Aus der Arbeit der Aufbaugemeinschaft Bremen
Aufbaugemeinschaft Bremen 4. 10. 1972
An den Senat der
Freien Hansestadt Bremen
Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Sehr geehrte Frau Bürgermeister! Sehr geehrte Herren Senatoren!
Die Presseberichte um die Luftfrachtmaschine zeigen uns erneut ein besonderes „Stiefkind der Hansestadt Bremen", obwohl der Flughafen der erste auf dem Kontinent war, der eine befestigte Start- und Landebahn hatte (1908). In diesem Zusammenhang erinnern wir an unsere 1. Flughafendenkschrift vom August 1968, die besonders die katastrophalen Verhältnisse der Luftfrachtanlagen aufzeigte. Es wurde dann eine neue Frachthalle gebaut. Große Speditionsfirmen mieteten Lagerfläche, bis für die Frachtmaschine das Start- und Landeverbot verhängt wurde, und die Luftfracht per Lkw zu anderen Flughäfen, wie Hamburg und Hannover gefahren werden mußte. Inzwischen haben verschiedene Speditionsfirmen die gemieteten Räume in der Frachthalle gekündigt.
Diese Vorgänge erinnern weiter an unsere 2. Denkschrift vom Juli 1971, wo auf verschiedenen Seiten der Aufgabenbereich Luftfracht ebenfalls behandelt wurde. Die Deutsche Lufthansa ist jetzt bereit, die alte Hafenstadt Bremen wieder mit einer Frachtmaschine zu bedienen. Sie nimmt Rücksicht auf die Sperrzeiten beim Start, erwartet aber das Einverständnis aus Gründen der Wirtschaftlichkeit beim Einsatz des Fluggerätes, daß die Maschine zum Umrüsten auf den nächsten Einsatz im gleichen Zeitabschnitt wie die Postmaschine wieder in Bremen landet.
Aus den Veröffentlichungen zu diesem Vorgang gewinnt man den Eindruck, daß die Verantwortlichen in Legislative und Exekutive die Angst um ein paar Wählerstimmen höher werten, als die Funktionsfähigkeit der gesamten Wirtschaft in der Hansestadt Bremen und der Region Weser-Jade. Warum werden Verzögerungen notwendiger baulicher Maßnahmen für den Flugplatz in fast allen Fällen mit Vorgängen begründet, die noch mit dem Nachbarland Niedersachsen zu klären seien. Wer den Raumordnungsbericht 1972 für das Land Niedersachsen und die Sonderberichte für den Bezirk Stade und Oldenburg liest und auch erkennt, daß vieles nicht formuliert wurde, dem wird deutlich, daß Niedersachsen einem verantwortlichen Handeln für den Flugplatz Bremen nicht im Wege steht.
Es wird vielmehr deutlich, wie das Land Niedersachsen seinen Luftverkehr für Langenhagen und für die Lande
plätze im gesamten Land zielstrebig plant und baut. Der Flugplatz Langenhagen soll sogar für den internationalen Verkehr, was ursprünglich nicht vorgesehen war, ausgebaut werden.
Die alte Hansestadt Bremen bekommt es scheinbar nicht fertig, den Flugplatz Bremen so auszugestalten, daß er dem kontinentalen Luftverkehr in Gegenwart und Zukunft gerecht wird.
Die Hafensenatoren der Vergangenheit und Gegenwart haben scheinbar den Ehrgeiz, sich in großen Leistungen für den nassen Hafen darzustellen und merken gar nicht, daß sie eine Aufgabe des Tages übersehen. Die großen Schifffahrtslinien in Europa gehen in diesen Tagen in die Luft; so war in der Presse zu lesen: Hapag Lloyd: „Wir gehen in die Luft". Dies wird scheinbar in unserer Stadt übersehen. Lloyd ging nach Hamburg und die neue Tochtergesellschaft für das Charter-Fluggeschäft wird vielleicht in Bremen ihren Sitz haben, aber Flugbasen werden vermutlich Hamburg, Stuttgart und Düsseldorf sein.
Ein überlegt handelnder Bürger wird es sich nicht erlauben ein Bauwerk zu beginnen und es dann im letzten Bauabschnitt stillzulegen, um dann wieder mit erhöhten Kosten eines Tages neu zu beginnen. Wie ist es nur möglich, daß die Bauarbeiten der neuen Ankunftshalle Ausland/Inland zum Erliegen gekommen sind. Sind wieder, wie in der Vergangenheit, die Mittel vom Flughafen in den nassen Hafen gegeben worden?
Die Stadt Düsseldorf ist ein Musterbeispiel, wie eine Stadt ohne Hilfe von Bund und Land den Flughafen zielstrebig aufgebaut hat und durch das beachtliche Verkehrsaufkommen die Bestätigung für richtiges Handeln erhielt. Düsseldorf ist auch weiter ein Beispiel für das gute Verhältnis zwischen Flughafen und Bevölkerung. Die laufenden Veröffentlichungen im Düsseldorfer Heimatblatt „Das Tor" bestätigen auffallend das gute Verhältnis. Das besagt nicht, daß man die Lärmprobleme für die Nachbarschaft des Flughafens übersieht, aber sie auch nicht überbewertet, was leider in unserer Stadt immer wieder beobachtet wird.
Die neuesten Untersuchungen um die Lärmstärken um unseren Flughafen herum haben bestätigt, daß die kritische Grenze an fast allen Punkten nicht erreicht wird. In diesem Zusammenhang überzeugt daher auch nicht die Kritik an dem Landevorgang der Frachtmaschine. Eine laufende Maschine, die einschwebt und bei der Landung in der Nachtzeit von dem Bremsvorgang „Schubumkehr" keinen Gebrauch macht (nur in besonderen Fällen), wird den Bewohnern der Nachbargebiete nicht mehr Störungen verursachen, wie z. B.
JOACHIM MEISSNER & CO.
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