schwistern nur noch Missionsobjekte sehen.
7) Die beiden aufgeführten Jugendsekten sind streng hierarchisch aufgebaut und werden autoritär geleitet. Sowohl bei der „Vereinigungskirche" als auch bei den „Kindern Gottes" gibt es die harte „Befehlskette" von oben nach unten, aus der keiner ausbrechen darf. Totaler Gehorsam von unten nach oben verhindert jegliche Kritik.
8) Das elitäre Bewußtsein der Mitglieder beruht auf der Behauptung der Sektenführer, daß gerade ihre Gemeinschaft in den Augen Gottes hervorgehoben sei. San Myung Mun will das Reich Gottes zuerst in Korea und dann in der ganzen Welt aufrichten und mit seinen Anhängern darin herrschen. David Berg prophezeit den „Kindern Gottes" ebenfalls die Regierungsgewalt über die Erde, allerdings erst nach der Auferstehung.
9) Zur Machtausübung der Sekte gehört es, die jungen Leute mit Hilfe von Tricks und Psychoterror am Verlassen der Gemeinschaft zu hindern. Das reicht von Postzensur und Telefonüberwachung bis zu handfesten Drohungen, jeder Abtrünnige werde entweder geisteskrank oder eine Beute des Satans, er werde einen baldigen Tod sterben oder Gott werde ihn für seinen Verrat ein Leben lang jagen. Vermischt mit der Sektenideologie wird dem Jugendlichen diese Angst so stark eingeprägt, daß er kaum die seelische Kraft aufbringt, sich dagegen zu wehren. Es sind Fälle bekannt, wo sich Ehemalige einer langen psychiatrischen Behandlung
unterziehen müssen und mit dauerhaften Schäden zu rechnen haben.
Kritische Gespräche mit Anhängern der Jugendsekten kommen nur selten zustande und enden dann auch meist ohne Ergebnis. Den Jüngern von Mun oder Berg wird nämlich ständig suggeriert, daß Eltern, Geschwister und „feindliche Interviewer" Werkzeuge des Teufels seien. Dieser wollte mit ihrer Hilfe die jungen Leute vom Weg der „Sündlosig- keit und Vollkommenheit" in die Sünde zurückholen. So leuchten schon bei der ersten Frage nach den Hintergründen ihrer missionarischen Einsätze oder nach den führenden Personen und ihrer Organisation in den Köpfen der „Mu- nies" oder der „Kinder Gottes" rote Warnlampen auf.
Wer ihnen begegnet, sollte jedoch nicht vergessen, daß er es hier mit Verführten und Manipulierten zu tun hat: idealistisch gesonnene, an religiösen Fragen interessierte oder auch in Not geratene Jugendliche, die durch raffinierte Techniken dazu gebracht wurden, ihre jeweilige Sekte als „christlich" oder „Kirchliche" Gemeinschaft zu propagieren.
Solche Behauptungen wären ein möglicher Anknüpfungspunkt, um den jungen Missionaren (in liebevoller Weise) entgegenzuhalten, daß weder die Methoden und Ziele ihrer neuen Herren noch deren Offenbarungen mit dem Evangelium des Neuen Testaments in Einklang zu bringen sind.
Paulus rief den Galtern zu: „Christus hat uns befreit; er will, daß wir auch
frei bleiben. Steht also fest und laßt euch nicht wieder zu Sklaven machen!" Da diese Aufforderung sicher auch uns heute gilt, ist das Gelände abgesteckt in dem wir frei sein dürfen von allen versklavenden Mächten, weil dort nur der herrscht, der die Freiheit gebracht hat: Jesus Christus.
Dieser „Freiraum", die Atmosphäre des Christus Jesus, müßte auch im CVJM vorzufinden sein. Eine Sphäre, die gerade auch idealistisch gesonnenen, an religiösen Fragen interessierten oder auch in Not geratenen Jugendlichen Raum bietet.
In den Zentren und Kommunen der Jugendsekten wird man vergeblich nach dem freiheitlichen Geist des Evangeliums Ausschau halten. Dort gelten allein die Gesetze der selbsternannten „Propheten" und „Messiasse", die ihre Nachfolger zu bloßen Kadern degradieren und in Gefängnissen der Angst einsperren.
Keinem Menschen, auch nicht San Myung Mun oder David Berg, ist verheißen worden, daß seine Person irgendeine Heilsbedeutung hätte und seine Äußerungen das Wort Gottes korrigieren oder ersetzen könnten. Im Gegenteil, wir werden zu großer Vorsicht ermahnt. „Meine lieben Freunde", schreibt Johannes in seinem ersten Brief, „glaubt nicht allen, die vorgeben, den Geist zu besitzen. Prüft sie, um herauszufinden, ob ihr Geist von Gott kommt. Denn viele falsche Propheten sind unterwegs". (1. Joh. 4,1)
Rüdiger Hauth