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Der Aufbau : Bürger und Stadt
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Kritische Gedanken

Jäger zum Natur- und Landschaftsschutz

Von Dietrich Steckhan

Es ist nicht beabsichtigt, die z. Z. üblichen polemischen An­feindungen und die zunehmend unsachliche Argumentation zwischen Jägern und Landschaftsökologen um eine weitere Variante zubereichern", weil der von beiden Seiten mitun­ter angeschlagene rüde Ton der wichtigen Sache, um die es letztlich geht, nicht dienlich sein kann. Erst wenn die Er­kenntnis gewonnen wird, daß das Gegeneinander zu nichts, das Miteinander aber zum vollen Erfolg führen wird, kön­nen Taten den Streit vergessen lassen.

Es sollen im folgenden lediglich einige Gesichtspunkte ange­führt werden, die der Verfasser gleichwohl als Jäger und im Natur- und Landschaftsschutz engagiert zur Überle­gung und zur Diskussion in den Raum stellen möchte.

Die Notwendigkeit des Schutzes unserer Umwelt wird heu­te von den meisten Menschen nicht nur bejaht, sondern auch aktiv unterstützt. Blickt man auf die letzten fünf bis zehn Jahre zurück, so läßt sich mit Befriedigung und Dank­barkeit feststellen, daß viele Schandflecke und Ärgernisse in der Landschaft wie ungeordnete Müllkippen oder Auto­wracks verschwunden sind. Trotzdem bleibt noch viel zu tun.

Ein besonders betrübliches Kapitel stellen die großen Men­gen von Flaschen, Plastikgefäßen und -beuteln dar, die nach Gebrauch einfach aus dem Auto geworfen werden. Wer einmal an einer einschlägigen Aufräumungs- und Säube­rungsaktion in Feld und Wald teilgenommen hat, bekommt sehr klare Vorstellungen von der Einstellung einer immer noch zu hohen Zahl uneinsichtiger und gleichgültiger Zeit­genossen.

Auch die Jägerschaft kann ihren Teil zur Erhaltung und Ver­besserung des Landschaftsbildes beitragen; nicht nur der einzelne Jäger, sondern auch seine Bundes-, Landes- und Kreisverbände. An Hand von einigen Beispielen soll gezeigt werden, welchen zusätzlichen Beitrag die Jäger im einzelnen leisten können.

Wem sind bei seiner Fahrt durch die Lande oder bei Spa­ziergängen nicht schon die mehr oder weniger massiert auf­tretenden, oft häßlich anzusehenden freistehenden Hochsitze aufgefallen? Auf die Frage des Nichtjägers nach der Not­wendigkeit dieser auchKanzeln" genannten Hochsitze soll­te der Jäger eine sachliche Antwort geben und sich nicht hinter der Ausrede mangelnden Verständnisses verbergen. Es soll nicht verkannt werden, daß freistehende Hochsitze in deckungsloser, offener Landschaft für die Ausübung der Jagd unentbehrlich sind. Areale dieser Art findet man in rei­nen Ackerbau- oder Grünlandgebieten. Ihr Anteil ist jedoch insgesamt gesehen gering. In der Regel herrscht in

Niedersachsen eine Landschaft vor, die vom steten Wech­sel von Feld, Wald und Wiese gekennzeichnet ist.

Warum, fragt man mit Recht, müssen Hochsitze frei ste­hen, wenn sie ohne Einschränkung ihrer Funktion an einen Waldrand, an einzelne Bäume oder an Hecken und Büsche gestellt werden können?

Warum müssen viele von ihnen Schandflecke in der Na­tur darstellen, primitiv aus Brettern, Kunststoff- oder Eternitplatten, ausgedienten Türen oder Autoteilen zu­sammengehauen oder -genagelt?

Warum müssen sie oft in lückenloser Kette und in ge­ringen Abständen stehen und somit das Landschaftsbild gründlich zerstören?

Warum müssen die Trümmer ausgedienter Hochsitze mit­unter noch nach Jahren in der Gegend herumliegen, an­statt sie gleich in geeigneter Weise zu beseitigen?

Hochsitze, alsKanzeln" oder Ansitzleitern ausgeführt, las­sen sich auch so erstellen und aufstellen, daß sie nicht nur den ihnen zugedachten Zweck erfüllen, sondern auch in die Landschaft passen. Wo in deckungsloser Landschaft nicht darauf verzichtet werden kann, sollten keineBretterbu­den auf Stelzen" aufgestellt und dafür Ausführungen ge­wählt werden, die lediglich aus Fichten- oder Kiefernstan­gen gefertigt sind. In vielen Fällen können auch mobile Hochsitze helfen, Landschaftsschäden zu vermeiden, wenn sie lediglich im Bedarfsfalle aufgestellt werden.

Unverständlich wird die Situation, wenn die häßlichen Kon­struktionen in Natur- und Landschaftsschutzgebieten aufge­stellt werden, wo die Uberwachungsfunktion und Zuständig­keit der zuständigen Behörden und Organe nicht selten nach Aufstellung des Hinweisschildes aufhört. Es erscheint drin­gend erforderlich, dem Gedanken des Landschaftsschutzes auch in Hinsicht auf die Einhaltung der Schutzbestimmungen mehr Geltung und Nachdruck zu verleihen, als mit der Aus­weisung immer neuer Landschaftsschutzgebiete den mühsa­men Nachweis für Aktivitäten zu erbringen. Ohne die aktive und einsichtige Mitarbeit der Jägerschaft ist das Problem der freistehenden Hochsitze nicht zu lösen. Sie selbst, ins­besondere aber ihre Kreis- und Landesverbände, sollten auf­klärend und, wenn nötig, durch gezielte individuelle An­sprache überzeugen und auf den einzelnenSünder" ein­wirken, damit dem geschilderten übel abgeholfen werden kann. Beim überwiegenden Teil der Jäger mangelt es ge­wiß nicht an gutem Willen. Ein anderes Ärgernis, das durch ein stärkeres Engagement der Jäger sicherlich zu mildern wäre, stellt das Abbrennen oder Flämmen des trockenen Grases im Frühjahr dar. Jedermann weiß, daß das Abbren­nen zu bestimmten Zeiten nicht nur verboten, sondern zu-

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