Die Bremer Papyri
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würden sie, da er heute nicht zu ihnen gekommen sei, morgen ihn begrüßen, da sie sehr betrübt seien, bis sie sähen, wie es seinem Fuß gehe. Und nun möge er zugreifen zu seinem »Portiönchen« (uepiSioig), wie er nicht ohne Humor sagt, das er ihm von den Zurüstungen zum Abendessen schicke, nämlich die Hälfte eines Ferkels, zwei Hühner und zwei Tauben. — Das ist ein Bild aus dem gesellschaftlichen Leben in diesen Kreisen, offenbar aus den Zeiten des Friedens, wie wir es uns frischer und lebendiger kaum wünschen können.
Nr. 57. Brief der Arsis an Kornäs.
P. 71 (Bibl.). _ H. 5 cm. Br. 12 cm. — Die Schrift (Recto, parallel der Paginabreite) ist
eine schön geschriebene aufrechte Unziale (Rundschrift).
Die Frau "&p<r€is, die diesen Brief geschrieben hat (d. h. natürlich hat schreiben
lassen), mag wohl identisch sein mit der v &p<jis, die in Trauer um den Tod ihres
Sohnes XaipHucov den Brief Giss. 68 an einen Apollonios geschrieben hat 1 . An dem
uns hier erhaltenen Anfang ihres Briefes ist nur merkwürdig, daß sie zwischen den
d<Tira<riJi6s und die Proskynemaformel, die sonst zusammengehören, die Mitteilung
über den Empfang von Geld und Weizen eingeschoben hat. Vielleicht erklärt sich
diese spontane Stillosigkeit durch die Freude, die sie an dieser Zahlung gehabt hat.
Sie muß gleich damit herausplatzen, und dann fällt ihr ein, daß es sich doch schickt,
den Adressaten ihrer Fürbitte bei den Göttern zu versichern.
"&paciq KopvaTi TÖöi dSeX^cöi TroXXä Xaipciv.
Upö irdvTCov ore daird^onai. 'GTra^pÄSei- xoq e'Scokc yio\ 8paxnäg TecaapaKOi'Ta s Tecfcapag Kai irupoG H(iiau Kai t6 irpoa- KuvH(id ctou iroicöt irapa iracn ToTg ;&£oT[s]. [€]vxapicrrcöt -reib ■•[•]•[•] Kai Ik tööv [
Hier bricht der Papyrus ab
1 = "cVpcTis. — 3 = 'ETraf^pdSiToc;. — 5 Vor und hinter Suiau Spuren, daß etwas ausgelöscht ist.
Übersetzung.
Arsis (wünscht) ihrem Bruder Kornäs viele Freude. Vor allem grüße ich dich. Epaphroditos hat mir 44 Drachmen und eine halbe (Artabe) Weizen gegeben, und ich tue Fürbitte für dich bei allen Göttern. Ich danke dem--
Einzelbemerkungen.
1. "cKpais, das nicht ägyptisch ist, ist vielleicht eine Kurzform von 'cKpoifox o. ä., wie 'cV.paras eine Kurzform von makedonischen männlichen Namen mit 'A.pai-. Vgl. Otto Hoffmann, Die Makedonen (1906) S. 180. P.M.Meyer I.e. verweist auf Flor. I 4, 11 ( v cKpcreiTos). Auch Kopväg ist eine Kurzform (für KopvwXioc;), die ebensowenig wie "cKpcric; in Pape, Eigenn. steht.
3. Ob der 'Eira^poSn-os in Giss. 13 und 14 (vgl. 79 II 8), ein Angestellter des Apollonios in Hermopolis, derselbe ist wie der unsrige, läßt sich nicht mit Sicherheit entscheiden.
Verstehen könnte ich das nur, wenn Apollonios in seinem Brief etwa gesagt hätte, daß er nicht nur wegen seines Fußleidens absage, sondern auch aus irgendwelcher Rücksicht auf seinen Bruder Theon. Den Bruder Theon halte ich für identisch mit dem Schreiber von Oxy. X 1293 (s. oben). Roos S. 51 hielt den Theon für einen Bruder des Asinnius.
1 Ich glaube nicht, daß dieser Apollonios (Z. 1/2: 'cVrroXXcovicoi tcoi uicoi) der Stratege ist, wie P.M.Meyer annimmt. Vgl. auch S. 143 A. 3.
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