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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
Seite
48
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Aufbaugemeinschaft Bremen Bremen, 17. l. 80

Herrn

Bürgermeister Hans Koschnick 2800 Bremen 1 - Rathaus

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Koschnick!

Wir wenden uns mit einer Bitte an Sie.

Die Bitte betrifft die Gestaltung desStadteinganges" durch das Ostertor, ein altes planerisches Ziel. Die Kunsthalle (1843/1900), die beiden Torhäuser (1825), das Theater (1913), die heute ohne Bezug nebeneinander stehen, müssen zu einem Ensemble verei­nigt werden, der Ubergang über den Stadtgraben muß wieder er­lebt werden können, der Platz vor dem Theater mit dem an­spruchsvollen Namen -Goetheplatz" - muß eine würdige Form erhalten. Das Straßenmobiliar auf dem Goetheplatz, die Bedürf­nisanstalt neben dem Gerhard-Marcks-Haus, der Robinsonspiel­platz auf dem - schon seit langem - zugeschütteten Teil des Stadt­grabens geben ein unwürdiges Stadtbild (siehe Anlage). Ein Kin­derspielplatz hat neben dem Torhaus keinen guten Standort, er gehört in den Wohnbezirk der Kinder, also in die zuerneuernde" Ostertorvorstadt.

1. Bereits 1949 wurde vorgeschlagen, die Goethe-Sammlung von Anton Kippenberg, dem Gründer und Inhaber des Inselverla­ges und Ehrenbürger unserer Stadt, in dem Torgebäude an der Nordseite der Süaße unterzubringen. Der Vorschlag wurde damals Herrn Senator Spitta, einem Schulkameraden Kippen­bergs, überreicht. Die Sammlung ist leider nach Düsseldorf gekommen.

1959 hat die Aufbaugemeinschaft Bremen sich mit der Frage beschäftigt, wie ein kleines Haus des Theaters neben dem be­stehenden großen Haus in dem Baublock zwischen Mozart­straße und Bleicherstraße im Rahmen des anzustrebenden En­sembles eingeordnet werden kann.

Wiederum einige Jahre darauf wurde das Torhaus seitlich der Kunsthalle für die Aufnahme der Gerhard-Marcks-Sammlung umgebaut. In den letzten Jahren schließlich wurde nach lan­

gen Diskussionen für den Erweiterungsbau der Kunsthalle eine städtebauliche Lösung gefunden, bei der die Wallanlagen südlich der Kunsthalle nicht angetastet werden und zwischen der Kunsthalle und dem Gerhard-Marcks-Haus ein breiter Durchblick in die Anlagen erhalten bleibt. Der Architekt für den Erweiterungsbau, Professor Werner Düttmann, Berlin, und Gartenbaudirektor Andreas haben bei dieser Gelegenheit ei­nen Plan für die Gestaltung der Wallanlagen bearbeitet, der der städtebaulichen Situation voll gerecht wird (siehe Anlage).

2. Gleichzeitig haben einige ältere Bremer, die sich ihrer Vater­stadt verbunden und verpflichtet fühlen (Hermann Fitger, Jahrgang 1891; Wilhelm Wortmann, Jahrgang 1897; Friedrich Schumacher, Jahrgang 1905) und die Aufbaugemeinschaft Bremen einen Vorschlag für eine angemessene Nutzung des Torhauses an der nördlichen Straßenseite bearbeitet. Das Un­tersuchungsgefängnis entspricht schon lange nicht mehr den an ein Gefängnis zu stellenden Anforderungen und die jetzige Nutzung des Torhauses ebensowenig der verpflichtenden städtebaulichen Situation. Dem beigefügten Schriftsatz und den Plänen können Sie den Inhalt unseres Vorschlages ent­nehmen. Die Erläuterung zeigt Ihnen, daß die empfohlene Nutzung sowohl der Pflege bester Tradition als auch den heu- ügen Aufgaben zugewandt ist.

3. Wir schlagen vor, dem Torhaus den NamenRudolf-Alexan­der-Schröder-Haus - Bremisches Museum für Städtebau und Stadtplanung" zu geben. Schröder war Schriftsteller und Ar­chitekt. Als solcher hat er bis 1930 in unserer Stadt gewirkt. Sein literarischer Nachlaß ist überwiegend im Schiller-Archiv in Marbach untergebracht. Sein Nachlaß als Architekt könnte in dem Torhaus bewahrt werden und außerdem ausgewählte Arbeiten eines anderen bedeutenden Bremers, Professor Dr. Fritz Schumacher (1969/1947). Eine von Clara Rilke-Westhoff im Jahre 1952 geschaffene Bronzetafel mit dem Relief Schuma­chers hat bekanntlich in unserem Rathaus einen Platz erhalten.

Herr Pastor Besch bemüht sich in Verbindung mit Pastor Rud­ioff, dem Vorsitzenden der Vereinigung für Bremische Kir­chengeschichte, einen Teil der geistlichen Schriften Rudolf Alexander Schröders für Bremen zu erhalten.