DER AUFBAU
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Die älteste Fotografie des Schüttings um 1870 (Archiv der Handelskammer Bremen)
bild, eine Dachbalustrade aus Sandstein, genannt „Gallerye". Doch damit nicht genug: Als der Schütting auch noch mit zahlreichen dekorativen Elementen wie Figuren und Wappen aufgewertet worden war, wurden die Schebelplatten vom Dach genommen, um es neu mit Kupfer einzudecken. So, wie sich das Gebäude nun präsentierte, blieb es vermutlich bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts.
Herzstücke im Inneren des Repräsentationsbaus waren offenbar hallenartige Säle in beiden Hauptgeschossen - ähnlich wie beim Rathaus. Überdies gab es kleinere Kammern („Dornssen"), die mit Öfen beheizt werden konnten. Der Keller war reserviert für die Garküche und Wohnungen, die Bediensteten zur Verfügung standen oder auch vermietet wurden. Bleibt der Hinweis, daß in den Gewölben auch das „Engelken Gatt" lag, das als „Ausnüchterungszelle" diente. „Wer sich bei den großen Festen im Schütting nicht angemessen aufführte, wanderte in dieses dunkle Verlies im Keller des Schüttings und hatte dort Zeit genug, über sein Tun
nachzudenken ", bekannte der heutige Kammer-Präses Friedo Ber- ninghausen bei der „Schmeckemahlzeit" am 8. Februar 1988 gegenüber den Gästen.
Die Fensterverglasung
Sage mir, wie groß und bunt deine Fenster sind - und ich sage dir, wer du bist! Das könnte eine Maxime zur Zeit der Entstehung des Schüttings gewesen sein. Anzahl und Gestaltung der Fenster galt jedenfalls als Zeichen für Baugeschmack, Reichtum und Ansehen. Ein Wettlauf um immer größere und schönere Fenster wurde geradezu Mode, und um allzu Eifrige vor dem Ruin zu bewahren, wurden gar Höchstpreisverordnungen erlassen. Beim Bau des Schüttings waren die Fensteröffnungen gleich von Anfang an groß gehalten worden - auf daß der „Koopmann to Bremen" Gelegenheit hatte, Wohlstand und Ansehen zu demonstrieren. Wie es einem Brauch der Zeit entsprach, so wurden auch den Bauherren am Markt zahlreiche Fenster geschenkt, verziert mit dem Wappen des Schüttings oder einzelner Älterleute. Die heute erhaltenen Scheiben stammen fast ausschließlich aus dem 18. Jahrhundert, nur wenige sind älter. Nicht auszuschließen, daß ein Gutteil des Glases zerstört wurde, als 1739 ein Blitz in einen mächtigen Zwinger namens „Bremer Braut" fuhr, der als Brückenkopf die Weserbrücke schützte und als Pulverlager diente.
Wie sich aus historischen Aufzeichnungen ablesen läßt, verschlechterte sich der Bauzustand des Schüttings bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts immer ersichtlicher. 1775 wurde „eine bedeutende Reparatur des Äußern und im Inneren " erwogen - doch das Vorhaben unterblieb.
Bald aber sollte das Gebäude nicht nur völlig umgebaut werden, sondern gar seine Funktion ändern: Die „Franzosenzeit" nahte.
Leben und Treiben auf dem Schütting
Feiern mit Pauken und Trompeten - das gab es in vergangenen Jahrhunderten nicht lediglich im übertragenen Sinne, sondern ganz konkret. Bei Festlichkeiten im Schütting wurde da keine Ausnahme gemacht. Kamen fürstliche Gäste zur bremischen Kaufmannschaft, dann gehörte es zum Ritual, hinter der Dachbalustrade Pauken und Trompeten erklingen zu lassen. Als hätte man damit noch nicht genug Aufmerksamkeit erregt, wurden während der vielgängigen Mahlzeiten immer wieder Schüsse aus den Kanonen der Modellschiffe abgefeuert. Beim Besuch des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel am 9. Juli 1722 beispielsweise wurden, wie E. Dünzelmann 1899 schrieb, „beide Schiffe von zehn Personen als Konstablern und Handlangern kontinuell den ganzen Tag geladen und ohne Aufhören abgeschossen." Aber auch im Alltag, ohne hochherrschaftliche Besucher, war offenbar im Schütting oft für eine fröhliche Geräuschkulisse gesorgt. Schon 1680 galt das Gebäude als „öffentlich Trinkhaus, da Bier verkauft und Gäste gesetzt werden, woselbst sich auch die Soldatenwerber mit Pfeifen und Geigen einfinden". Es gibt Hinweise dafür, daß es dort häufiger einmal recht hoch herging. Die Älterleute jedenfalls bemühten sich mit einem Beschluß von 1697 „das liederliche Leben und die canaillöse Wirtschaft auf dem Schütting abzuschaffen". Später kamen gewinnträchtige Verlosungen und Glücksspie-
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