungen um die Erhaltung des Landkreises Osterholz bei der niedersächsi­schen Landkreisreform 1977 Kreissitz. 1977/78 wurde mit der An­siedlung einer amerikanischen Panzerbrigade, dem Bau der zuge­hörigen Kaserne in Garlstedt und mehreren Wohnvierteln im Stadt­kern eine weitere stadtgestalterisch wichtige Tatsache geschaffen. Die Osterholz-Scharmbeck bis dahin kennzeichnende Beschau­lichkeit einer typischen niedersächsischen Landstadt blieb bei die­sem Bedeutungszuwachs der Stadt als prägendes Merkmal nicht gänzlich erhalten. Zudem galt es, der aufgrund gestiegener Mobi­lität der Bevölkerung ständig wachsenden Sogwirkung des be­nachbarten Oberzentrums Bremen in nahezu allen Lebensberei­chen entgegenzuwirken, um die eigene Identität und die zentral­örtlichen Funktionen zu erhalten.

In der Mitte der siebziger Jahre begann daher die Stadt, einem funktionalen Defizit durch eine Sanierung der Scharmbecker In­nenstadt, dem gewichtigeren der beiden im Kerngebiet vorhande­nen Zentren, entgegenzuwirken. DiesesZentrum" Scharmbeck war damals ein langgezogenes, vielfach lückenhaftes Geschäfts­band vom Bahnhof über die Bahnhofstraße, Marktstraße, den Marktplatz, die Kirchenstraße bis Ende der Poststraße. Hauptziel der Sanierung war es, im Bereich des vorhandenen Scharmbecker Marktplatzes - der sich bis dahin, vom Marktbe­trieb abgesehen, als reiner Parkplatz darstellte - mit der benach­barten St.-Willehadi-Kirche und den angrenzenden Geschäftsstra­ßen einen möglichst erlebbaren Stadtmittelpunkt bei gleichzeiti­ger Erhöhung der Wohn- und Geschäftsqualität zu entwickeln. Ein­hergehen mußte damit eine Verbesserung der umgebenden Ver­kehrssituation sowohl hinsichtlich des fließenden als auch des ru­

henden Verkehrs und eine Vergrößerung des innerstädtischen Wohnflächen- und Freizeitangebotes.

Im Rahmen dieser Sanierung wurde der Fahrzeugverkehr von der Kirchen- und Marktstraße zur Baustraße und der neu geplanten und gebauten StraßeMarktweide" verlegt. Parallel hierzu erfolg­te an dezentralen Punkten der Bau von größeren öffentlichen Park­platzflächen. Das ermöglichte die Einrichtung der heute vorhande­nen Fußgängerzone von der Poststraße bis zur Bahnhofstraße, die den Marktplatz einschließt und sicherlich kritischen Vergleichen durchaus standhält.

Bei der Gestaltung der öffentlichen Flächen im Sanierungsbereich wurden bewußt Elemente gewählt, die dem Kleinstadtcharakter und damit Ruhe und Bedächtigkeit entsprechen. Liebevoll wurden historische Gestaltungsdetails aufgegriffen und fortgeführt. Private Investoren honorierten die Anstrengungen der Stadt. Um den Scharmbecker Marktplatz herum entstand eine den Platz ein­fassende Bebauung aus Wohn- und Geschäftshäusern. Insbeson­dere sei hier dasHaus am Markt", ein Einkaufszentrum mit einer Vielzahl kleiner Läden, nebst Wohnungen, genannt. Mit der St.- Wülhadi-Kirche, dem alten Feuerwehrhaus und einigen Bürger­häusern gibt es auch noch alte Bausubstanz am Markt. Dieses Ne­beneinander von alter und neuer, traditionelle Stilelemente be­rücksichtigenden Architektur hat diesen Platz zu einem Schmuck­stück werden lassen. Es ist gelungen, ein Zentrum mit Atmosphäre und den richtigen Ausmaßen zu schaffen. Hierin liegt auch die gro­ße Akzeptanz begründet, mit der die Bürger Osterholz-Scharm­becks und auch die Besucher der Stadt die Neugestaltungsmaß­nahmen begleitet haben und heute betrachten. Diese Maßnahmen im Stadtteil Scharmbeck führten aber nicht da­zu, den zweiten historischen Teil der Stadt, Osterholz, zu vernach­lässigen. Ende der achtziger Jahre wurde für diesen Stadtteil ein Entwicklungskonzept erstellt, das zwar nicht darauf abzielen konnte, Osterholz als zweites Zentrum zu entwickeln, aber doch großen Wert darauf legt, in diesem Stadtteil die Versorgung der dort ansässigen Bevölkerung und Arbeitsplätze zu stärken und gleich­zeitig seine Wohnqualität zu steigern. Stichworte dafür sind Ver­kehrsberuhigung, Umgestaltung des Klosterplatzes zu einem

Rückbau der Findorffstraße