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DER AUFBAU
zeldinge sind wir allmählich fortgeschritten zur Schätzung des Ganzen. Wir haben eingesehen, daß das schöne Einzelne seine runde volle Schönheit erst gewinnt in seiner Einpassung in das schöne Ganze und das mit seiner Umgebung in Widerspruch Gestellte widerwärtig wirkt. " (Theodor Fischer, 1928).
Aus dieser Erkennis ist der heute allgemein übliche Ensembleschutz entstanden.
Schutzwürdig galten noch lange nur die historisch und baulich bedeutenden Bauwerke, das „sakrale" und das „gehobene" Baudenkmal. Die ersten Bände des 1905 von Georg Dehio " * (begonnenen großartigen Werkes „Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler" treffen diese Auswahl mit einer zeitlichen Grenze bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Die später - besonders nach 1950 - herausgegebenen Bände schließen auch die Bürgerbauten mit ein und reichen zeitlich bis in die jüngere Vergangenheit. Auf dem Tag für Denkmalpflege im Jahre 1904 verband sich die Denkmalpflege mit dem Heimatschutz, es begann die Ausweitung des Baugriffes und des Aufgabenfeldes. Die Zerstörungen im Kriege, aber auch die durch die technische und wirtschaftliche Entwicklung eingetretenen schweren Verluste haben sie beschleunigt.
Denkmalschutz ist inzwischen ein Teil des Umweltschutzes geworden, Schutz der gebauten Umwelt, ebenso notwendig wie der Schutz der natürlichen Umwelt.
Entwicklung nach 1945
Der Aufbau nach dem Kriege stellte die Denkmalpflege vor außerordentliche Aufgaben. Die Sorge galt zunächst verständlicherweise der Sicherung der zwar beschädigten, aber in der Substanz noch erhaltenen klassischen Baudenkmäler und anschließend ihrer Wiederherstellung. Die Sorge um die viel zahlreicheren bescheidenen Bauten traten zurück, das ist verständlich, wenn wir uns in den Zu-
* *) Georg Dehio, geb. 1850 in Reval, gest. 1932 in Tübingen, bis 1918 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Straßburg
Das Goethehaus am Hirschgraben in Frankfurt nach dem Wiederaufbau