scheine für den Erwerb von Grundstücken ausgegeben werden mit der Verpachtung, in einer angemessenen Zeit im Rahmen der zur Bebauung kommenden Abschnitte zu bauen, die Anliegergebühren zu leisten und die zu erlassenden besonderen Bauvorschriften zu beachten. (Siehe Teil II, 6).
Der innere Ausbau der in persönliches Eigentum übergehenden Wohnungen kann zu erheblichen Teilen den Bewohnern überlassen bleiben. Das Eigentum erhält durch persönlichen Einsatz einen besonderen Wert.
Viele neue Wege sind möglich. Sie können eingeschlagen werden, ohne daß die Qualität des Wohnens geschmälert wird. Im Gegenteil - sie werden zu einer Bereicherung des Wohngebietes und zu einer persönlichen Atmosphäre führen, die wir in den meisten Neubaugebieten so sehr vermissen.
Der Teil III bringt Auszüge aus Bürgerschaftsprotokollen, die zeigen, daß seit 1968 in größeren Abständen immer wieder das Thema - Hollerland - zur Diskussion stand.
Interessant ist auch der Bericht aus der Hamburgischen Bürgerschaft über die Stadtflucht. Hamburg ist die erste Stadt, die errechnete, welche Verluste mit jeder Abwanderung eines Bürgers aus der Stadtgemeinde entstehen.
Die Schlußseiten der Dokumentation zeigen, welche großen Möglichkeiten Bremen gegenüber anderen Städten hat. Es kann nur die Hoffnung ausgesprochen werden, daß die Verantwortlichen die Chance sehen und nutzen.
■ Umwelt
• Das Buch „Stadt- und Landesplanung Bremen 1926-1930" von Schumacher, das heute noch „Ein Vorbild für die Methodik stadt- planerischer Arbeit" ist, soll neu herausgegeben werden.
• 30 Jahre Information des Bürgers
und über seine Mitarbeit wird im Heft 4/1976 „Der Aufbau" auf den Seiten 160 bis 163 berichtet. Aus dieser Veröffentlichung wird deutlich, daß ein verantwortlich denkender Bürger durch die Mitarbeit für seine Stadt und für sein Gemeinwesen es mit in der Hand hat, die Umwelt zu gestalten und sie lebenswert zu erhalten. Die in dem Bericht aufgeführten wichtigen Dokumentationen vermitteln einen Eindruck, daß Mitarbeit des Bürgers möglich und sinnvoll ist.
• Mitarbeit des Bürgers
geht sehr eindrucksvoll hervor aus dem Bericht einer Mitbürgerin über die Vogelwelt im Werderland.
Die Verfasserin sagt u. a.:
Der geplante Baggersee westlich des in der Anlage befindlichen Westfriedhofes wäre ideal zur Rettung vieler Wasser- und Watvögel - vorausgesetzt, daß an diesem See weder Wasser- noch Angelsport betrieben würde und femer, daß ein anzulegender Spazierweg rings um den See herum nur an ein oder zwei Stellen unmittelbar an das Wasser heranführen würde.
Er kommt auf diese Weise einer viel größeren Anzahl von Menschen zugute als nur den notwendigerweise in beschränkter Anzahl auftretenden Sportlern und Anglern. Es muß sich bei der Anlage dieses Teiches auch hier die Erkenntnis durchsetzen: Was zur Erhaltung der Natur getan wird, kommt uns allen zugute, (siehe Heft 4/1976 „Der Aufbau").
■ Zusammenarbeit mit anderen Vereinigungen
Es besteht nach wie vor die Verbindung zu einer größeren Zahl von Vereinigungen in unserer Stadt und Region, denn es gibt immer wieder Fragen, die man gemeinsam klären kann. Die Namen der uns teils korporativ bzw. teils in nur sachlicher Zusammenarbeit angeschlossenen Verbände sind: Arbeitskreis Fischerhude/Ottersberg,
Bremische Gesellschaft Lüder von Bentheim, Gesellschaft der Freunde der Universität Bremen, Ges. für Orts-, Landschafts- und Umweltschutz Bederkesa, Historische Gesellschaft, Verband Bremischer Bürgervereine, Verein für Niedersächsiches Volkstum, Vereinigung für Städtebau, Bürgerinitiative Brake e. V. Bremer Naturschutzgesellschaft, Bremer Sportfischerverband e. V. Bund Deutscher Architekten im Lande Bremen, Bund Deutscher Gartenarchitekten, Bürgerparkverein Bremen, Burggesellschaft Bederkesa e. V., Die Sparkasse in Bremen,
Deutsche Gesellschaft für Gartenkunst und Landespflege, Landesgruppe Bremen-Oldenburg,
Landesverband der Kleingärtner, Kleinsiedler und Gartenheimer für Bremen und Umgebung, Verkehrsverein der Freien Hansestadt Bremen, Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Weltbund zum Schutze des Lebens.
■: Schlußwort
Das Berichtsjahr zeigt dem Berichterstatter erneut, wie notwendig die echte Mitarbeit des Bürgers ist. Unter Mitarbeit verstehen wir aber, daß neben den Sorgen und Problemen des Stadtquartiers das Wohl und Wehe der gesamten Stadt bei allen Entscheidungen das Hauptleitmotiv sein und bleiben muß.
So hat das Berichtsjahr auch gezeigt, daß die in den letzten Jahren offiziell tätig gewordenen Beiräte in den verschiedenen Stadtteilen besonders auffallend im Raum der Stadtmitte leider das Wohl der gesamten Stadt sehr weit hintenanstellten. Diesen Beiräten möchte man die klassische Definition des Begriffes ..Urbanität", wie sie Professor Salin im Juni 1971 ausgesprochen hat, ins Stammbuch schreiben und wünschen, daß sie begreifen, welche Aufgabe und Verantwortung sie haben. Sie lautet:
„Wir lieben das Schöne und bleiben schlicht, wir lieben den Geist und werden nicht schlaff. Reichtum dient bei uns dem Augenblick der Tat, nicht der Großsprecherei, und seine Armut einzugestehen ist nie verächtlich, verächtlicher, sie nicht tätig zu überwinden. Wir vereinigen in uns die Sorge um unser Haus und um unsere Stadt, und den verschiedenen Tätigkeiten zugewandt, ist doch auch in staatlichen Dingen keiner ohne Urteil. .."
Wenn die Zukunft unserer Stadt und Region wieder in bessere Bahnen einmünden soll, ist folgendes von Bedeutung:
1. Planungsvorgänge, die schon gründlich von den Vätern erarbeitet wurden, nicht als politischen Unsinn jener Zeit abzutun,
2. den Rat und die Empfehlung der Deutschen Akademie für Städtebau von 1949 zu respektieren,
3. das unreale „dezentrale Stadtmodell" schnellstens zu den Akten zu legen,
4. ein ,, Raumordnungs-Programm" einschließlich Verband für Stadt, Siedlungsraum und Region zu schaffen,
5. einen Generalverkehrsplan aufzustellen, der Stadt, Siedlungsraum und Region dient,
6. schließlich 1977/78 einen neuen Flächennutzungsplan vorzulegen.
Ohne diese Grundlagen bleibt es dabei ,,eine Stadt ohne Konzept", nicht als Frage, sondern als Feststellung.
Unsere von Unsicherheit erfüllte und in der Eile erstickende Zeit braucht den mitmenschlichen Einsatz, d. h. echte, uneigennützige Mitarbeit des Bürgers.
Ein Wort von Abraham Lincoln aus dtem Jahre 1861 kann hier eine Hilfe sein:
„Man kann Leute einige Zeit und einige Leute alle Zeit, aber nicht alle Leute alle Zeit zum Narren halten".
74