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Ansichten der Freien Hansestadt Bremen und ihrer Umgebungen / von Ad. Storck. Mit 16 Kupfern
Entstehung
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stiegene Uebel wieder auf eine tiefere Linie zurück­zuführen.

Waisenhäuser.

Eins der sehenswürdigsten Gebäude am Doms­hof ist das Petri-Waisenhaus. Kein f ühlender Mensch wird dieses musterhafte Institut ohne innige Aner­kennung seiner trefflichen Einrichtung besehen und verlassen. Sein Ursprung ist klein. Im Jahr 1681 waren durch gute Verwaltung der Armengefälle des Doms 100 Rthlr. auf Zinsen verliehen worden. Diese Summe nahm bis zu 1000 Rthlr. in sechs Jahren zu, und man beschlofs ein Waisenhaus da­mit zu gründen. Der König von Schweden , damali­ger Besitzer der Herzogthümer Bremen und Verden, schenkte zu dem Zweck eine Domcurie und allen Grundbesitz, der zu derselben gehört hatte. Redli­che Diakonen besorgten die Einrichtung des Hauses, Handwerker aller Art erboten sieb zu unentgeldli- chen Arbeiten, eine vom König bewilligte Collecte in beiden Herzogtümern vermehrte die Mittel, und so konnte die treffliche Anstalt am 10. Novem­ber 1692 eingeweihet werden. Zehn Knaben und fünf Mädchen war die Zahl der Waisen, und mit der zunehmenden Zahl nahm auch die Wohlthätigkeit der lutherischen Gemeine zu.

Als die Menge der Waisen und die Baufälligkeit des Hauses im Jahr 1782 ein neues Gebäude nölliig machten, da gestattete König Georg der Dritte einen bequemen Platz dazu. Binnen vier Tagen kamen