nes wie Wünsche und Erwartungen an die Wohnung ermittelt und darüber berichtet werden soll, so scheint sich dafür als Basis einzig die individuelle Befragung, vielleicht noch die tiefenpsychologische Exploration anzubieten. Und in der Tat werden, meist im Zusammenhang mit dem Bau von größeren neuen Wohngebieten, immer wieder sog. Wohnwunschbefragungen durchgeführt, die Standort, Gebäudetyp, Größe, Grundriß und Ausstattung der gewünschten Wohnungen festzustellen suchen. Auch aus einer Uberprüfung der Wohnerfahrungen und der Wohnzufriedenheit bei den Bewohnern von Neubauwohnungen sucht man Aufschlüsse über vergangene Fehler und künftige Wünsche zu gewinnen. Immer wieder zeigt sich jedoch, daß — von Ausnahmen abgesehen — die Betroffenen selbst offenbar nicht über die Maßstäbe verfügen, die ihre Urteile verbindlich machen könnten. Diese Maßstäbe sind in der Regel an den Wohnerfahrungen der Vergangenheit und den nicht weniger begrenzten Wohnerfahrungen der Gegenwart orientiert, den eigenen und vielleicht noch denen von Bekannten und Verwandten, die unter ähnlichen Bedingungen leben. Für alle gilt, daß in einer Zeit anhaltender Wohnungsknappheit und langsam steigenden Lebensstandards die jetzige Wohnung in den allermeisten Fällen besser ist als die vorige. Wer aus der sanierungsreifen Altbauwohnung oder der Untermiete bei den Schwiegereltern kommt, findet die neue Zwei- oder Dreizimmerwohnung mit Bad, Warmwasser und Balkon (und eigenem Abschluß!) in jedem Falle zunächst einmal wunderbar. Anders ist das hohe Maß von Wohnzufriedenheit, das alle Erhebungen zutage fördern, kaum zu erklären. Mit schöner Regelmäßigkeit finden stets um 70 %> der Befragten Siedlung, Wohnung, Zimmer, Ausstattung „gerade richtig". Und zwar die gleichen Befragten — nicht individuell, aber als Gruppe —, die in anderem Zusammenhang mit höchst kritischem Sachverstand darüber zu diskutieren wissen, ob luft- oder wassergekühlte Motoren, Vorder- oder Hinterachsenantrieb zweckmäßiger oder ob Urlaub an der See oder im Hochgebirge, in Finnland oder auf Mallorca zuträglicher sei. Wo aber wären auf dem Wohnungsmarkt das Angebot, die Informations- und auch die Vergleichsmöglichkeiten, um eine ähnlich differenzierte Urteilsbildung zu gestatten? Auf Eigenheime, Eigentumswohnungen, auch auf Ferienwohnungen scheint, dem Anzeigenteil in den großen Tageszeitungen nach zu schließen, dieser Mechanismus allmählich überzugreifen. Aber auf die städtische Mietwohnung, und gar noch die öffentlich geförderte? Hier befindet sich der Bewohner immer noch in der Situation des Almosenempfängers, der die Qualität seiner Suppe hinnimmt wie Regen und Sonnenschein. Wer eine Wohnung im sozialen Wohnungsbau zugewiesen bekommt, erhält nicht einmal einen Plan, nach dem er die Stellflächen für die neuen, oder auch seine alten, Möbel ausmessen und unterschiedliche Möglichkeiten — so vorhanden — durchspielen kann. Mehrere Wohnungen zur Auswahl hat er in den allerseltensten Fällen. Wo aber keine Alternativen vorhanden sind, verkümmert die Phantasie, verkümmern die Wünsche.
Wenn unter solchen Umständen abgetastet werden soll, welche Chancen und Möglichkeiten Wohnen und Wohnung im nächsten Jahrzehnt enthalten und bieten können, so müssen
daher zumindest zusätzlich die objektiven Entwicklungstendenzen mit herangezogen werden, die diese Chancen und Möglichkeiten beeinflussen, vor allem die ökonomischen, demographischen und sozialen — der technische Bereich muß hier weitgehend außer Acht bleiben. Erst dann können aufgrund sorgfältiger Beobachtung von Reaktionen und Verhaltensweisen und natürlich auch expressis verbis geäußerter Wünsche Bedürfnisse formuliert und in konkrete Forderungen und Vorschläge umgesetzt werden.
Zunächst einige Daten zur ökonomischen Entwicklung. In
den zehn Jahren zwischen 1960 und 1969, für die abschließende Zahlen vorliegen, hat das Bruttosozialprodukt eine reale Steigerung um 65 %>, von (in Preisen von 1962) 328 auf 499 Mrd. DM erfahren. Auch bei einem langsameren Wachstum in der Zukunft, wie es in der Regel angenommen wird, kann bis zum Jahr 1980 nach vorsichtiger Schätzung ein weiterer Zuwachs um 40—50 °/o erwartet werden. In den gleichen zehn Jahren von 1960—1969 sind die Ausgaben der privaten Haushalte, wieder in Preisen von 1962, von 180 auf 277 Mrd. DM gestiegen. Dabei ist der Anteil der Wohnungsmieten bzw. des Mietwerts der Eigentümerwohnungen an den Ausgaben der privaten Haushalte von 7,2 auf 11,5 %> gestiegen. Verläßliche Schätzungen für das nächste Jahrzehnt sind mir nicht bekannt, doch kann davon ausgegangen werden, daß auch bei einer weiteren Steigerung der Mietausgaben auf, zum Beispiel, 15 °/o der verfügbare „Restbetrag", innerhalb dessen die Haushalte über ihre Mittel verfügen können, wesentlich größer ist als heute, zumal die Anteile für andere lebensnotwendige Güter — Nahrungsmittel, Kleidung, Schuhe — entweder sinken oder stagnieren. In ähnlichem Ausmaß gestiegen wie die Mieten sind lediglich die Ausgaben für Verkehr und Nachrichtenübermittlung, in denen in erster Linie die Ausgaben für private Kraftfahrzeuge enthalten sind und die 1969 mit 11,5 °/o etwa die gleiche Höhe erreicht hatten wie die für die Wohnung. Natürlich verbergen sich hinter solchen Globalzahlen aus volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen erhebliche schichtspezifische Differenzen. Es ist nur allzu bekannt, daß gerade in den untersten Einkommensschichten der Anteil der Mietausgaben oft doppelt so hoch ist als im Durchschnitt. Bei Zwei-Personen-Rentner-Haushalten mit einem Nettohaus- haltseinkommen unter 500 DM hat das Statistische Bundesamt im April 1969 einen Mietanteil von 20,7 %> ermittelt. Immerhin hat die gleiche Erhebung des Statistischen Bundesamtes bestätigt, daß bei höheren Einkommensgruppen — Beamten- und Angestelltenhaushalten mit einem Einkommen zwischen 1850 und 2350 DM — die Mietzahlungen erst im Jahr 1966 die Ausgaben für das eigene Kraftfahrzeug überschritten haben. Ein Spielraum, innerhalb dessen ein großer Teil der Haushalte, vor allem bei wachsendem Gesamteinkommen, ihre Ausgaben für die Wohnung dosieren können, ist also kaum zu leugnen.
Aber auch die demographische Struktur der Haushalte wird sich wandeln. In Anlehnung an eine Bevölkerungsprognose hat das Statistische Bundesamt im vorigen Jahr eine Prognose der Zahl und Größe der Privathaushalte bis zum Jahr 1980 versucht. Nach dem wahrscheinlichsten Prognosefall — das Amt ist vorsichtig und operiert mit drei Alternativen
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