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DER AUFBAU
Wettbewerb Veranstaltungszentrum auf der Bürgerweide
Wilhelm Wortmann
Der Senator für das Bauwesen hat im vergangenen Sommer fünf Architektengruppen zu einem Wettbewerb über den Umbau und Ausbau der Stadthalle zu einem Veranstaltungszentrum aufgefordert. Als Vertreter des Senatsdirektors hat Herr Zantke, der an den Beratungen des Preisgerichtes teilgenommen hatte, die Mitglieder des Vorstandes der Aufbaugemeinschaft am 29. Oktober durch die Ausstellung der eingereichten Entwürfe geführt und diese in sympathisch objektiver Form erläutert. Uber die städtebauliche Bedeutung der Bürgerweide für unsere Stadt wurde im Heft 1 des Jahrganges 1984 dieser Zeitschrift eingehend berichtet. Deshalb genügt hier eine knappe Darstellung der bisherigen Entwicklung.
Die Bürgerweide reichte ursprünglich bis an die Straße An der Weide. Die 1847 eröffnete Bahnlinie nach Hannover war der erste Eingriff. Mit ihr entstand ein Riegel zwischen der „Stadt" und dem hinter der Bahn gelegenen Gelände, der sich durch den geplanten Nordausgang des Bahnhofes zwar mildern, aber nicht beseitigen läßt. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden nacheinander auf der heutigen Bürgerweide das erste Gaswerk, der Schlachthof, der Hamburger Bahnhof, das erste Elektrizitätswerk, Lagerplätze der städtischen Tiefbauämter, der Parkbahnhof der Tarmstedter Kleinbahn, Sportplätze und Kleingärten. Die Bürgerweide wurde ein typisches „hinter der Bahn" liegendes Gelände. Die genannten Gebäude und Anlagen wurden im Laufe von Jahrzehnten, beginnend mit dem Hamburger Bahnhof (1890), abgebrochen oder aufgegeben, zuletzt der Schlachthof. Der Gedanke, die Bürgerweide für eine Stadthalle und für Ausstellungen zu nutzen und zu einem Bindeglied einerseits zwischen dem Bürgerpark und der „Stadt", andererseits zwischen den Stadtteilen Findorff und Schwachhausen auszugestalten, besteht seit 60 Jahren. Damals fand ein erster Wettbewerb statt. Die Wirtschaftskrise am Beginn der 30er Jahre hat den Bau der Stadthalle verhindert.
30 Jahre später wurde der Plan wieder aufgenommen, jetzt ausgesprochen als Halle für Massenveranstaltungen. Den Anlaß hierzu gab der Bau der Weser-Ems-Halle in Oldenburg. Nach dem Entwurf der Architekten Max Säume (Bremen) und Roland Rainer (Wien), der ähnliche Hallen in Ludwigshafen und Wien ausgeführt hatte, wurde die Bremer Stadthalle errichtet; sie ist ein eigenwilliger, aber charaktervoller Bau, ein Solitär, der sich nicht recht in seine Umgebung einfügt. Mehrere „Anbauten" , die ohne ein Gesamtkonzept additiv angefügt wurden, haben die Wirkung der Halle beeinträchtigt. Der zweigeschossige Trakt an der Ostseite, der hart bis an die Gustav-Deetjen-Allee vorstößt, stört die visuelle und räumliche Beziehung der Bürgerweide zum Bürgerpark erheblich. Trotz der Räumung des gesamten Geländes wirkt die Bürgerweide nach wie vor mehr trennend als verbindend, mehr abweisend als einladend.
Das geplante Veranstaltungszentrum, dem der Wettbewerb galt, soll Großveranstaltungen und Ausstellungen wie bisher aufneh
men, aber auch Tagungen, Konzerte, Vorträge und soll unmittelbar mit einem Hotel verbunden sein. Das räumliche Beieinander „unter einem Dach" hat in dem Hamburger Kongreßzentrum am Dammtor ein Vorbild.
Zu der wirtschaftlichen Seite des Veranstaltungszentrums kann der Vorstand der Aufbaugemeinschaft nicht Stellung nehmen, wohl aber zu der städtebaulichen und architektonischen Lösung.
Die Bürgerweide besitzt beste Voraussetzungen für ein Veranstaltungszentrum, sie liegt unmittelbar am Bahnhof, nur 1200 Meter vom Markt entfernt, sie wird an zwei Seiten von dicht bewohnten Stadtteilen umfaßt, sie geht in den Bürgerpark über und ist mit der Autobahn vorzüglich verbunden, sie hat ein ausgedehntes Freigelände, das als Parkplatz genutzt wird, aber auch für den Freimarkt, die Osterwiese und andere Veranstaltungen im Freien (oder in Zelten) zur Verfügung steht.
In dem Ausschreibungstext des Wettbewerbes heißt es zu den Voraussetzungen in dem abschließenden Kapitel mit der Überschrift „Qualität";
„Der Auslober ist überzeugt und alle Gutachten sagen das gleiche aus: Die Qualität muß hervorragend sein." und weiter: ...
Zu den genannten Voraussetzungen „muß aber eine weitere Eigenschaft kommen: Die Räume, in die man die Besucher als Gäste einladen will, müssen schön sein - schön im Sinne eines attraktiven „Gasthauses". So wichtig technische Perfektion in der Organisation und Kommunikation ist, der Gast will Kleinteiligkeit, Gemütlichkeit, Anmutung und keine technische Großräumigkeit." Gerade diese Eigenschaften fehlen aber der Stadthalle, so wie sie heute ist, gänzlich.
Die Schwierigkeit der gestellten Aufgabe besteht also in der Auseinandersetzung mit der vorhandenen Stadthalle, ihrer aggressiven kühlen Architektur und ihrer auf Massenveranstaltungen ausgerichteten Atmosphäre sowie in der Vereinigung unterschiedlicher, sich zum Teil geradezu widersprechender Nutzungen, die vom Sechstagerennen bis zu Tagungen und Konzerten mit hohem kulturellen Anspruch reichen. Der Auslober ist sich dieser Schwierigkeit wohl bewußt, wie man dem Text der Ausschreibung entnehmen kann.
Eine Voraussetzung muß noch hinzugefügt werden. Das geplante Veranstaltungszentrum kann seine Eigenart, seine Unverwechselbarkeit, sein Ambiente nur vom Bürgerpark und dem Grün der Deetjen-Anlagen empfangen. Der Park muß deshalb bis zu den Bahnanlagen vorstoßen, er muß am Nordausgang des Lloyd-Tunnels und des Bahnhofes bereits beginnen. Das Veranstaltungszentrum muß in den Grünraum integriert werden. Vor diesem breiten Hintergrund müssen die Entwürfe für das Veranstaltungszentrum beurteilt werden. Der Vorstand der Aufbaugemeinschaft ist erfreut über die vom Preisgericht mit einer klaren Mehrheit getroffene Zuteilung des ersten Preises an Professor
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Prof. Klaus Kafka und Mitarbeiter