Druckschrift 
Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

Der Erste Weltkrieg unterbrach auch in Delmenhorst den wirt­schaftlichen Aufwärtstrend, denn die einfuhrabhängigen Betriebe kamen durch Rohstoffknappheit fast zum Erliegen. Die Jahre der Weimarer Republik wurden durch Bürgermeister Kö­niger geprägt, der bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten im Amt blieb. Zu den von ihm mit besonderem Nachdruck verfolg­ten Projekten ist der Bau der Städtischen Krankenanstalten an der Wildeshauser Straße zu rechnen, der zwischen 1925 und 1928 nach den Plänen des Hamburger Baudirektors Ruppel und des renom­mierten Architekten Fritz Höger ausgeführt wurde. Königer initi­ierte eine rege Bautätigkeit und die Auf Schließung neuer Wohnge­biete, so in Düsternort. Verhängnisvolle Folgen für den Arbeits­markt in der Stadt brachten die Auswirkungen der Weltwirtschafts­krise, besonders der Konkurs der Nordwolle im Jahr 1931.

1933 erweiterte Delmenhorst sein Gebiet durch Eingemeindung von Teilen der Gemeinde Hasbergen, das Jahr 1935 führte zur Ein­gliederung Adelheides im Stadtsüden.

Das Dritte Reich wirkte auf die Wirtschaft zunächst belebend. Aller­dings war die Blüte durch eine ungeheure Aufrüstung künstlich er­zeugt und entsprach keineswegs einem echten Wirtschaftsauf­schwung. Jüdische Mitbürger, kirchliche Kreise, Linksoppositio­nelle und Gewerkschafter hatten unter der Verfolgung und den Greueltaten der Nazis zu leiden. Während der Reichsprogrom- nacht 1938 ging die Synagoge der jüdischen Gemeinde an der Cra- merstraße in Flammen auf.

Der Kriegsschauplatz Delmenhorst erlebte zahlreiche Fliegeralar­me und Luftangriffe. Das Ende von Krieg und Naziherrschaft kam für die Stadt mit dem Einmarsch britischer Truppen im April 1945. Wiederaufbau und die Integration der zahllosen Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten wurden die vordringlichen Auf­gaben bis weit in die 50er Jahre. 20000 neue Wohnungen wurden durch die Stadt Delmenhorst, Wohnungsbaugesellschaften und Private erstellt. Die Bevölkerungszahl stieg in dieser Zeit um 20 000 auf 57000 Einwohner. Die Delmenhorster Unternehmer nutzten die sich ihnen nach der Währungsreform bietenden Möglichkeiten und sorgten dafür, daß die Stadt am wirtschaftlichen Aufschwung teilnahm. Alteingesessene Betriebe, die bis dahin im Schatten der Großindustrie standen, expandierten und sicherten sich bedueten- de Marktanteile. Auch die von Neubürgern aufgebauten Unter­nehmen erweiterten die wirtschaftliche Basis der Stadt.

Die Entstehung neuer Stadtteile und der immer größer werdende Kraftfahrzeugverkehr zwangen zum Ausbau des Straßennetzes, wobei rund 130 Kilometer Straße neu ausgebaut wurden. Mit dem Bau der südlichen Umgehungsstraße als Teil der Europastraße 35 wurde der innerstädtische Verkehr wesentlich entlastet. Die Er­richtung einer Nord-Süd-Tangente schuf eine weitere schnelle in­nerstädtische Verkehrsverbindung. Durch die unmittelbare Nähe zu den Autobahnen AI und A28 ist jetzt eine optiniale Fernstraßen- anbindung gegeben.

Der internationale Flughafen Bremen ist nur 15 Minuten entfernt, und die Großstädte Hannover und Hamburg sind in etwas mehr als einer Stunde von Delmenhorst aus zu erreichen.

Besondere Bedeutung auf dem Verkehrssektor kommt auch der 1978 abgeschlossenen Bahnhöherlegung mit dem gleichzeitigen Neubau des Bahnhofes und der Umgestaltung des Bahnhofsvor­platzes zu. Delmenhorst ist heute Intercity-Bahnstation und ver­fügt über einen leistungsstarken Güterbahnhof. In den letzten Jahren entstanden eine Reihe wichtiger Gebäude und kommunaler Einrichtungen. So wurde für die Entsorgung der Stadt ein großes Klärwerk im Stadtteil Schafkoven errichtet. Stadt­verwaltung und andere Träger bauten moderne Altenheime mit Pflegestationen, und für die Jugendarbeit stehen neben dem gut angenommenen Freizeitheim mehrere Jugendzentren zur Verfü­gung. Sowohl die Städtischen Krankenanstalten wie auch das ka­tholische Sankt-Josef-Stift wurden durch Um- und Erweiterungs­bauten tiefgreifend modernisiert.

Im Laufe der Jahre hat die Stadt eine Vielzahl von Sportstätten ge­schaffen, die jedem Sportbegeisterten die Möglichkeit bieten, sich zu aktivieren: Fußball, Handball, Tennis, Hockey und Reiten, um nur einige Disziplinen zu nennen, aber auch Segeln, Paddeln, Sur­fen auf den Gewässern der Umgebung, ebenso Segelfliegen auf der Großen Höhe. In diesem Naherholungsgebiet und in den vie­len Grünanlagen in der Stadt lassen sich auf einem gut ausgebau­ten Wegenetz ausgiebige Wandertouren unternehmen. Auch der 1974 endgültig eingemeindete landschaftlich sehr ansprechende Stadtteil Hasbergen lädt zu einem erholsamen Spaziergang ein. Besondere Attraktivität besitzt das kombinierte Frei- und Hallen­bad mit einem phantasievoll gestalteten neuen Spaßbad. Autokino und das Freizeitzentrum delmare bereichern das Freizeitangebot. Alle Schulsysteme werden in der Stadt vorgehalten, und mit einem weitgestreuten Theater- und Konzertprogramm sowie vielfältigen Veranstaltungen und Vorträgen hat Delmenhorst über seine Gren­zen hinaus einen guten Ruf auf kulturellem Gebiet. Die Städtische GallerieHaus Coburg", die ihre Räume sowohl einheimischen wie auch auswärtigen Künstlern zur Verfügung stellt, rundet das Spektrum ab.

Durch die SaalbautenDelmeburg" undDelmehalle" im Stadt­zentrum, ergänzt durch das Hotel am Stadtpark, ist Delmenhorst auch für Kongresse und Großveranstaltungen ein beliebter Stand­ort geworden.

Die Wirtschaftsbranchen sind weit gefächert, denn neben der Jute und den Linoleumwerken sind namhafte Betriebe des Maschinen­baus, der Bekleidungsindustrie und der chemischen Industrie in der Stadt tätig. Auch die Bundeswehr stellt mit drei Kasernenberei­chen einen nicht unerheblichen Wirtschaftsfaktor dar. Immer grö­ßere Bedeutung erhält der Dienstleistungsbereich. Mit der Anlegung der Fußgängerzone und großräumigen Park­möglichkeiten in unmittelbarer Citynähe und einem reichhaltigen Angebot des Einzelhandels sowie moderner Kaufhäuser bietet die Stadt ein attraktives Einkaufszentrum, das sich auch im Umland steigender Beliebtheit erfreut.

Zahlen belegen, daß viele Menschen hier ein neues Zuhause su­chen und finden. Delmenhorst hat nicht ohne Grund den Ruf, eine Stadt zu sein, die Neubürgern sehr aufgeschlossen gegenüber­steht.

HOCHTIEF

Aktiengesellschaft vorm. Gebr. Helfmann

Zweigniederlassung Bremen

Stresemannstraße 60 2800 Bremen 11

Telefon (0421) 499800 Telex 245745 Telefax (0421) 4921 13