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Die Bremer Papyri / von Ulrich Wilcken
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163
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Die Bremer Papyri

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Anhang: Zwei Bremer Papyri, die nicht zur Heptakomia-

Gruppe gehören.

Nr. 83. Eine Abrechnung über Einnahmen und Ausgaben. iv. Jahrh.

P. 24 (Museum). H. 25 cm. Br. 65 cm. 3 Klebungen. Von den 4 Co- lumnen sind nur die oberen Teile erhalten, zum Teil (namentlich Gol. I) sehr beschädigt.

Dieser Text, der nach Schrift und Inhalt dem IV. Jahrhundert zuzuweisen ist, scheint mir münzgeschichtlich recht interessant zu sein. Die dürftigen Reste von Kol. I zeigen, daß hier ebenso wie in der besser erhaltenen Col. II Einnahmen von Geldsummen gebucht werden. Die dicken Punkte oder Striche, die mit dunklerer Tinte vor die einzelnen Posten gesetzt sind, geben wohl an, daß sie nachgeprüft und für richtig befunden sind. Als Zahler erscheinen in Col. II mehrfach uns schon bekannte Dörfer des Hermopolitischen Gaues, wie JluvTaXxq, KipicS, JUU- XiaCToupycöv. Am Schluß der Zeilen stehen die eingegangenen Summen, die in Gold öder So-hhov, was in dieser Spätzeit für Silber steht (Thes. Ling. Graec.) nach Gewicht angegeben werden, nach Pfunden, Unzen und Grammen. Vgl. z. B. II 3: KipKa Si[a - - - -].v xp / ^»P aa/XiKe. Von diesem Dorfe sind also 2 Pfund in Gold und 25 Pfund in Asemon gezahlt.

In Col. III und IV folgen darauf die Ausgaben, die aus diesen Einnahmen bestritten sind (III 1: TouTcoy avaXcopaTo^). Da die Einnahmen nach dem Gewicht gebucht sind, müssen auch die Ausgaben hier im Interesse der einheitlichen Buch­führung nach Gewicht angegeben werden, auch dann, wenn sie in Wirklichkeit in gemünztem Gelde, in Goldsolidi (yo[i\o\xaTa), erfolgt sind. Dies hat zur Folge und das ist das Interessante an dem Stück, daß in diesen Fällen die Solidi nach ihrem Gewicht umgerechnet werden müssen. Zum Glück kommen neben unbequemeren Umrechnungen zweimal Umrechnungen eines einzelnen Solidus vor, und hier wird der Solidus nicht wie normal zu 4 Gramm gerechnet 2 , sondern nur zu 3V2 1 I 3 '/« = 3"/i2 Gramm reinen Goldes (Ka-frapoG XpuCToO). Vgl. unten IV 2 und 6. Es wäre erwünscht, daß unsere Numismatiker sich über diesen Tatbestand äußerten.

Zumal meine Abschriften dieses Textes noch nicht überall vollständig sind, gebe ich hier nur einige Textproben.

Col. III 17. TouTooy avaXcona-roc,' '&.irmavcj> [oSJctte McnScbpou (sie) 'lepaKog

uirep toG iräyou auToG xp Xt a F y

GeoScbpcp xp U(TC o , 'V vouioru' pia

1 So faßt es auch P. Jouguet zu P. Thead. 23.

2 Vgl. Flor. 95, 10: vomo-nd-na TeTpaypanuiaTa.

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