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Der Aufbau : Bürger und Stadt
Entstehung
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Prof. Dr.-Ing. h. c. Friedrich Tamms

Br prägte die Stadt Düsseldorf

Er nimmt auch heute noch aktiv Anteil am Leben und Treiben in dieser Stadt, in der er die Weichen für den Wieder- und Neuauf­bau stellte: Professor Friedrich Tamms. 21 Jahre lang hat er - zu­nächst als Planer, dann als Beigeordneter für einen Teilbereich des städtischen Bauwesens und schließlich als Dezernent für alle technischen Ämter der Stadt - die bauliche und städtebauliche Gestaltung Düsseldorfs dirigiert und dabei so manches Mal sei­nen mecklenburgischen Dickschädel gegenüber dem Rat der Stadt und seinen Ausschüssen durchgesetzt. Selbst seine Kritiker erkannten bei seiner Pensionierung 1969 neidlos an, daß Düssel­dorf dank Tammsgrößer, schöner und moderner" dastehe als je zuvor.

Der heute 73jährige Experte, ein Ästhet par excellence, der zeit­weilig zusätzlich auch das kulturelle Geschehen der Stadt voran­trieb, prägte durch zahlreiche Objekte - Straßen, Brücken, Tun­nel, Hochbauten - das neue Gesicht Düsseldorfs. Der Mann, der dem Rat das größte Bündel schwerwiegender Beschlüsse vorlegte und am tiefsten in den Beutel des Stadtkämmerers griff, geriet zwangsläufig in den Brennpunkt der Diskussionen und auch der Kritik. Nicht allen Landeshauptstädtern paßte beispielsweise der Durchbruch der Berliner Allee, und die Heimatvereine organi­sierten sogar einen Protestmarsch von 8000 Bürgern, als die Ver­breiterung der Hofgarten- und Kaiserstraße zu Lasten des Hofgar­tens zu gehen drohte. Die Mißhelligkeiten hielten die Düsseldor­fer Jonges, aus deren Reihen Tamms auf dem Höhepunkt der Hof­gartenkrise ausgetreten war, jedoch nicht davon ab, dem befehde­ten Professor einige Jahre später durch Verleihung der Goldenen Jan-Wellem-Medaiile und der Ehrenmitgliedschaft für seine städtebaulichen und architektonischen Leistungen gebührende Reverenz zu erweisen.

Der auch von der Stadt und fachlichen Organisationen wiederholt hoch geehrte Städtebauer, der statt Düsseldorf vielleicht die türki­sche Metropole Ankara neu gestaltet hätte, wenn ein Ruf dorthin nicht 1947 an der Ausreiseverweigerung der Besatzungsmächte gescheitert wäre, hat manche seiner Vorstellungen nicht zuletzt dank seiner rhetorischen Begabung durchzusetzen vermocht: Die intelligente Beredsamkeit der beherrschenden Figur der Beige­ordnetenrunde, die viele Jahre überdies der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung präsidierte, ließ häufig genug die verwirrt-hilflosen Stadtväter auf die Tamms'sche Linie ein­schwenken, die sich ebenso häufig auch als richtig erwies. Tamms Erkenntnis aus langjähriger Arbeit: Die Stadt ist in erster Linie ein sozialer Organismus, dessen Funktionsfähigkeit sich nicht mit technischen Zukunftsvisionen optimieren läßt. en

Aus: Das Tor 11/1977

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